Große Schilder weisen bereits diese Woche schon auf die anstehende Parkdauer-Kontrolle auf dem Culinara-Parkplatz hin. Foto: Pohl

Das kostenfreie Parken auf dem Culinara-Parkplatz an der Spittelstraße hat bald ein Ende – zumindest, wenn man die Maximalparkdauer überschreitet. Ein Kamerasystem registriert voraussichtlich ab kommenden Montag die Ein- und Ausfahrtszeiten.

VS-Schwenningen - Die ersten Schilder stehen schon am Parkplatz des Einkaufscenters und weisen daraufhin, dass nur noch maximal 90 Minuten auf dem Parkplatz geparkt werden darf. Alles was darüber liegt, wird mit einem Bußgeld belegt.

 

Auf Anfrage des Schwarzwälder Boten bestätigt Sabine Steinbrunner, Inhaberin des Culinara, dass ein entsprechendes System installiert wird, um gegen Dauerparker vorzugehen. "Wir kämpfen schon lange mit diesem Problem. Wir hatten im Winter schon Schwierigkeiten, den Parkplatz räumen zu lassen, weil Anwohner über Nacht dort ihre Autos abgestellt hatten. Und zuletzt musste einer unserer Anliefer-Lastwagen zwei Stunden stehen bleiben, weil ein Auto trotz schraffierter Fläche die Einfahrt zuparkte. Ein Auto, das keinem Kunden gehörte und dessen Halter somit nicht ausfindig gemacht werden konnte", schildert Steinbrunner die Gründe.

Alles läuft über den Dienstleister

Die Maximalparkdauer von eineinhalb Stunden gilt auf dem Culinara-Parkplatz schon immer, allerdings wurde bisher lediglich durch Schilder darauf hingewiesen, allerdings nicht kontrolliert. Das, so Steinbrunner, müsse sich nun ändern. "Wir arbeiten mit einem Dienstleister zusammen, auf den ich in anderen Städten gestoßen bin." Demnach sei ein Scanner, ähnlich wie bei einer Lkw-Maut, an der Ein- und Ausfahrt platziert, der die Kennzeichen der Autos erfasst. Sollte zwischen der Ein- und Ausfährt mehr als 90 Minuten liegen, wird der "Verstoß" registriert und ein Bußgeldbescheid ausgestellt, erläutert Steinbrunner das Prinzip.

Gespeichert würden die Kennzeichen nicht und sie seien auch für sie oder andere Mitarbeiter des Culinaras nicht abrufbar oder ersichtlich. "Das läuft alles über den Dienstleister, der im Falle eines Verstoßes gegen eine Gebühr den Fahrzeughalter abfragen lassen kann, um den Bescheid zuzusenden."

Schlüsse aus Erfahrungen

Das Vorhaben ist aufgrund der bereits platzierten Hinweisschilder auch schon in der Nachbarschaft und so manchem Kunden aufgefallen – und stößt auf wenig Begeisterung. Denn zu den von Sabine Steinbrunner beschriebenen Dauerparkern gehören eben auch zahlreiche Anwohner, die den großen Parkplatz gerne nutzen, um nicht in den umliegenden Straßen nach Stellplätzen zu suchen. Sowohl Steinbrunner als auch einer der Anwohner berichten von "Konflikten in der Vergangenheit", wonach Autos vom Räumdienst "zugeschüttet" worden seien. Es liegt in der Natur der Sache, dass beide Seiten diesbezüglich natürlich unterschiedliche Ansichten über Recht und Unrecht vertreten.

Einen anderen Aspekt spricht hingegen Gottfried Schmidt an. Der Schwenninger geht gerne im Culinara einkaufen und nutzte – außerhalb der Corona-Zeit – auch gerne die Möglichkeit, sich nach dem Einkauf noch ein Stück Kuchen und eine Tasse Kaffee beim ortsansässigen Bäcker zu gönnen. Ob das in Zukunft zeitlich noch möglich ist? "Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir beim Einkaufen genau wissen, was wir wollen. Für ein Schwätzle mit einem zufällig getroffenen Bekannten wird die Zeit zu knapp. Tempo ist beim Einkaufen angesagt, ansonsten kann das Bußgeld teurer werden als der Einkauf", glaubt er.

Auch befürchtet Schmidt, könnte die gesamte Atmosphäre während des Einkaufens anders sein: "Das Einkaufen könnte stressiger und die Kunden etwas nervöser werden", sieht er den Zeitdruck als Risiko.

Kleiner Puffer eingebaut

Sabine Steinbrunner will die Bedenken mindern: "Eineinhalb Stunden sind auf vielen Parkplätzen üblich. Und eine kleine Toleranz ist auch eingebaut", verrät sie, ohne diese konkret nennen zu wollen. "Ich glaube nicht, dass unsere Kunden wirklich ein Zeitproblem bekommen", ist Steinbrunner vom neuen System überzeugt. Sogar das Gegenteil könnte der Fall sein: "Oftmals war unser Parkplatz voll, während aber der Laden tatsächlich keinesfalls überfüllt war. Es ist dann ärgerlich, wenn Kunden weiterfahren, weil sie denken, es sei zu viel los und dabei sind ein Großteil gar keine Kundenautos."

Mit der angrenzenden vivida BKK würden im Übrigen Gespräche geführt, wie mit den bisher genutzten Parkplätzen auf dem Culinara-Gelände umgegangen wird. "Wir werden vier Wochen analysieren, wie viele Parkplätze wir vermieten können und dann mit unserem Nachbarn sprechen und eventuell eine Regelung finden", sagt Sabine Steinbrunner. Schließlich gäbe es seit Jahren ein Abkommen, dass BKK-Mitarbeiter auf dem Culinara-Parkplatz parken dürfen – "aber auch nicht kostenfrei", betont Steinbrunner.

Mehr Schaden als Hilfe

Das begrenzte Parken ist auf dem Culinara-Parkplatz übrigens nicht neu. Über Nacht ist der Parkplatz durch ein Tor abgesperrt, früher gab es eine Schranke. "Die Erfahrungen haben aber gezeigt, dass das zu mehr Problemen führt", erinnert sich Sabine Steinbrunner. Die Inhaberin berichtet von umgefahrenen Schranken, Staus bei der Ein- und Ausfahrt und nicht zugänglichen Fahrzeugen am späten Abend. Das soll das neue System zukünftig verhindern und dennoch für eine regelkonforme Nutzung des Geländes sorgen.