Rottenburgerin Nina Rühlig hat ein neues Buch geschrieben: „Fernwandern für Frauen“. Der Ratgeber soll Frauen motivieren und inspirieren, sich auf den Weg zu machen. Foto: Outdoorverlag/ Nina Rühlig

Furcht vor gefährlichen Tieren, vor dem Alleinsein oder vor übergriffigen Männern: All das hält Frauen vom Fernwandern ab.

Die Rottenburgerin Nina Rühlig hat in ihrem Buch geschrieben, wie man diese Ängste überwindet und weshalb man mit einem gebrochenen Zeh besser nicht loswandern sollte.

 

Nina Rühlig geht gern weit. Sehr weit. Mehrere Wochen am Stück ist sie unterwegs, auf Wegen, die sich durch Gebirge, entlang von Küsten oder durch abgelegene Landschaften ziehen. Fernwandern nennt man das – mehrtägige Touren, bei denen der Alltag Schritt für Schritt hinter einem zurückbleibt.

Seit einiger Zeit wandert sie nicht nur, sondern schreibt auch darüber (sie veröffentlichte bereits drei Wanderführer) und spricht übers Wandern (bei Vorträgen). Und bei solchen Vorträgen sind es immer Frauen, die nachhaken und Fragen stellen – insbesondere zum Thema Sicherheit.

Die Antworten auf diese Fragen hat Rühlig, die hauptberuflich Energiberaterin für Unternehmen ist, jetzt zwischen zwei Buchdeckeln gesammelt: „Fernwandern für Frauen“ nennt sich das Ergebnis. Es liest sich wie eine Art Ratgeber: Was packe ich ein? Wie gehe ich mit Ängsten vor und während des Wanderns um? Und wie findet man überhaupt die passende Route?

Wandern trotz gebrochenem Zeh

Wir treffen Rühlig in ihrem Garten in Rottenburg auf dem Martinsberg, mit Blick ins Grüne. Hier arbeitet sie, hier erholt sie sich – wenn sie nicht gerade unterwegs ist. Die Natur scheint sie auch im Alltag nicht loszulassen.

In ihrem Buch erzählt die 52-Jährige auch von Momenten, in denen nicht alles nach Plan läuft. Etwa von einer Tour durch den französischen Vanoise-Nationalpark, die sie mit einem gebrochenen Zeh antrat. Ihr Arzt hatte ihr davor gezeigt, wie man zwei Zehen zusammentapet, und gesagt, sie könne wandern gehen, wenn nicht gerade in den Alpen (es waren dann aber die Alpen), und bei Schmerzen aufhören. Rühlig ging trotzdem los: „Von so einem gebrochenen Zeh wollte ich mir nichts vermiesen lassen.“

Wenn Pläne scheitern

Doch der Schmerz war stärker als erwartet, die Etappen länger, das Wetter unbeständiger. „Schmerzen, Schnee, Eis, da kam alles zusammen.“ Schließlich brach sie die Tour ab. „Manchmal ist Abbrechen das Mutigste“, sagt sie. Gerade beim Solo-Wandern sei es entscheidend, auf sich selbst zu hören.

Generell, dass beim Fernwandern nicht immer alles glattläuft, gehört für Rühlig dazu. Sie verlaufe sich, sagt sie, „immer wieder mal“. Sie sei auch schon Klettersteige rückwärts hinuntergekrochen, aus Angst. Dann sind da die kuriosen Missverständnisse: Für ihre Touren versucht sie, sich jeweils Grundkenntnisse der Landessprache anzueignen – nur Arabisch habe sie nach einer halben Stunde wieder aufgegeben. Auf dem Fischerweg in Portugal stellte sie fest, dass sie versehentlich drei Wochen lang brasilianisches statt europäisches Portugiesisch gelernt hatte.

Warum ein Buch für Frauen?

Ihr Buch richtet sich gezielt an Frauen. Braucht es einen eigenen Ratgeber? Rühlig sagt: Ja. Tatsächlich begegnet sie auf ihren Touren mehr Männern. Viele Frauen hätten größere Hemmschwellen, berichtet sie – sowohl beim Alleinwandern als auch in Gruppen. Die Ängste seien vielfältig: Gewitter, Tiere, das Alleinsein, manchmal auch übergriffige Männer.

