Großer Andrang herrschte am Sonntag beim Tag der Offenen Tür im frisch sanierten Roten Löwen in der St. Georgener Ortsmitte. Den ganzen Nachmittag strömten Jung und Alt ins Bürgerzentrum, wo es viel zu sehen, zu hören und zu erleben gab.
Großer Andrang herrschte beim Tag der Offenen Tür im frisch sanierten Roten Löwen. In dem jahrhundertealten Haus öffnet ab Mai ein Bürgerzentrum mit Kinder- und Jugendbetreuung, kirchlichen und sozialen Beratungsmöglichkeiten, einem Begegnungscafé und noch vielem mehr.
Musikalische Eröffnung
Nach der Eröffnung durch die Stadtmusik begrüßte Bürgermeisterstellvertreter Hansjörg Staiger die Gäste im „großartigen Bürgersaal mit einzigartiger Dachbalkenkonstruktion“ und hoffte, dass die Eröffnung zu einem geschichtsträchtigen Tag für die Stadt werde. Er erinnerte an die Vorgabe aus 2017, den Roten Löwen zu einem sozialen Treffpunkt zu machen. Eine grobe Schätzung ging von Kosten von 4,5 Millionen Euro aus.
Der früheste urkundliche Hinweis auf das „erhaltenswerte Gebäude an einer markanten Stelle der Stadt“ stammt von 1548, wo auf den Bau des Wirtshauses im Jahr 1531 verwiesen wurde. 1572 entstand ein Keller, „damit Wein im Winter nicht gefriert, im Sommer nicht verdirbt“. Die Klosterbannwirtschaft hatte bis 1848 Privilegien dergestalt, dass Hochzeiten oder Taufen des Kirchspiels nur dort stattfinden durften.
Im Jahr 1866 wurde der Rote Löwen nach dem Stadtbrand wieder errichtet, schloss aber 1921 als Gasthaus endgültig die Pforten. In der Folge beherbergte er zum Beispiel das Spritzenhaus der Feuerwehr, die Zentrale der NSDAP, das Arbeitsamt oder einen Blumenladen. Er war auch Treffpunkt der Gastarbeiter aus Italien, Spanien und der Türkei.
Teile des Gebäudes galten aber ab 2008 einsturzgefährdet, die Schließung erfolgte 2014/15. Trotz kontroverser Diskussionen im Gemeinderat setzte sich besonders Bürgermeister Michael Rieger für dessen Erhalt ein. Corona, steigende Materialkosten und zuletzt ein Wassereinbruch sorgten für „sieben aufreibende Jahre“.
Für Generationen offen
Nun aber sei das Bürgerzentrum für alle Generationen und Nationen, mit der Landesförderung von 55 Prozent, fertig, so Staiger, sei ein weiterer Meilenstein für eine schöne Innenstadt. Er wies auf Angebote für Senioren und Jugendliche hin, Beratung zum Beispiel für Menschen mit Handicap, die WIRkstatt, das Zwergenstüble zur Kinderbetreuung oder das Bürgercafé. Der große Saal unter dem Dach kann von privater Seite gemietet werden.
Angedacht sind auch Hausaufgabenbetreuung, Schulungen, Kino oder Spielgruppen. Diakonie, Caritas, Integrationsmanagement und Landratsamt bieten Beratung an und kooperieren zum Wohle der Menschen. Landrat Sven Hinterseh lobte „großartige Nutzungsmöglichkeiten“. Für das Landratsamt sei das etwas ganz Neues, die Beratung vor Ort werde nach einer gewissen Zeit evaluiert. „Der rote Boden im Roten Löwen gefällt mir“, so sein Kommentar zum Dachgeschoss. Was St. Georgen hier habe sei mustergültig.
So habe er sich das Haus schon 2008 vorgestellt, meinte Bürgermeister Michael Rieger. Er ehrte Antonia Mussacchio-Tortilli für ihre Arbeit in der WIRkstatt, die 25-jähriges Jubiläum feiert. Zuletzt bekam das Zwergenstüble von den Weiherhexen eine Spende in Form eines gefüllten Bollerwagens.
Auch Händler bieten vieles
Zum Tag der offenen Tür im Roten Löwen war zeitweise gefühlt halb St. Georgen vor Ort. Die Besucher konnten auch bei einem verkaufsoffenen Sonntag Geschäfte in der Innenstadt aufsuchen, die mit verschiedenen Rabattaktionen lockten, wenngleich das Wetter nicht unbedingt zum Bummeln einlud. Die Metzgerei Rieckmann lockte dafür auch mit Glühwein. Nachmittags gab es im Roten Löwen Vorträge der Architekten Stefan Blum und Martin Rosenfelder, die auf Details des Hauses und der Bauphase eingingen.