Wie soll das neue Landratsamt aussehen? Um sich die Farbgestaltung besser vorstellen zu können, gibt es nun ein sogenanntes Fassaden-Mock-up auf der Baustelle. Foto: Jasmin Cools

Wie verschieden Geschmäcker sind, zeigt sich bei der Farbgestaltung des neuen Rottweiler Landratsamtes. „Stimmig“, meinen die einen. Andere ärgern sich über eine fehlende Alternative.

Das neue Rottweiler Landratsamt soll gleichzeitig eine Visitenkarte für den Landkreis sein. Kein Wunder also, dass die Farbgestaltung der Fassade von den Kreisräten kontrovers diskutiert wurde. Mancher äußerte dabei, sichtlich verstimmt, den Eindruck, keine echte Wahl zu haben.

 

Bevor die Kreisräte in die Diskussion einstiegen, sahen sie sich ein sogenanntes Mock-up auf der Landratsamt-Baustelle an. Dabei handelte es sich um eine Musterfassade und Musterplatten für die Sichtbetonfassade im Erdgeschoss des Riegels.

Der Gestaltungsvorschlag besteht in graubraunen Aluminium-Fenstern und eben solchem Sonnenschutz und horizontal verlaufenden, kastanienbraunen Aluminium-Fassadenbändern zur pyritgrauen, vorvergrauten Holzfassade. Das Farbkonzept sei vom Schwarzwälder Buntsandstein inspiriert, wie die Architekten erklärten. Dazu zeigten sie verschiedene typisch rötliche Häuserfassaden aus Rottweil. Das Grau der Holzfassade werde dabei die dominante Farbe sein, erklärten sie. Das Rotbraun solle diese nur akzentuieren.

Verzögerung ist keine Alternative

Er hätte sich eine Alternative zu diesem Farbgestaltungskonzept gewünscht, machte FWV-Kreisrat Thomas Haas bei der Diskussion deutlich. Angesichts der Rückmeldung, dass die Erarbeitung einer anderen Variante zu einer Bauverzögerung führen würde, fühle er sich, als würde ihm die Pistole auf die Brust gesetzt, kritisierte Haas.

Der Fassadenbauer erarbeitet derzeit die Werkstatt- und Montageplanung. Die Bestellungen für die Materialien und Beschichtungen müssten nach den Entscheidungen des Ausschusses schnellstmöglich durch die Firma Dümler erfolgen, hieß es in der Sitzungsvorlage dazu.

Aus seiner Sicht habe der Architekt seinen Job nicht gemacht, wenn es nun auf den letzten Drücker „Friss oder stirb!“ heiße, schloss Haas seine Ausführung ab.

Ruf: klar und seriös

CDU-Kreisrat Christian Ruf konnte Haas' Sichtweise nachvollziehen. Aus seiner Sicht allerdings sei das Farbkonzept stimmig, weise eine klare Struktur auf und wirke zugleich seriös und zurückhaltend, aber auch modern. Die Farben unterstrichen den Eindruck einer Behörde, die professionell arbeite, meinte Ruf, und gleichzeitig transparent und bürgerfreundlich sei.

FWV-Stadtrat Markus Huber meinte, er hätte sich auch eine Alternative gewünscht, was die Farbgestaltung angehe. Die Farbe sei aus seiner Sicht „nicht erfrischend“ und zu zurückhaltend. Das passe nicht zum Landkreis.

Sorge bezüglich der Langlebigkeit

Gleich mehrere Kreisräte erkundigten sich nach der Langlebigkeit der Holzfassade. Diese sei absichtlich vorvergraut, um Witterungseinflüssen optisch vorzugreifen und das Erscheinungsbild damit langfristig zu erhalten, erklärten die Architekten. Die Lasur schütze auch vor Pilzbefall und trage damit zur Langlebigkeit bei.

Sie erinnerten außerdem daran, dass es nun lediglich um die Farbgestaltung gehe. Für die Holzausführung habe der Kreistag bereits vor geraumer Zeit entschieden.

Beim Betonsockel findet Typ S4 die größte Zustimmung im Kreisausschuss. Foto: Jasmin Cools

Der Kreisausschuss sprach sich letztlich mit großer Mehrheit für die matten kastanienbraunen Fassadenbänder aus sowie für den Betonsockel in einer gröberen, rot-braunen Version.

Einen ersten virtuellen Einblick ins künftige Innere des neuen Landratsamts, in dem viele natürliche Materialien verwendet werden sollen, gab es ebenfalls. Dabei war bei den Bodenbelägen, je nach Bereich beziehungsweise Stockwerk, von dunklem Betonwerkstein, geräuchertem Parkett und Teppichboden die Rede sowie von einer Wandverkleidung aus Fichte. Gestalte man den Handlauf in einem Rotton, könnte man ein gestalterisches Pendant zur Fassade schaffen, so eine Idee. Die Innengestaltung werde aber erst zu einem späteren Zeitpunkt Thema sein, so die Kreisverwaltung.