Entwicklungskoordinator Kai Bendziula unterstützt das Projekt vor Ort Foto: Jennifer Dillmann

Die Genossenschaft „Xäls“ hat für ihr neustes Förderprojekt Rosenfeld als Standort auserkoren.

Die meisten Menschen wissen nicht, was Bruderhahn ist. Man merkt einfach: Das ist ein Bereich, da gibt‘s nicht viele Mittel für Öffentlichkeitsarbeit“, sagt Kai Bendziula. Er ist Entwicklungskoordinator bei der Regional-Genossenschaft Xäls.

 

Der Zusammenschluss besteht aus landwirtschaftlichen Betrieben, verarbeitendem Gewerbe und Handel im Raum Zollernalb, Rottweil, Reutlingen und Tübingen. Unter den elf Betrieben dürften auf der Alb besonders der b2 Biomarkt, Heckeles Demeterhof und der Schönberghof bekannt sein. 2019 erfolgte die Gründung.

Kräfte bündeln

„Der Zweck der Genossenschaft besteht darin, in schwieriger Notlage zu helfen, indem wir Kräfte bündeln und Fördermöglichkeiten suchen“, erklärt Bendziula. „Viele kleine Betriebe können am Markt nicht mehr mithalten. Es gibt für sie nur noch zwei Chancen. Sie gehen den Weg der Industrie, indem sie sich vergrößern und bessere Technik haben. Oder es kommt zur einzigen Alternative – dem Zusammenschluss. So kam es zur Gründung der Genossenschaft.“

Der leitende Gedanke sei gewesen, Kapital zu sammeln, um die gemeinsame Entwicklung zu fördern. Teil von Xäls können übrigens nicht nur die einzelnen Unternehmen sein, sondern auch Privatpersonen, die durch einen jährlichen Mitgliedsbeitrag unterstützen.

2021 kam es zum ersten Förderprojekt

Doch die Genossenschaft hatte es nicht leicht. Das Start-up geriet zunächst in die Irrungen und Wirrungen der Corona-Pandemie. „Das war richtig schwierig, man konnte wenig in die Öffentlichkeit gehen“, erinnert sich Bendziula. 2021 kam es zum ersten Förderprojekt, das 2025 auslief. Durch Mittel des Bundesprogramms ökologischer Landbau wurde das Aufstocken des Personals in Form der Koordinationsstelle erst ermöglicht.

Man ging der Frage nach: Welches Produkt kann man gemeinsam mit den beteiligten Betrieben herstellen, um eine Wertschöpfungskette zu generieren? So entstand beispielsweise eine Tüte mit „Retter-Kartoffeln“, die es ansonsten wegen ihres Aussehens nicht in das Verkaufsregal geschafft hätten. 2022 folgte dieselbe Aktion mit „Retter-Karotten“, die außerdem noch bis heute in Möhren-Suppen und Eintöpfen verarbeitet werden.

Weiter ging es Bruderhahn-Fleisch

Weiter ging es im selben Jahr mit dem Bruderhahn-Fleisch, das in der Optik und dem Geschmack anders ist als beim herkömmlichen Hühnchen. Vermarktet wurde das Produkt von Xäls als Suppe und Frikassee im Glas, 2024 folgte die Verarbeitung zu Wurst und Maultaschen.

Nach Auslauf dieser Förderung war dem Vorstand klar: „Xäls braucht ein handfestes Projekt.“ Seit Januar 2026 läuft daher die Teilnahme am Förderprojekt „FairEdelung – Bio-regionale Produkte in aller Munde“ vom Bundesprogramm BULEplus. „Es geht drum, dass das Ministerium den Auf- und Ausbau von vor allem kleinen Verarbeitungsstrukturen fördern will“, so Bendziula. Genau das beabsichtigt nämlich auch Xäls.

Produktionsstätte ist die ehemalige Metzgerei Gühring

Als Produktionsstätte wurde die ehemalige Metzgerei Gühring in Rosenfeld auserkoren. Die Beteiligten kommen insofern zusammen, dass b2 die Verarbeitung regelt, Xäls übernimmt die Vermarktung und anderen Beteiligten kommt zugute, dass ihre Erzeugnisse Verwertung finden. Übrigens unterstützt auch die Stadt Rosenfeld das Projekt mit 54.000 Euro.

Da die Aktion taufrisch ist, befindet sich das Konzept an vielen Stellen noch in der Ausarbeitung und soll innerhalb der nächsten drei Jahre zur vollen Entfaltung kommen. Konkret besteht das Ziel darin, die Manufakturproduktion auszubauen. Außerdem werden bereits jetzt Caterings für Veranstaltungen angeboten. Die Belieferung von Kantinen, etwa in Schulen, Kindergärten und Firmen, gehört zu den ausgewiesenen Vorhaben. Besonders freuen wird Rosenfeld aber, dass das bisher leerstehende Gebäude gegenüber des Rathauses mit einem Laden ausgestattet wird, der rund um die Uhr geöffnet ist. Zudem soll mit der Zeit ein warmer Mittagstisch angeboten werden.

„Dieses Förderprojekt ist eine ziemlich große Sache für uns“, sagt der Entwicklungskoordinator. „Es ist erlebbar, quasi zum Anfassen. Das Ergebnis soll sein, dass es leckere Produkte aus der Region gibt. Für uns als Genossenschaft hat das eine große Leuchtturmwirkung, weil wir uns nach außen hin zeigen können. Das ist wichtig für die Menschen und kleinen Betriebe, die hinter Xäls stehen.“