Die „Humus-Wasser-Modellregion im Kinzigtal“ will Landwirte – etwa in Hofstetten – für eine klimaresilientere Bewirtschaftung gewinnen. Foto: Wolf

Der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord ist auf der Suche nach Landwirten aus dem Kinzigtal, die Teil der „Humus-Wasser-Modellregion“ werden wollen.

Extremwetterereignisse werden zunehmend zum Problem. Ob Starkregen oder Dürreperioden: Landwirte sind wirtschaftlich besonder betroffen. Im Kinzigtal startet der Naturpark Schwarzwald zusammen mit Kooperationspartnern, darunter das Amt für Landwirtschaft des Landratsamts und der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV), die „Humus-Wasser-Modellregion im Kinzigtal“.

 

Das Ziel der Initiative: Die Landwirte der Region unterstützen auf dem Weg zu einer klimaangepassten Landwirtschaft. Zum Auftakt des Projekts trafen sich die Verantwortlichen in Ohlsbach. Mit dabei waren auch die Bürgermeister der Gemeinden Fischerbach, Thomas Schneider, und Hofstetten, Martin Aßmuth.

Das zentrale Element ist laut der Mitteilung des Naturparks der Humusaufbau. Enthält der Boden viel Humus, hat das gleich mehrere Vorteile. Der Humusgehalt der Flächen trägt maßgeblich zur Wasserhaltekapazität der Böden bei. Gleichzeitig speichert humusreicher Boden CO₂, indem er abgestorbene Pflanzenreste langfristig bindet.

Humusreiche Erde nimmt Wasser auf und speichert es

Zudem sind wasserleitende Maßnahmen geplant. Kommt es zu Starkregen, soll das Wasser über die Flächen geleitet werden. „Die Hummuserde ist krümelig und zerbröselt in der Hand“, verdeutlicht Naturpark-Pressesprecherin Gundi Woll im Gespräch mit unserer Redaktion. Anders als ausgetrocknete, harte Böden nimmt diese Erde Wasser schnell auf und speichert es langfristig. Damit die „Humus-Wasser-Modellregion“ im Kinzigtal aber Ein erfolg wird, braucht es die Landwirte. Ab sofort können sich landwirtschaftliche Betriebe aus der Region bewerben (siehe Info).

Die beteiligten Höfe würden aus Sicht des Naturparks in mehrerer Hinsicht profitieren. Nicht nur würden die Landwirte so widerstandsfähiger gegenüber Extremwetterereignissen, es werde auch sichergestellt, dass ihre Böden fruchtbar sind. „Auf diese Weise stabilisieren sie ihre Erträge“, erläutert der Geschäftsführer des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord, Karl-Heinz Dunker, in einer Mitteilung. Es gehe darum, die Vielfalt der Kulturlandschaften der Landwirte – etwa Ackerland, Wälder, Weideflächen – zu erhalten, erklärt Sprecherin Woll. Wichtig sei, fügt Woll an, dass die Konzepte für die Landwirte auch wirtschaftlich sind. Um die passende Strategie für den jeweiligen Hof mit seinen jeweiligen Besonderheiten zu finden, sollen Fachleute ein Konzept mit humusaufbauenden Maßnahmen zusammen mit den Landwirten erarbeiten. „Ganz wichtig ist: Die Landwirte entscheiden“, erklärt Woll. Sie träfen die Wahl, welche Ansätze sie auf ihrem Betrieb verfolgen – und umsetzen wollen. Der Naturpark unterstütze durch professionelle Beratung, wissenschaftliche Begleitung, Feldtage und Seminare sowie finanziell.

Sträucher und Bäume für mehr Biodiversität

Das Ziel, Humus aufzubauen, könne dabei mit unterschiedlichen Methoden erreicht werden. Grundsätzlich entsteht die nährstoffreiche Erde, wenn sich pflanzliches Material zersetzt. Besonders effektiv, was das Speichern von CO₂ angeht, ist sogenanntes Dauergrünland. Diese Wiesen werden für mindestens fünf Jahre nicht umgepflügt. Allerdings gehe es bei der „Humus-Wasser-Modellregion“ nicht darum, nur noch Dauergrünland zu schaffen, betont Woll. Es gebe ganz unterschiedliche Ansätze, betont sie. Etwa mit sogenannten Agroforstsystemen.

Dabei werden Bäume und Sträucher auf Teilen der bewirtschafteten Flächen gepflanzt. Dadurch erhöhe sich die Biodiversität und der Schutz vor Bodenerosionen. Die Bepflanzungen können sich auch finanziell bezahlt machen. Etwa indem Obstbäume gepflanzt werden, beschreibt Woll.

Ob der Naturpark mit seiner „Humus-Wasser-Modellregion“ die Kinzigtäler Bauern an Bord holen kann? Hofstettens Bürgermeister Martin Aßmuth ist jedenfalls zuversichtlich. „Die Bereitschaft unserer Landwirtinnen und Landwirte ist sehr groß, neue Ideen und Ansätze auszuprobieren.“ Sein Oberharmersbacher Amtskollege Richard Weith sieht es ähnlich: „Unsere Region steht traditionell für eine starke, kleinbäuerliche Landwirtschaft, für nachhaltige Strukturen und ein hohes Maß an Zusammenhalt. Mit diesem Projekt entwickeln wir diese Stärken weiter – hin zu einer innovativen Region, die neue Wege im Umgang mit den Herausforderungen des Klimawandels geht.“

Landwirte werden gesucht

Landwirte mit einem Betrieb im Kinzigtal können sich ab sofort beim Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord per E-Mail an kloeble@naturparkschwarzwald.de bewerben. Folgende Informationen sollte das Bewerbungsschreiben enthalten: Betriebsstruktur, Motivation für die Teilnahme und Themen, die für den Betrieb von besonderem Interesse sind.