Bahnpendler – allen voran Harald Wendle (Fünfter von links) – und Gemeinderäte haben sich für eine Protestaktion am Friesenheimer Bahnhof getroffen. Foto: Bohnert-Seidel

Der Protest geht in die nächste Runde: Noch immer sind nicht alle Haltezeiten am Friesenheimer Bahnhof zurück, die vor vier Jahren gestrichen worden sind. Von zehn Haltestopps fehlen weiterhin acht.

Die Vorgehensweise des Verkehrsministerium empfinden die Bahnpendler als Täuschung. Um das deutlich zu machen, wurde ein Transparent aufgehängt, das sich direkt an Verkehrsminister Winfried Hermann richtet: „Sie täuschen uns mit Akten, wir zeigen hier die Fakten.“

 

Es geht den Bahnpendlern um Haltestopps im Halbstundentakt, die nahezu allesamt gestrichen wurden. Seit vier Jahren richtet sich der Protest von Friesenheims Bahnpendlern an das Ministerium für Verkehr in Stuttgart. Lediglich zwei Haltestopps sind zurück. Für einen guten Regionalverkehr reiche das noch lange nicht aus.

„Offensichtlich fehlt es nicht an der Zeit, sondern am Willen“, erklärte Harald Wendle beim Anbringen des Protestplakats, bei der ihm einige Pendler und Räte unterstützt haben.

Auf Anfrage halten die Züge in Friesenheim

Dass es nicht an der zeitlichen Taktung liegen könne, die auf der Rheintalbahn keine zusätzlichen Stopps erlaube, das bestätigten immer wieder die Servicemitarbeiter an den Bahnhöfen und Zentralen in Offenburg und Freiburg. Eigentlich ist der Haltestopp um 18.36 Uhr in Friesenheim gestrichen. „Wenn wir das Servicepersonal darum bitten, ob ein Zug nicht doch in Friesenheim halten könnte, wird in Freiburg angerufen“, bestätigte Thomas Hechinger, der seit vielen Jahren zwischen Offenburg und Friesenheim pendelt. Es geht: Züge halten auch auf Anfrage. „Nicht alle Mitarbeiter an den Bahnhöfen machen das möglich“, ergänzte Wendle. Dass der Halbstundentakt oft kein Problem darstelle, werde jedoch dadurch bestätigt und alle Aussagen aus dem Verkehrsministerium, dass die Zeiten auf der Rheintalschiene ausgereizt seien, würden so für null und nichtig erklärt.

So gab es auch jüngst wieder einen „zusätzlichen Halt in Friesenheim 18.36 Uhr.“ Mit Unterstützung des Servicepersonals der Bahn widerlegen die Bahnpendler, die Aussage aus dem Verkehrsministerium, dass auf der Rheintalbahn keine zusätzlichen Halte mehr möglich seien.

Bisherige Verschlechterungen seien nicht akzeptabel

„Ich möchte erneut betonen, dass wir akzeptieren, dass es angesichts der südlich von Offenburg noch zweigleisigen Rheintalbahn keine Verbesserungen für Friesenheim geben kann. Aber Verschlechterungen in den Hauptverkehrszeiten für Berufspendler seit 2020 sind angesichts der propagierten Verkehrswende des Landes nicht akzeptabel.“ Verschlechterungen in Friesenheim widersprächen den Ankündigungen des Ministers Hermann, der es schaffen wolle, in den Hauptverkehrszeiten den Halbstundentakt einzuführen, erklärt Wendle weiter. Für Friesenheim wurde aus dem Ministerium genau diese Taktung abgeschafft. „Ein offenkundiger Wortbruch, den es anzuprangern gilt, solange keine Korrektur erfolgt“, resümierte Wendle. An ein Aufgeben denken die Bahnpendler aus Friesenheim noch lange nicht.

Das ist bislang passiert

Am 15. Juni 2020 trat ein neuer Fahrplan für den Bahnhof in Friesenheim in Kraft. Zehn Haltestopps wurden gestrichen. Mit Protestbriefen haben sich Bahnpendler an das Ministerium gewandt. Seit dem 14. Dezember 2020 gibt es wieder den Haltestopp 7.03 Uhr und seit dem 12. Dezember 2021 den Haltestopp um 8.03 Uhr. Nach wie vor fehlen acht Haltestopps, vor allem in den Abendstunden von 15.30 Uhr bis 19 Uhr.