Die ersten Steine riss Oberbürgermeister Jürgen Roth (oben) mit dem Bagger ein und gab zur Freude aller Beteiligten den Startschuss für den Umbau des ehemaligen Kasernengeländes in ein modernes Wohn- und Verwaltungsviertel. Foto: Zieglwalner

"Ein bewegter Tag in einem bewegenden Quartier" war der Donnerstag für Oberbürgermeister Jürgen Roth, als er zum Baggerbiss am Oberen Brühl ansetzte. Er gab den Startschuss für den Umbau des Villinger Kasernengeländes in ein Wohn- und Verwaltungsviertel.

VS-Villingen - Die Stadt habe die seltene Chance bekommen, mit der sieben Hektar großen Fläche viele drängende Probleme zu lösen, betonte Roth. Zum einen eröffne sich die Perspektive für die Verwaltung, mit der Teilzentralisierung einiger Dienststellen aus Mietverhältnissen herauszukommen und den Haushalt zu entlasten. Gleichzeitig präsentiere sich die Stadt in Zeiten des Fachkräftemangels als Arbeitgeber "mit besten Rahmenbedingungen".

 

Zum anderen begegne die Stadt der Forderung nach Wohnraum und bezahlbaren Mieten. 680 Wohneinheiten entstehen auf dem Areal, 90 Prozent in der Kategorie soziales Wohnen. Für 126 Wohnungen falle eine Kaltmiete von 30 Prozent unter dem städtischen Mietspiegel an, für weitere 250 Einheiten seien Kosten von zehn Prozent unter der üblichen Kaltmiete geplant. Das dritte große Thema seien Klimaschutz und Energie. "Wir als Stadt bewegen uns mit diesem Musterquartier auf das Ziel der Klimaneutralität zu", stellte Roth fest. Geothermie sorge für Wärme und Kälte, es gebe zentrale Parkplätze, Mobilitäts-Hub oder eine zentrale Fußgänger- und Fahrradachse bis zur Innenstadt, nannte er einige Aspekte, um dieses Ziel zu realisieren.

Zentrumsnah und lebenswert mit offengelegtem Sägebach

Der Obere Brühl entwickle sich zu einem urbanen Quartier, zentrumsnah und lebenswert mit offengelegtem Sägebach, reduziertem Verkehr und grünen Achsen, nebenbei 11 000 Quadratmeter öffentliche Grünfläche mit Wasserelementen, zeichnete Roth das Bild des künftigen Viertels. Und warf auch einen Blick zurück auf die bewegte Geschichte des Gebiets, das einst der Villinger Festplatz war, bis zwischen den beiden Weltkriegen die Richthofen-kaserne entstand, zwischenzeitlich als Kriegsgefangenenlager beherbergte und dann als Mangin-Kaserne dem französischen Militär diente.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) hat es schließlich einer dauerhaften und zivilen Nutzung zugeführt. Damit diese Geschichte nicht in Vergessenheit gerät, gebe es künftig einen Lehrpfad, eine Informationsstelle und ein Mahnmal auf dem Gelände, auf dem zudem die Registratur und das Stadtarchiv ihr Domizil bekommen.

Realisierung ist vielen Beteiligten zu verdanken

Dass es nun an die Realisierung geht, sei vielen Beteiligten zu verdanken, ob dem Landesministerium, dem Regierungspräsidium, dem Landratsamt, der Bima, den Planern und Partnern sowie dem Gemeinderat und dem Team der Verwaltung, die sich in unzähligen Sitzungen und Arbeitsstunden des Projekts angenommen haben.

Angesichts dessen Dimension sei es nicht verwunderlich, dass seit dem Kauf des Geländes im Jahr 2020 auch manchmal etwas anders gekommen sei als gewünscht. Roth zählte "Überraschungen unterschiedlichster Art" auf, beispielsweise die Ausgrabungen des Landesdenkmalamtes, die länger gingen und teurer waren als gehofft, die Schwierigkeiten in Sachen Geothermie mit aufwändigen europaweiten Ausschreibungen und den negativen Auswirkungen des Ukrainekriegs und der Energiekrise auf die Bauwirtschaft. Zuletzt sei mit der Streichung der KfW-Kredite für klimafreundliches Bauen eine wichtige Säule der Finanzierung weggebrochen.

Oberbürgermeister setzt zu erstem Baggerbiss an

Jetzt heiße es, die Daumen zu drücken, "dass damit alle Hürden genommen wurden und wir wortwörtlich ab jetzt alle Steine auf dem Weg abreißen und wegräumen", gab Roth die Devise vor und setzte sich in den Bagger, um die erste Mauer einzureißen.