Im Rehabilitationscenter für krebs- und herzkranke Kinder auf der Katharinenhöhe zwischen Schönwald und Furtwangen ist der Bau eines neuen Physiotherapiezentrums voll im Gange. Noch fehlt es an dringend notwendigen Geldern. Physiotherapeuten und Kinder berichten über die Not.
Kinder und Jugendliche mit Krebs-oder Herzleiden können im Rehabilitationscenter wieder auf die Beine gestellt werden, nach Operationen, Chemotherapie und vielen psychisch belastenden Momenten. Gearbeitet wird mit verschiedenen Heilungsansätzen, und natürlich der Physiotherapie. Gerade bei Knochentumoren oder verschiedenen Hirntumoren ist es essenziell für die kleinen Patienten, wieder mobiler zu werden, um wieder ein Leben neben dem Krebs aufzubauen.
Physiotherapeutin Laura Schmidt arbeitet seit dreieinhalb Jahren auf der Katharinenhöhe und liebt ihre Arbeit. Nur der Platzmangel in der Physiotherapie wird immer mehr zum Problem. Aktuell gibt es nur drei kleine Therapieräume, einer davon muss als Büro genutzt werden, und einen kleinen Fitnessraum. Für aktuell 33 Familien, die dort leben, und vielen Kindern, die regelmäßig Physiotherapie benötigen würden, ist die geringe Raumverfügung eine große Belastung.
Lange Wege erschweren die Behandlung
„Derzeit benötigt es viel Planung und Koordination und hohe Teamarbeit, um allen Patientinnen und Patienten gerecht zu werden. Teilweise müssen wir in die Gänge, in die Sporthalle oder die Jugendarena ausweichen, nicht immer sind alle Geräte zur Verfügung“, so Laura Schmidt. Das Gelände besteht aus mehreren Gebäudekomplexen und braucht Kraft zur Überwindung.
Physiotherapeutinnen und Therapeuten holen die Kinder dabei ab und bringen sie auch wieder zum nächsten Termin. „Es geht jedes Mal wertvolle Therapiezeit ab, die besser genutzt werden könnte. Da ein Reha-Aufenthalt nur 28 Tage geht, ist die häufige Physiotherapie für eine schnelle Genesung essenziell.“ Gerade Patienten mit Knochentumoren, künstlichen Gelenken und Prothesen brauchen intensiv Physiotherapie, mindestens fünf Tage die Woche. „Jeder Patient soll so viel Therapie bekommen, wie er braucht. Allerdings müssen wir durch den Platzmangel manchmal entscheiden, dass ein Patient weniger oft als andere Therapie bekommt, es könnte durch mehr Räume besser gehen.“
„Ich möchte wieder tanzen können, unbedingt“
Auch Selin Vuran, eine 14 Jahre alte Patientin, möchte wieder mobil werden. Sie ist mit ihrer Mutter Ferda seit dem 29. Mai auf der Katharinenhöhe. Diagnostiziert wurde bei ihr Knochenkrebs im Oberschenkel im Jahr 2022. Ferda erinnert sich noch genau an den Tag, sie kamen gerade aus dem Urlaub, und wussten nicht, was die Diagnose mit sich bringt. Selin war gerade einmal zwölf Jahre alt.
Eigentlich wollte ihre Familie sie gerade zum HipHop anmelden, was ihre große Leidenschaft war. Vor eineinhalb Jahren kam dann die Amputation. Selin musste wieder lernen, wie man geht.
„Ich will unbedingt wieder tanzen können, unbedingt.“, sagt Selin. Dafür arbeitet sie hart, fünf Tage die Woche. „Die Prothesen tun anfangs weh“, so Schmidt „als Kind oder Jugendliche weist man sowas erst einmal von sich, wenn es wehtut, will man nicht weitermachen.“
Selin hatte noch an dem Tag des Interviews einen großen Fortschritt gemacht. Wo sie anfangs kaum ohne Rollstuhl zurechtkommen konnte, ist sie zu jenem Tag ihre ersten, drei Schritte frei gegangen.
Die Therapie hilft – aber die Wege zu den verschiedenen Gebäuden ist kräftezehrend. „Manchmal ist es schon sehr lange. Gerade wenn ich zum Gehbarren muss, können wir schon auf dem Gang gehen üben, aber das zieht trotzdem viel Kraft“, erklärt Selin. Die Familie hofft wiederkommen zu können, sobald die neue Physiotherapie im nächsten Jahr eröffnet wird.
Hannes will wieder ein Kind sein
Auch der kleine Hannes ist mit seiner Mutter Carin Reimers auf den Katharinenhöhen. Hannes ist fünf Jahre alt, und wurde mit eineinhalb Jahren mit einem inoperablen Hirntumor diagnostiziert. Er ist schon zum zweiten Mal hier, das erste Mal im Mai 2022. . Damals erlernte Hannes wieder das Essen. „Es war der schönste Moment seit langem, als ich meinem Sohn die Magensonde ziehen konnte“, sagt Carin Reimers.
