Das Artcello Ensemble mit acht Cellisten eröffnete die neue Reihe „Klangwelten“ in Rheinfelden. Foto: Jürgen Scharf

Das Artcello Ensemble eröffnete das neue Format „Klangwelten“ in Rheinfelden in der Nollinger Kirche St. Felix und Regula.

Mit Raritäten für tiefe Streicher begannen die „Klangwelten“, eine neue Reihe, die bekanntlich die Beuggener Schlosskonzerte ablöst. Acht Cellisten traten in der Kirche St. Felix und Regula im Ortsteil Nollingen an. Die Studenten aus sieben Ländern von den beiden Musikhochschulen Bern und Genf gruppierten sich um ihren Celloprofessor Denis Severin, der auch die künstlerische Leitung der neuen Reihe beibehält.

 

„Man sollte so schön singen wie das Cello singt“, zitierte Severin eingangs den großen Opernsänger Schaljapin. Und das Publikum hörte in der Tat ein kantables Ensemblespiel.

Benefizkonzert für Verein „Kunst ohne Grenzen“

Severin freute sich sehr, mit seinem international besetzten Studentenensemble erstmals in dieser Kirche spielen zu können. Gleichzeitig war es ein Benefizkonzert für Severins Basler Verein „Kunst ohne Grenzen“, der Menschen in der Ukraine unterstützt - wo der Cellist selber herstammt. Und so kamen auch einige junge Ukrainer zu diesem Ereignis.

Mit 110 Besuchern zur Premiere ein großer Erfolg

Mit über 110 Besuchern war es von der Publikumsresonanz her ein voller Erfolg. Und musikalisch sowieso ein Gewinn. Ja, ein richtiges Cellistenporträt, das eindrucksvoll vorführte, wie variabel das Cello eingesetzt werden kann und wie es im großen Verbund klingt.

Zu hören waren originelle Bearbeitungen und zwei Originalstücke. Den Auftakt machte ein cellospielender Komponist, Heitor Villa-Lobos, mit dem zweiten Satz aus den berühmten „Bachianas Brasileiras“.

Die Interpretation ließ gleich aufhorchen, war makellos in allen Registern, lebendig und atmosphärisch. Da wurde eine Klangwelt zwischen Bach und brasilianischer Folklore entdeckt.

Künstlerischer Leiter glänzt selbst als Solist

Auch die anderen Programmnummern überzeugten klanglich und spieltechnisch gleichermaßen. Zündend war der Triumphmarsch aus Verdis „Aida“. Schön herbeigezaubert wurde die Atmosphäre in der Barcarolle aus Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“, und in Bellinis Oper „Norma“ wurde der Pulsschlag des Duetts Miro und Norma getroffen.

Arturo Márquez’ „Danzon Nr. 2“ als Reißer

Einen Höhepunkt erlebte das Konzert bei Arturo Márquez’ „Danzon Nr. 2“, einem eigentlichen Orchesterreißer, bei dem der Bearbeiter versuchte, die gesamte Palette des Orchesters auf die Celli zu übertragen.

Junge Musiker lieben auch die Stücke des Italieners Giovanni Sollima, von dem das volltönige „Violoncelles, Vibréz!“ auf dem Programm stand. Das Celloensemble nahm den Titel wörtlich und brachte ein fein ausgehörtes Klangbild mit einigen Minimalmusic-Anklängen zu Gehör. Severin spielte als einer der Solisten mit. Überhaupt zeigte der Celloprofessor ein waches Organisationsgespür am ersten Pult und seine Studenten ein durchwegs großes Engagement, verblüffende Virtuosität und schöne Tongebung.

Stammgäste sind mitgezogen

Auch die anderen Aufführungen blieben den Wirkungen der Werke nichts schuldig. So reihten sich weitere köstliche Stücke aneinander. Darunter der Welthit „Non, je ne regrette rien“ von Edith Piaf und zwei Evergreens der Comedian Harmonists, beide sehr geschickt für Cello bearbeitet von dem ukrainischen Komponisten Martin Ulikhanyan, einem Freund von Severin. Das rundete den kurzweiligen Abend ab, bevor das Ensemble mit der Pizzicato-Polka von Walzerkönig Strauß eine weitere „Cellikatesse“ servierte.

Veranstalter ist das Kulturamt Rheinfelden

Die stellvertretende Kulturamtsleiterin Romy Frey war sehr zufrieden mit diesem Beginn der Klangweltenreihe. Schließlich entdeckte sie unter den Besuchern nicht nur einige Stammgäste von den Schlosskonzerten und von „Klassik in Rheinfelden“, sondern freute sich auch, neue Gäste im Publikum zu sehen.

Im September wandern die „Klangwelten“ in die Galluskirche nach Eichsel.