Priska Hauth, Leiterin der medizinisch-technischen Radiologie-Assistenz, steht am Tomosynthese-Gerät am Klinikstandort Balingen. Foto: Fleiner

Eine höhere Trefferquote bei der Brustkrebserkennung: Das Zollernalb-Klinikum setzt ein neues Tomosynthese-Gerät ein. Michael Bitzer, Ärztlicher Direktor, erklärt alles Wichtige.

Bei der Tomosynthese bewegt sich die Röntgenröhre in einem 360-Grad-Bogen und erstellt aus verschiedenen Winkeln mehrere Einzelaufnahmen der Brust. Die Aufnahmen werden später zu einem dreidimensionalem Bild zusammengesetzt. Im Folgenden alle Fragen und Antworten, die sonst noch von Interesse sein können.

 

Sie haben seit einigen Monaten ein besonderes Gerät zur Brustkrebserkennung. Was ist das für ein Gerät, Herr Bitzer?

Seit Anfang des vergangenen Jahres setzen wir im Zollernalb-Klinikum am Standort in Balingen die Tomosynthese ein. Das ist ein hochmodernes 3D-Mammografie-System. Dabei handelt es sich um eine innovative Weiterentwicklung der klassischen Mammografie, die insbesondere bei der Brustkrebserkennung in dichtem Drüsengewebe eine deutlich höhere diagnostische Aussagekraft bietet.

Wie funktioniert das Gerät?

Bei der Tomosynthese wird die Brust ähnlich wie bei der konventionellen Mammografie komprimiert. Im Unterschied dazu bewegt sich jedoch die Röntgenröhre in einem 360-Grad-Bogen und erstellt aus verschiedenen Winkeln mehrere Einzelaufnahmen der Brust. Diese werden anschließend zu einer dreidimensionalen Bilddarstellung zusammengesetzt. Dadurch lassen sich Gewebestrukturen wesentlich besser beurteilen – überlagernde Strukturen werden reduziert, und Tumore können früher und präziser erkannt werden.

Wie kann man Tomosynthese ins Deutsche übersetzen?

„Tomosynthese“ stammt aus dem Griechischen – „Tomo“ bedeutet „Schnitt“ und „Synthese“ steht für „Zusammensetzung“. Man könnte also von einer „Schichtaufnahmetechnik“ oder „Schnittbildzusammensetzung“ sprechen.

Michael Bitzer Foto: Nico Pudimat

Was ist der Unterschied zur Mammografie, wie sie auch im Mammobil durchgeführt wird?

Die klassische Mammografie erstellt ein zweidimensionales Bild der Brust – aus einer begrenzten Perspektive. Das kann bei dichtem Drüsengewebe problematisch sein, da Strukturen überlagert werden und kleine Veränderungen schwerer zu erkennen sind. Die Tomosynthese ermöglicht eine Schicht-für-Schicht-Darstellung des Gewebes und erhöht dadurch die Trefferquote um 20 bis 30 Prozent. Das bedeutet: Tumore können früher erkannt und besser behandelt werden. Die Prognose der betroffenen Patientinnen verbessert sich dadurch.

Kann jede Frau zu Ihnen zur Tomosynthese kommen?

Grundsätzlich ja. Die Untersuchung kann sowohl im Rahmen der kurativen Diagnostik (bei Beschwerden oder unklarem Tastbefund) als auch als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) in Anspruch genommen werden.

Ist die Art der Untersuchung auf irgendeine Art risikobehaftet?

Die Strahlenbelastung der Tomosynthese liegt heute im Bereich der herkömmlichen Mammografie und wird durch modernste Technik auf ein Minimum reduziert. Die Untersuchung ist schmerzarm und dauert nur wenige Minuten. Insgesamt gilt die Methode als sehr sicher und zuverlässig.

Zahlen die Krankenkassen eine solche Untersuchung?

Bei medizinischer Notwendigkeit – bei auffälligen Befunden oder Beschwerden – wird die Tomosynthese in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Im Rahmen der reinen Früherkennung – ohne Symptome – handelt es sich derzeit noch um eine Selbstzahlerleistung.