In diesem Jahr ist die Familie gekommen, da Hannes mit Langzeitfolgen seiner Chemotherapie zu kämpfen hat. Eine Nervenschädigung tritt auf. Dadurch fällt Hannes das Laufen schwer. In der Physio wird mit ihm viermal die Woche geübt, wie er seinen Rumpf stärken kann. Mutter Carin zeigt sich verständlich. „Kinder wissen nicht, wieso sie das jetzt machen sollen. Da ist es umso wichtiger, dass man einen zentralen Platz der Physiotherapie hat, um alles immer parat zu haben. Manche Kinder wollen gerade an dem Tag nur mit dem roten Ball mitmachen, aber der ist gerade am anderen Ende des Geländes. Damit wird die Therapie erschwert.
Hannes ist nicht sehr mobil und oft erschöpft, wenn er zur Physiotherapie laufen muss. Manchmal tragen ihn die Physiotherapeuten auf dem Rücken, aber je größer und schwerer das Kind ist, desto schwieriger das Tragen.“
Der Neubau ist im vollen Gange
Das neue Physiotherapiegebäude ist im Bau. Betonwände zeigen, was in Zukunft errichtet werden soll. Fünf große Therapieräume, ein großer Fitnessraum, ein Spielraum und ein Konferenzraum mit direkter Anbindung ans Hauptgebäude soll errichtet werden. Eine Rutsche und Klettergerüst soll von einem Stockwerk in das andere reichen. „Kinder brauchen eine Motivation, aufzustehen, sie müssen sehen, dass ihre Arbeit in der Physiotherapie hilft, wieder ein Kind zu sein. Sie können mit jedem Mal höher steigen, bis sie auf das andere Stockwerk kommen“, erklärt Geschäftsleiter Stephan Maier. In die alten Räume der Physiotherapie soll ein Raum für Kunsttherapie, und ein Raum für Ganganalysen errichtet werden. Die Ganganalyse hilft dem Team aus Ärzten und Physiotherapeuten dabei zu erkennen, wo die Hauptprobleme im Laufen des Kindes liegt, wie sie sich verbessern und wo man noch ansetzten kann.
„Finanziell besteht noch ein klares Defizit“ so Stephan Maier, „Der Bau wurde vor Corona gestartet, durch die Pandemie wurden die Kosten in die Höhe getrieben, wir brauchen dringend weitere finanzielle Unterstützung.“ Der Bau soll auf jeden Fall zum nächsten Jahr 2025 fertig gestellt werden, Stephan Maier appelliert an das Herz und die Unterstützung der Menschen: „Spendenaktionen für die Fahrradtour Gingko sind weiter notwendig. Die Physiotherapie soll helfen, Familien hier weiter heilen zu lassen.“
Verlosungsaktion zur Tour Ginkgo
Tour Ginkgo
Die jährliche Radtour für kranke Kinder, hat sich 2024 der Rehaklinik Katharinenhöhe verschrieben und sammelt dann ausschließlich Spenden für den benötigten Ausbau des Physiobereichs. An drei Tagen, vom 4. bis 6. Juli, werden die rund 100 Radfahrer in gelben Trikots auf 270 Kilometern Strecke und 1500 Höhenmetern durch den Landkreis rollen.
Mitmachen erwünscht
Jeder, nicht nur die gelb gekleideten Radfahrer, können mitmachen und Aktionen starten. Vom Spendenlauf über Waffelverkaufsaktionen bis hin zur Straßenmusik ist alles denkbar. Vereine, Organisationen, Schulen und Einzelpersonen sind aufgerufen, mitzumachen. Wer eine Benefizaktion starten möchte, meldet sich bei Christiane Eichenhofer unter Telefon 0171/4 90 69 11 oder per Mail an info@tour-ginkgo.de. Dort gibt es alle Infos, Plakate für die Benefizaktion und Flyer. Die Aktion kann im gesamten Jahr über die Bühne gehen und darüber hinaus.
Mitradeln
Dabei sein kann man gegen eine Teilnahmegebühr. Für das Sattelgeld von 150 Euro gibt es die Ginkgo-Ausrüstung mit Radhelm, -hose, Trikot und T-Shirts sowie die Teilnahme an der Tour für einen Tag samt Verpflegung. Der Teilnehmer darf die Ausrüstung behalten. Anmeldung unter Telefon 0171/4 90 69 11 bei Christiane Eichenhofer.
Verlosungsaktion
Unsere Redaktion verlost eine Tages-Teilnahme für zwei Personen – unter allen Einsendungen mit dem Stichwort „Tour Ginkgo“, die bis einschließlich Mittwoch, 25. Juni, eine E-Mail an redaktionvillingen@schwarzwaelder-bote.de senden, wird der Gewinner gezogen. Die Tour-Ginkgo-Veranstalter setzen sich dann mit dem Gewinner in Verbindung – bitte Absender und Telefonnummer nicht vergessen.