Ungefähr an dieser Stelle soll eine Stichstraße von der Straße „Am Wasserkraftwerk“ aus das neue Gewerbegebiet erschließen. Foto: Tim Nagengast

Im Süden von Wyhlen soll mittelfristig das Gewerbegebiet „Fallberg-Nord“ entstehen. Auf dem Weg dorthin liegen aber noch ein paar Stolpersteine.

Wo auch immer in Grenzach-Wyhlen jemand einen Spaten in den Boden rammt, muss er immer damit rechnen, entweder eine römische Sandale auf der Schaufel zu haben, ein paar Asses und Sesterzen oder Leistenziegelscherben einer Villa Rustica zu finden oder auf andere andere Relikte aus der Antike zu stoßen. Dies ist mit einer der Gründe dafür, warum zunächst nur der erste Bauabschnitt des geplanten Gewerbegebiets „Fallberg-Nord“ in die frühzeitige Beteiligung gehen wird. Dabei geht es um eine 5,9 Hektar große Fläche, die im Westen von der Straße „Am Wasserkraftwerk“ und im Norden von der im Bau befindlichen Umgehungsstraße eingerahmt wird. Eine kleine Stichstraße mit Wendehammer soll schräg gegenüber vom nordwestlichen Ende der Kraftwerksiedlung ins Gebiet hineinführen.

 

Altlastenverdacht und Funde aus der Römerzeit

In zum Ende des vergangenen Jahrzehnts vorgelegten Plänen war eine wesentlich größere Entwicklungsfläche in Richtung des bestehenden Gewerbegebiets „Fallberg“ vorgesehen. Dieser zweite Bauabschnitt wird aber erst auf längere Sicht angepeilt, wie im Gemeinderat zu hören war. Grund ist unter anderem ein Altlastenverdachtsfall. Außerdem ist südlich der Ritterstraße mit römischen Funden zu rechnen. Dort, auf dem „Stockacker“, hatten Helfer der Arbeitsgruppe Archäologie und Vertreter des Landesdenkmalamts im Jahr 1984 Grundmauern eines römischen Gebäudes freigelegt, dokumentiert und wieder zugeschüttet. Vor sechs Jahren waren Mitarbeiter eines Freiburger Spezialunternehmens dort mit geophysikalischer Prospektion erfolgreich. Mit weiteren Funden aus der Antike ist zu rechnen.

Im Rahmen geomagnetischer Prospektionen hatten Archäologen vor sechs Jahren im Bereich „Stockacker“ unter anderem Scherben von römischen Leistenziegeln gefunden. Foto: Tim Nagengast

Ein weiterer Stolperstein auf dem Weg zur Entwicklung des Gesamtgebiets ist eine „FFH-Mähwiese“, die im zukünftigen Bebauungsplangebiet festgelegt worden ist. Dafür, so sagte Bürgermeister Tobias Benz, müsse die Gemeinde noch einen Ausgleich suchen. Was ihn besonders ärgerte: Als die Gemeinde mit der Entwicklung des Bebauungsplans für den „Fallberg-Nord“ begonnen hatte, habe es „FFH-Mähwiesen“ noch nicht gegeben. Die jetzige in Wyhlen sei von oberer Stelle „einfach durch die Hintertür festgesetzt“ worden, schimpfte Benz am Ratstisch.

Benz: „Können nichts dagegen machen.“

„Wir haben quasi durch Zufall davon erfahren und haben keine Möglichkeit, dagegen vorzugehen“, sagte der Rathauschef. Das sei „sehr bedenklich“. Hintergrund sei ein EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland gewesen, das nicht genügend „FFH-Mähwiesen“ ausgewiesen habe, erläuterte Benz zum Hintergrund. Der Bund habe es sich dann einfach gemacht, das Thema an die Länder durchgereicht – und diese hätten dann einfach „FFH-Mähwiesen“ festgesetzt. Und zwar ohne die Eigentümer daran zu beteiligen. Die Gemeinde Grenzach-Wyhlen müsse nun nach einer Tauschfläche für die „Mähwiese“ suchen, um das Gewerbegebiet dort weiterzuentwickeln. Dieser Vorgang werde allerdings Zeit kosten, kündigte Benz an.

Nicht alle Grundbesitzer wollen verkaufen

Was den nun ins Auge gefasst ersten Bauabschnitt des „Fallberg-Nord“ angeht, sollen dort Gewerbe und sogenanntes eingeschränktes Gewerbe angesiedelt werden, „das das Wohnen in der Nachbarschaft aber nicht sonderlich stören darf“, wie der Bürgermeister betonte.

Gleich dem Vorgehen auf dem zu entwickelnden Wetzel-Areal ist auch hier eine maximale Gebäudehöhe von elf Metern samt begrünten Flachdächern angedacht. Auch sollen möglichst viele Bäume erhalten und neue gepflanzt werden müssen.

Baulandumlegung steht bevor

Wie Frank Lorkowski, Regionalbüroleiter der LBBW Immobilien und KE, im Gemeinderat festhielt, ist der Grunderwerb im „Fallberg-Nord“ gerade in vollem Gange. Um Landbesitzern, die nicht verkaufen wollen, Ersatzgrundstücke zuweisen zu können, stehe eine Baulandumlegung bevor. Den entsprechenden Beschluss soll der Gemeinderat noch in diesem Monat fassen.

Zeithorizont ist ziemlich weit gefasst

Das Gremium, so der Eindruck von der jüngsten Sitzung, betrachtet den „Fallberg-Nord“ augenscheinlich mit deutlich größerem Abstand als das Wetzel-Areal. Carola Lambelet (FW), die als einzige gegen die Billigung des Vorentwurfs des Bebauungsplans samt Offenlage stimmte, sagte, sie sei „kein Freund dieser Versiegelung“. Die Gemeinde haben sieben Gewerbegrundstücke in der Solvay, dann sei da noch das Rheinvorland-West (BASF-Areal). „Wir sollten erstmal hier was machen und nicht im Fallberg-Nord.“ Sowohl Benz als auch Jessica Auch vom Büro Baldauf verwiesen hier aber auf den gestreckten Zeithorizont.

Gemeinde müssen selbst auf Firmen zugehen

Wirtschaftsförderin Silke d’Aubert bekundete auf Einhaken von Michael Schwab (FW), dass auf jeden Fall ein langfristiger Bedarf an Gewerbegrundstücken vorhanden sei. Aktuell sei die Gemeinde „mit vier, fünf Firmen“ im Gespräch. Bürgermeister Benz zufolge hat sich das Blatt allerdings gewendet. So müsse die Kommune selbst in die Direktvermarktung gehen. „Die Zeiten, in denen externe Firmen auf die Gemeinden zukommen, sind vorbei. Der Markt ist umgedreht“, hielt Benz fest. Stand jetzt könne die Gemeindeverwaltung keinem Interessenten sagen, wann er in der Solvay oder im „Fallberg-Nord“ überhaupt bauen könne, „dabei ist das deren erste Frage“. Dabei wird das Bauen in beiden Gebieten wohl nicht sonderlich günstig, wie Lorkowski auf Nachfrage von Peter Weber (FW) durchblicken ließ. In der Solvay liege man jetzt bei einem Quadratmeterpreis von etwa 200 Euro, „und im Fallberg wird’s nicht billiger“.