Robochop war im vergangenen Jahr ein Hingucker auf der Cebit. Der Roboter schnitt Hartschaumwürfel mit einem heißen Draht zu. Foto: Matthias Ziegle

in Festival dieser Art ist in Deutschland wohl neu: Im Herbst geht es im Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) um Innovationen und neue Geschäftsmodelle bei Finanzen, Industrie und Mobilität. Die Macher hoffen, dass es den Südwest-Firmen Auftrieb gibt.

Stuttgart/Karlsruhe - Urich Dietz, Chef des Stuttgarter IT-Dienstleisters GFT, ist ein absoluter Israel-Fan, was die IT-Szene angeht. „Diese Weltoffenheit, mit allen zu kooperieren, und die Geschwindigkeit – das würde uns auch guttun“, sagt er. Vielleicht standen die israelische „Start-up-City“ Tel Aviv und ihr IT-Festival Pate für ein eigenes Innovationsfestival, das künftig von Karlsruhe aus nicht nur den Südwesten revolutionieren soll. „CODE_n new.NewFestival“ ist es genannt. Und betont in seinem Titel reichlich, dass es um das wirklich Neue geht.

Dietz hat Erfahrung, was Innovationen angeht. Auf der IT-Messe Cebit in Hannover hat er den Wettbewerb Code_n initiiert, der sich in den vergangenen vier Jahren zu einem der Messehöhepunkte mauserte. 50 ausgewählte Start-ups aus aller Welt präsentierten in einer eigenen Halle ihre Geschäftsideen, eine Jury kürte zu Themen wie zuletzt „Into the Internet of Things“ (Ins Internet der Dinge) die Gewinner. Dazu zählte unter anderem 2012 die Hamburger Taxivermittlungs-App Mytaxi, die später von Daimler gekauft wurde. 150 000 Besucher zogen die Veranstaltungen seit 2012 an, sagt GFT-Chef Ulrich Dietz. „Uns ist es gelungen, in Deutschland eine Technologieveranstaltung mit internationalem Niveau zu etablieren. Jetzt gehen wir den nächsten Schritt und erfinden uns neu.“

Ein „Hotspot für digitale Pioniere“ soll das Festival sein

Vom 20. bis zum 22. September soll das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) zum „Hotspot für digitale Pioniere und innovative Querdenker“ werden. Das ZKM hat sich mit seinem Brückenschlag zwischen Kunst und Technik europaweit einen Namen gemacht. Hier soll der Code_n-Wettbewerb seine Fortsetzung finden, außerdem ­Präsentationen von Existenzgründern und etablierten Unternehmen sowie Konferenzprogramme zu disruptiven Technologien bieten. Damit sind Innovationen gemeint, die bestehende Technologien, Dienstleistungen und Produkte verdrängen könnten. Entsprechend haben die Macher „Unveiling Digital Disruption“ (die digitale Disruption zeigen) als Festivalmotto gewählt.

Neben dem ZKM sollen auch andere Orte in Karlsruhe bespielt und mit Musik- und Partyveranstaltungen ergänzt werden. „Festival-Atmosphäre“ erhofft sich Dietz. Rund 10 000 Besucher erwarte er. Im Fokus der Erstauflage sollen neue Angebote für die Finanzbranche, die Nutzung von Licht (Fotonik) und die Mobilität stehen.

Einer der Festival-Partner ist Accenture, einer der größten Technologie-Dienstleister weltweit. Immer mehr Unternehmen docken sich an Start-ups an, um weiterhin innovativ zu sein, heißt es. Kürzlich habe man 1000 Führungskräfte von Großunternehmen weltweit befragt. Demnach glauben in Deutschland 68 Prozent der Führungskräfte, dass sie für ihre Innovation auf Start-ups angewiesen sind. In der Praxis verlaufe die Zusammenarbeit aber selten auf Augenhöhe. „Die Wirtschaft verschenkt durch fehlende oder ineffiziente Kooperation mit Start-ups allein in Deutschland ein Wachstumspotenzial in Höhe von 99 Milliarden Euro bis 2020.“ Deutschland-Chef Frank Riemensperger sieht deshalb im Innovationsfestival eine „Riesenchance für die ­großen Unternehmen im Land, dieses neue Ökosystem zu treffen und sich mit der eigenen Zukunft zu beschäftigen. Es reicht nicht, einfach in das Silicon Valley zu fahren“, sagt er. „Das müssen wir hier machen. In Deutschland konzentrieren wir uns bisher auf Produkte. Jetzt geht es um die Services.“

Trumpf und das Forschungsministerium zählen zu den Partnern

Ähnlich sieht man das beim Ditzinger Maschinenbauer Trumpf und beim Bundesministerium für Bildung und Forschung, die ebenfalls zu den Hauptpartnern zählen. Das Festival und sein Wettbewerb seien für Trumpf inspirierend, betont Trumpf-Vize Peter Leibinger. Und Bundesministerin Johanna Wanka erhofft sich Anregungen für die Erforschung der Fotonik. Denn diese sei ein wichtiger Treiber für „viele neue Ideen und Geschäfte, von der Datenerfassung über die Visualisierung bis hin zum 3-D-Druck“.

Auch Dietz ist optimistisch – aber auch Realist. Der Gedanke der Vernetzung sei im Südwesten angekommen – doch er werde zu selten umgesetzt, kritisiert er. „Zu viele Firmen sind noch von ihrer eigenen Denkweise geprägt. Um das zu ändern, brauchen wir noch viele Events.“