Frederik Metzger ist der jüngste Richter in Lahr. Der gebürtige Mannheimer spricht Urteile in Ordnungswidrigkeiten-, Zivil- und Strafverfahren.
Dynamisch kommt er die Treppe des Amtsgerichts herunter – er trägt einen blauen Pullover, eine beige Stoffhose und hat ein freundliches Lächeln auf den Lippen. Unsere Redaktion ist zum Gespräch mit Frederik Metzger verabredet – dem jüngsten Richter am Lahrer Amtsgericht. Im Januar ist Metzger auf Hendrik Witsch gefolgt.
Der 28-Jährige lädt uns in eines seiner „Arbeitszimmer“ – ein Gerichtssaal, in dem Erwachsenen-Strafrecht verhandelt wird. Neben Ordnungswidrigkeiten und Zivilrecht ist das Strafrecht sein drittes großes Aufgabengebiet.
Dass er nach dem Abitur auf einer Waldorfschule diese Richtung einschlagen würde, war für Metzger zunächst nicht klar. Er kommt nicht aus einer Juristen-Familie. Seine Mutter ist Grafikerin und Kunsttherapeutin, sein Vater ist gelernter Schreiner und arbeitet als Dozent für Werken mit Holz und Stein.
Metzger interessierte sich für Architektur, Pharmazie und Naturwissenschaften; aber auch gesellschaftliche Zusammenhänge und Soziologie fand er spannend. „Wie verhalten sich Menschen, warum verstoßen sie gegen Regeln, wie organisieren sie sich?“ Solche Fragen haben ihn umgetrieben, erzählt er im Gespräch mit unserer Redaktion.
Arbeit in einer Kanzlei stellte ihn nicht mehr zufrieden
Am Ende entschied er sich für den Studiengang „Unternehmensjurist“ in Mannheim, wo er aufgewachsen war und damals auch lebte. Dabei handelt es sich um ein laut Universität Mannheim in Deutschland einzigartiges Kombinationsmodell, das nach zehn Semestern sowohl den Abschluss Bachelor of Laws als auch das Erste juristische Staatsexamen vereint. Der Studiengang verbindet eine vollwertige Juristenausbildung mit praxisnahen wirtschaftswissenschaftlichen Inhalten.
2022 hatte Metzger fertig studiert. Für ein halbes Jahr arbeitete er anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Hamburg, aber er vermisste seine alte Heimat. Deshalb beschloss er, sich für das Referendariat in Freiburg zu bewerben, was auch direkt klappte. Nach zwei Jahren schloss er auch das erfolgreich ab und begann, als Anwalt in einer Kanzlei zu wirken.
Doch nach und nach bemerkte er, dass diese Tätigkeit nicht so gut zu ihm passt. „Als Anwalt arbeitet man meist sehr profitorientiert“, empfindet Metzger. „Die Erfahrungen, die ich während meines Referendariats in der Justiz gemacht habe, haben mir besser gefallen.“ Die Entscheidung, Richter zu werden, habe er nicht leichtfertig getroffen, denn sie sei richtungsweisend für seine weitere berufliche Zukunft.
Als Richter sei ihm der Resozialisierungsgedanke sehr wichtig. „Die Menschen, die vor mir sitzen, kommen aus unterschiedlichsten Verhältnissen und Gesellschaftsschichten. Manche sind in Armut aufgewachsen, andere haben nie gelernt, sich an Regeln zu halten. Ich begegne ihnen unvoreingenommen und höre mir beide Seiten an.“ Er wolle den Menschen helfen, (wieder) auf den richtigen Weg zu kommen. Deshalb seien Strafen alleine oft nicht zielführend, sondern auch unterstützende Angebote und Beratung.
Zudem schätze er am Richteramt, dass man dabei sehr viel Neues lerne, beispielsweise durch Sachverständige des Zentrums für Psychiatrie in Emmendingen: „Wie behandelt man eine Schizophrenie oder andere psychische Krankheiten? Welche Auswirkungen hat das auf das Verhalten des Tatverdächtigen?“ Solche Fragen finde er spannend und bereichernd. Sein junges Alter spiele im Gerichtssaal keine Rolle, sagt Metzger. Er begegne den Menschen mit Höflichkeit und Respekt und höre ihnen zu.
Sein Alter spielt vor Gericht keine Rolle, ist er überzeugt
Zudem wollten die meisten Menschen sich vor Gericht von ihrer guten Seite zeigen und ihre Sichtweise vortragen. „Der große Saal und die Robe haben meiner Meinung nach auch einen Einfluss auf die Stimmung und Dynamik im Gerichtssaal“, sagt Metzger. Der Rechtsstaat werde dadurch repräsentiert und die Beteiligten wüssten, dass der Richter einen hohen staatlichen Akt vollführe. „Der Weg auf den Richterstuhl ist lang. Ich habe das Gefühl, das erkennen die meisten Menschen an“, glaubt er.
Metzger pendelt von seinem Wohnort Freiburg nach Lahr. Nach Feierabend könne er in der Regel gut abschalten, erzählt er. „Manche Fälle beschäftigen mich zuhause noch, aber dann gehe ich raus in die Natur, fahre Fahrrad oder jogge eine Runde – danach bin ich wieder entspannt.“