Angesichts der finanziellen Lage der Stadt macht sich unser Leser Bertold Ummenhofer Gedanken über den geplanten Neubau eines zentralen Hallenbads. Foto: Schwarzwälder Bote

Angesichts der desolaten Haushaltslage in Villingen-Schwenningen fordert unser Leser Bertold Ummenhofer einen erneuten Bürgerentscheid in Sachen Hallenbad-Neubau.

Jetzt wird durch die Vorlage des neuen Haushaltes zur Gewissheit, was sich die letzten Monate, nicht nur in VS abzeichnete, Verringerung der Steuereinnahmen aufgrund der wirtschaftlichen Situation bei gleichzeitiger Steigerung der Kosten, zum Beispiel durch Personal und Energie.

 

In dieser Deutlichkeit war dies nicht absehbar, als der Gemeinderat die Bürger bei der letzten Bundestagswahl entscheiden ließ, ob sie ein neues Schwimmzentrum wünschen. Dieses Ergebnis im Juni 2024 mit 59,62 Prozent zugunsten des Bades würde heute nicht mehr zustande kommen. Auch der Gemeinderat würde anders entscheiden.

Die ganze Sache erinnert mich an den geplanten Bau eines neuen Verwaltungszentrum in Höhe von 46,2 Millionen Euro. Wie lief dies ab: Das, was die Verwaltung wollte, nämlich das neue Rathaus, wurde schöngerechnet, was sie nicht wollte, nämlich die Sanierung der Stadtkasse oder des Rathauses in Schwenningen wurde teuer gerechnet.

Zur Erinnerung: Wir haben in Schwenningen ein tolles, modernes Hallenbad, eröffnet 2003, ein 2017 bis 2018 generalsaniertes Kneippbad, und eben ein sicherlich sanierungsbedürftiges Hallenbad in Villingen, eröffnet 1965.

Kosten für Sanierung des Hallenbades werden hochgerechnet

Jetzt werden die Kosten für die Sanierung des Villinger Hallenbades so hochgerechnet, dass sie annähernd dem Neubau nahekommt. Zum Vergleich: Die Stadt St. Georgen hat ihr Hallenbad in den Jahren 2015 und 2016 für 14,7 Millionen Euro generalsaniert, Bad Dürrheim hat das Minara im Jahr 2020 für rund neun Millionen Euro saniert und gleichzeitig das Freibad aufgegeben. Wenn man nun von einer Kostensteigerung und möglicherweise größerem Aufwand als in St. Georgen ausgeht, müsste es doch möglich sein, das Hallenbad in Villingen deutlich günstiger als angegeben zu sanieren. Ist aber nicht gewünscht und wird deshalb hochgerechnet.

Bei einem Gespräch mit Bürgermeister Detlev Bührer hatte ich die Sorge geäußert, dass die Kosten bis zum Baubeginn von jetzt 55 Millionen Euro (die SVS übernimmt fünf Millionen Euro) deutlich steigen werden. Dies würde von Herrn Bührer verneint, die Planer dürften auf keinen Fall die 55 Millionen Euro durch eben dann Reduzierung des gewünschten Umfanges nicht überschreiten.

Wirtschaftliche Einbruch war nicht absehbar

Ich mache den Bürgern und dem Gemeinderat für die Entscheidung, mehrheitlich für den Neubau zu stimmen, keine Vorwürfe, der wirtschaftliche Einbruch war damals nicht absehbar. Bin mir jedoch sicher, dass ein neuer Bürgerentscheid unter Kenntnisnahme der jetzt geplanten deutlichen Kostensteigerungen und Einsparungen gegen das neue Schwimmzentrum ausfallen würde.

Ich glaube auch nicht, dass nochmals eine Mehrheit im Gemeinderat zustande käme. Wenn man dann noch davon ausgeht, dass die SVS die fünf Millionen Euro in die Sanierung des Villinger Hallenbades investiert, dürfte der Aufwand für die Sanierung und gleichzeitig die geplanten Gebührenerhöhungen und Einsparungen, zum Beispiel bei Vereinen, deutlich niedriger ausfallen.

Es bietet sich an, bei der OB- Wahl im Oktober ohne hohen Kostenaufwand die Bürger noch mal zu befragen, ich halte dies für ein Gebot der Stunde. Ohne Gesichtsverlust kann der Gemeinderat dies beschließen, die Situation war im Sommer 2024 nicht absehbar.

Bertold UmmenhoferVillingen-Schwenningen

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