Einen gravierenden Schwachpunkt hat eine Großübung der Feuerwehr Meßstetten am 22. Juni am Tieringer Berghof offengelegt. Nun will die Stadt Meßstetten reagieren und hat vom Gemeinderat die Zustimmung zum Kauf eines neues Fahrzeugs eingeholt.
Noch nicht einmal für einen Erst-Löschangriff reicht das Wasser aus dem Hydranten am Berghof Tieringen, wo die Feuerwehr am 22. Juni geübt hat. Die Messung danach ergab einen Ruhedruck von zwei Bar und eine Durchflussmenge von 90 Litern – zu wenig, wenn der Pferdehof brennt. Viel zu wenig.
Nicht besser ist die Lage an weiteren Außengehöften und Objekten in Tieringen, weshalb Bürgermeister Frank Schroft die Tieringer Feuerwehr damit beauftragt hat, ein Konzept zur Behebung dieses Missstandes zu erarbeiten, wie es in der Sitzungsvorlage heißt.
4000 Liter fahren mit
Dieses sieht unter anderem vor, statt eines Gerätewagens Transport mit 7,5 Tonnen einen Gerätewagen Logistik für die Abteilung Tieringen zu kaufen, in dem ausreichend Löschwasser transportiert werden kann: pro Fahrt mindestens 4000 Liter. Weil zum Inhalt des Wagens eine Tragkraftspritze, Saugschläuche, Armaturen und andere nützliche Elemente gehören, kann er multifunktional – unter anderem als Löschfahrzeug – eingesetzt werden.
Der Förderbescheid kam schneller als das Löschwasser bei der Übung
Nur einen Haken hat die Sache: Ein solches Fahrzeug neu zu bestellen, ziehe eine lange Lieferzeit nach sich, so dass die Verwaltungsspitze nach Rücksprache mit den Fraktionsvorsitzenden und der Abteilung Tieringen entscheiden hat, ein Vorführfahrzeug auszuschreiben: nicht älter als 18 Monate und mit maximal 20 000 Kilometern Laufleistung. 49 500 Euro Zuschuss kann die Stadt dafür beim Land beantragen. Weitere 11 000 Euro kommen durch die „Wasserkomponente“ – die Tatsache, dass Löschwasser mitgeführt werden kann – hinzu, insgesamt also 60 500 Euro.
Wie schnell der Bewilligungsbescheid eingetroffen ist, verblüffte Tobias Böttner, bei der Stadtverwaltung zuständig für die Feuerwehr, enorm, wie er in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats bekannte: Am 8. Oktober hatte er den Antrag beim Landratsamt eingereicht, das umgehend das Regierungspräsidium Tübingen informierte, und schon am 9. Oktober wusste Böttner, dass er mit den 60 500 Euro rechnen kann.
Weil der Gerätewagen EU-weit ausgeschrieben werden muss, kann der Gemeinderat den Auftrag erst in der Sitzung vom 20. Dezember vergeben, muss das aber auch tun, um die Fördermittel zu erhalten.
Laut Gesamtkommandant Ralf Smolle ist Kreisbrandmeister Sven Röger mit der Anschaffung einverstanden, und die Abteilung Meßstetten werde „in absehbarer Zeit ein gleiches Fahrzeug bekommen“.
Der Schultes tröstet die Kameraden
Bürgermeister Frank Schroft ermunterte die Feuerwehrleute, die mannstark zur Sitzung gekommen waren, kein schlechtes Gewissen zu haben, dass die Übung am Berghof nicht erfolgreich gewesen sei. „Deshalb übt man, um solche Missstände aufzudecken.“ Froh ist Schroft über die hohe Tagesverfügbarkeit der Tieringer Mannschaft um Kommandant Benjamin Haug – es sei die zweithöchste in der Gesamtstadt nach jener der Abteilung Meßstetten.
Matthias Schwarz, Fraktionschef der Freien Wählervereinigung und vormaliger Stadtbrandmeister, mahnte: „Der Kauf des Gerätewagens darf uns nicht davon entbinden, da oben am Berghof schnellstmöglich wieder ausreichende Wasserversorgung herzustellen.“
Die Zustimmung des Gremiums zur Ausschreibung fiel einstimmig aus.