Letzteres hat Rühlig glücklicherweise selbst kaum erlebt. „Ab und an wird man blöd angequatscht und wird jemanden nicht mehr los“, erzählt sie. Wichtig sei es, sich im Vorfeld mit den eigenen Ängsten auseinanderzusetzen. Sie selbst etwa fürchtet sich vor Herdenschutzhunden im Gebirge und hat sich deshalb intensiv damit beschäftigt, wie man sich in solchen Situationen verhält.

Fernwandern als „selbstbestimmtes Gehen“

Rühlig selbst fing mit dem Fernwandern nach einem dreitägigen Aufenthalt in den Vogesen an. Am Ende des Trips wollte sie eigentlich nicht aufhören. Die Neugier trieb sie das nächste Mal zu einer längeren Route an. Das war vor zehn Jahren. Mittlerweile kann sie bestätigen: „Das fühlt sich komplett anders an.“ Sie nimmt Wörter in den Mund wie „wahnsinnige Freiheit“, „selbstbestimmtes Gehen“ und „intensives Eintauchen“, wenn sie von ihrer Leidenschaft, spricht. Nina Rühlig läuft jedenfalls vor nichts weg. Meistens zieht sie allein los, oft trifft sie unterwegs ganz viele Menschen.

Obwohl Nina Rühlig mehrere Wochen im Jahr wandert, kann sie auch stillstehen: „Ich bin auch mal einen ganzen Tag im Garten und mache nichts.“ Foto: Lotta Bürker

Trotz der ganzen Ängste hat es auch Vorteile, als Frau allein unterwegs zu sein, findet die Rottenburgerin: Wenn sie zum Beispiel mal die Schnauze voll hat vom Laufen und sich entscheidet, zu trampen, wird sie mitgenommen, berichtet sie. „Das ist einfacher als Frau.“

Es reist sich besser mit leichtem Gepäck

Beim Packen ist Rühlig pragmatisch: „Wenn ich jetzt packen müsste, wäre ich in 15 Minuten fertig und könnte los.“ Schließlich nehme man immer das Gleiche mit, und der Platz im Rucksack sei begrenzt. Sie selbst nimmt immer einen E-Book-Reader mit, weil sie abends gern liest. „Ich habe schon Leute mit Gitarre und Kaffeekocher gesehen.“

Losziehen kann man nur mit dem Gepäck, das man auf dem eigenen Rücken tragen kann. Aber was ist mit dem Gepäck im Kopf? Wenn man so lange allein ist, fangen da nicht die Gedanken an, unentwegt zu kreisen? Rühlig berichtet das Gegenteil: Klar, am Anfang nehme man den Alltag noch mit, aber das löse sich dann. „Ich bin dann einfach unterwegs.“

Mal ist Rühlig zwei oder drei Wochen unterwegs, sie war auch schon sieben Wochen am Stück in den Pyrenäen. Für ihre Familie – Mann und Tochter – ist es längst normal, dass sie unterwegs auch mal tagelang nicht erreichbar ist. Dennoch rät sie, Spuren zu hinterlassen, etwa in Gipfel- oder Hüttenbüchern.

Obwohl sie so viel läuft, kann sie auch mal stillstehen: „Ich bin auch mal einen ganzen Tag im Garten und mache nichts.“

Buchvorstellung im Theater Hammerschmiede

Am Donnerstag, 7. Mai,
stellt Nina Rühlig ab 19 Uhr ihr neues Buch „Fernwandern für Frauen“ im Theater Hammerschmiede vor. An diesem Abend ist auch die Illustratorin Lena Haase aus Stuttgart anwesend. Im Anschluss an die moderierte Buchvorstellung soll es ausreichend Raum für Fragen sowie für einen Austausch bei Getränken und Häppchen geben.

Der Eintritt ist frei
, um Anmeldung wird gebeten.

Das Buch „Fernwandern für Frauen“
, erschienen im Conrad Stein Verlag, soll Frauen motivieren und inspirieren, sich auf den Weg zu machen. In diesem frauenspezifischen Leitfaden geht es um die Qualitäten des Fernwanderns und den Luxus der Leichtigkeit – ebenso wie um die Auswahl und Vorbereitung von Touren, um Ausrüstung sowie um Ängste und Gefahren.