Kinder und Jugendliche, die sich unterwegs bedroht oder hilflos fühlen, sollen künftig schnell Hilfe finden können. Das bundesweite Projekt startet nun auch in Lahr.
Kinder, die allein in der Stadt unterwegs sind und in brenzlige Situationen geraten, haben oft Schwierigkeiten, sich spontan Hilfe zu suchen. Diesem Missstand entgegenzuwirken, hat sich das Projekt „Notinsel“ der Kinderschutzstiftung Hänsel und Gretel zum Ziel gesetzt – ein Konzept, das es mittlerweile in immer mehr Städten in Deutschland gibt.
Ab sofort gehört auch Lahr dazu. Bei einem Pressegespräch im Mehrgenerationenhaus in der Lahrer Innenstadt stellten die Organisatoren das Projekt vor. Die Lahrer „Notinseln“ sind eine Gemeinschaftsinitiative der Stadt, der Polizei, des Stadtmarketings Lahr und des Präventionsvereins „Gemeinsam Stark Lahr“.
Über möglichst das gesamte Stadtgebiet – mindestens aber über die Innenstadt und wichtige Schulwege – soll ein Netz an Orten entstehen, an die sich Kinder und Jugendliche wenden können, wenn sie unterwegs in Not geraten.
Kinder sollen schnell und unkompliziert Hilfe finden
Das kann etwa der Fall sein, wenn sie sich verlaufen, ihr Handy verloren, aber auch wenn sie etwas beobachtet haben, das sie beunruhigt. Auch wenn sie Belästigung durch Erwachsene oder Mitschüler erfahren, sollen sie dort Hilfe finden können. Wie „ein Spinnennetz“ sollen sich die sicheren Orte über die Stadt legen, so der Wunsch der Organisatoren. Dass viele mitmachen, ist wichtig, denn: Präventionsarbeit funktioniert laut Beyza Iliklerden, Schriftführerin von „Gemeinsam Stark Lahr“, nur, „wenn möglichst viele Akteure zusammenarbeiten“.
Der Anfang ist bereits gemacht. So sind unter anderem das Hallen- und Terrassenbad, die Mediathek, das Kulturbüro, das Stadtmuseum, das Bürgerzentrum Treffpunkt Stadtmühle, das Bürgerzentrum im Bürgerpark, das Ordnungsamt, sowie die Ortsverwaltungen in Reichenbach, Kippenheimweiler und Mietersheim „zertifiziert“, viele weitere sollen folgen. Doch sollten nicht ohnehin alle Geschäfte, Banken oder Ämter Anlaufstellen für Kinder sein, die außer Haus in Not geraten? Die Revierleiterin der Lahrer Polizei Susanne Steudten erklärt den Unterschied: „Die Erfahrung zeigt, dass allein das Wissen, dass es offizielle Notinseln gibt, das kindliche Auftreten im öffentlichen Raum stärkt.“
Jede Notinsel bekommt eine Plakette für den Eingangsbereich
Wer kann „Notinsel“ werden? Geeignet sind laut Marie Schwend vom Amt für Soziales, Bildung und Sport grundsätzlich alle Orte mit regelmäßigem Publikumsverkehr. Es gibt jedoch weitere Voraussetzungen, um ein verlässlicher Ansprechpartner zu sein – dazu zählen feste Öffnungszeiten und möglichst ein ebenerdiger Zugang, erklärt die Projektkoordinatorin. „Kinder müssen sich vor allem direkt an einen Ansprechpartner wenden können“, so Schwend. Kosten entstehen den „Notinseln“ keine, allerdings verpflichten sie sich, im Sinne des Projekts Hilfesuchenden (das können auch Erwachsene sein) zu helfen. Wer als „Notinsel“ anerkannt wird, erhält eine Plakette mit QR-Code, die für alle Kinder gut sichtbar, möglichst zentral am Eingang, angebracht wird.
Außerdem bekommen alle „Notinseln“ eine Handlungsanweisung, die genau beschreibt, was im Ernstfall zu tun ist: Die Anliegen der Kinder und Jugendlichen ernst nehmen, sie beruhigen und konkrete Unterstützung leisten.
Wichtig dabei ist laut Schwend auch, den Kindern und Jugendlichen zu erklären, welche Schritte nun folgen – etwa dass Eltern oder Lehrkräfte verständigt werden. Vorrangig sollen Eltern, Kita oder Schule informiert werden; nur wenn es notwendig ist, werden das Polizeirevier Lahr oder Beratungsstellen eingeschaltet.
Mitmachen
Alle interessierten Geschäfte, Vereine und öffentlichen Einrichtungen sind aufgerufen, sich dem Netzwerk anzuschließen. Die Teilnahme ist kostenfrei, alle Materialien werden von der Stadt Lahr bereitgestellt. Interessierte haben die Möglichkeit, sich kostenlos unter www.notinsel.de/notinselwerden zu registrieren und Teil des Projektes zu werden.