Wie wird die Integrierte Leitstelle im neuen Landratsamt Rottweil aussehen? Der vorgestellte Entwurf zeigt auch, wie im Notfall noch schneller geholfen werden kann.
Vom Unfall bis zur Hochwasserkatastrophe: Die Integrierte Leitstelle (ILS) muss rund um die Uhr erreichbar sein und funktionieren. Denn: Bei ihr landet jeder, der den Notruf 112 wählt, und in Krisenfällen bildet sie die Basis für den Führungsstab. Wie die ILS im neuen Landratsamt aussehen wird, und welche Funktionen im Notfall noch schneller helfen sollen, wurde nun vorgestellt.
Als Teil der „kritischen Infrastruktur“ koordiniert die Leitstelle – seit 2021 tragen Landkreis und DRK die Verantwortung für sie gemeinsam – Einsätze und alarmiert nötige Kräfte. Das muss zu jeder Tag- und Nachtzeit reibungslos funktionieren, deshalb setzt man auf Redundanz, so dass der Betrieb auch bei einem möglichen Ausfall störungsfrei weiterläuft. Rund 2000 Notrufe gehen im Schnitt pro Monat ein.
Erst 2024 war die Leitstelle im alten Krankenhaus in Rottweil für 600 000 Euro umfassend saniert und auf den neuesten Stand der Technik gebracht worden. Große Bedeutung nimmt auch jetzt die Planung der Leitstellentechnik ein – vom Einsatzleitsystem bis zu Anbindungen an Digitalfunk, Notruf und Digitale Alarmierung, wie Andreas Bärlin vom beauftragten Planungsbüro IDH-consult dem Kreisausschuss fürs neue Rottweiler Landratsamt deutlich machte.
Hauptaufgabe der ILS sei die Einsatzleitung. Im neuen Landratsamt sind dafür fünf Einsatzleitplätze eingeplant. Zudem werde man im Hinblick auf eine mögliche künftige Erweiterung die Voraussetzung für einen weiteren Reserveplatz schaffen, erklärte Bärlin.
Auf Großschadenslagen vorbereitet
Hinzu kommen vier Plätze für die so genannte Ausnahmeabfrage. Denn bei Großschadenslagen wie Starkregen oder Hochwasser etwa komme es zu einem enormen Anstieg bei den Notrufen, die nicht mehr allein durch die Einsatzleiter bewältigt werden können. Zudem wird es drei Ausweichplätze plus einen Reserveplatz für die Partnerleitstelle geben.
Die Kooperation mit anderen Landkreisen bei der ILS werde zunehmend wichtiger, erklärte Bärlin. Es sei deutschlandweit schon einige Male vorgekommen, dass komplette Leitstellen geräumt werden mussten, sei es wegen eines Brandes, Stromausfalls oder einer möglichen Bombe.
Einheitliche Lösung angestrebt
Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit sei ein einheitliches System entscheidend. Daher setzt man auf neue Kommunikationslösungen und strebt eine gemeinsame Ausschreibung mit den Partnerlandkreisen an, um Kosten zu sparen.
Dabei sollen dann auch Funktionen wie etwa Videonotruf – über diesen will der Gesetzgeber laut Bärlin nächstes Jahr entscheiden – möglich sein. Außerdem die Live-Übersetzung per KI, die es Disponenten ermöglicht, Anrufer, die weder Deutsch noch Englisch sprechen, besser zu verstehen und somit auch schneller zu helfen.
KI als Hilfe für Disponenten
Für das aktuelle Einsatzleitsystem werde es derweil vom Bestandshersteller künftig ein sehr ausfallsicheres Nachfolgeprodukt geben, erklärte Bärlin. Neben einer Verbesserung der Abfragequalität ist auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei der Planung von Krankentransporten und zur allgemeinen Unterstützung der Disponenten geplant. Klar sei aber auch, betonte Bärlin: Die KI werde den Menschen in der ILS nie ersetzen (können).
Für den Führungsstab in Krisensituationen soll die ILS Platz für bis zu 20 Personen bieten, führte der Planer weiter aus.
Was den Antennenmasten angehe – dieser war laut Bärlin mal etwa 15 Meter hoch auf dem neuen Landratsamt eingeplant – so habe man die Höhe im aktuellen Entwurf um sechs Meter reduziert und zudem 15 000 Euro an Kosten eingespart. „Wir kommen mit weniger aus“, so die Erklärung.
Ende 2028 in Betrieb?
Zu den Gesamtkosten, nach denen sich SPD-Kreisrat Berthold Kammerer erkundigte, wollte Bärlin noch keine Aussage treffen. Was den zeitlichen Ablauf angeht, so könnte die technische Ausrüstung im Januar 2028 und der Echtbetrieb gegebenenfalls ab November 2028 erfolgen.
Kammerer erkundigte sich auch nach dem Fortschritt beim Mietverhältnis. Das DRK soll sich laut Planung mit Blick auf die Investition des Landkreises für die Integration der ILS ins neue Landratsamt an den Mietkosten beteiligen. Im Frühjahr 2024 war von 19,27 Euro pro Quadratmeter pro Monat für das DRK die Rede gewesen. Der so genannte Bereichsausschuss des DRK habe dem Mietvorvertrag zugestimmt, erklärte die Verwaltung – wann der Vertrag dann letztlich unterschrieben wird, dazu konnte sie noch keine Aussage treffen.