Eine Uraufführung von Marco Goecke bringt unerwartet frischen Wind in die nächste Premiere von Gauthiers Junioren. Der Choreograf widmet „Furia“ seiner verstorbenen Kostümbildnerin.
Zeitgenössischer Tanz trifft klassische Musik: Dieser Idee folgt die nächste Premiere der Gauthier Juniors. „Radical Classical“ heißt das neue Programm der Nachwuchskompanie von Gauthier Dance. Stücke von sieben Choreografinnen und Choreografen sind angesagt; Premiere ist am 23. Januar im Theaterhaus.
Waren bislang ausschließlich bereits bestehende Ballette angekündigt, sorgt Marco Goecke nun für eine Überraschung. Der ehemalige Resident Artist von Gauthier Dance und aktuelle Basler Ballettchef will spontan mit einer Uraufführung frischen Wind in „Radical Classical“ bringen. Anlass für die Änderung ist der Tod von Gudrun Schretzmeier; die Kostümbildnerin hat auch viele von Goeckes Tanzstücken für Gauthier Dance ausgestattet; nun will sich der Choreograf mit der Gudrun Schretzmeier gewidmeten Uraufführung „Furia“ noch einmal vor ihr verbeugen.
Ein Duett über die Flüchtigkeit der Zeit
Thema von „Furia“ sei die Flüchtigkeit der Zeit und ihr unerbittliches Verrinnen, wie Gauthier Dance ankündigt. Diese spiegelt sich auch in der von Marco Goecke gewählten Musik, die mit den „Folia Variations“ auf barocke Kompositionen von Marin Marais und Arcangelo Corelli setzt. Entstanden ist der Pas de deux in Basel für die Gauthier-Junioren Atticus Dobbie und Mathilde Roberge.
Das sind die sechs weiteren „Radical Classical“-Tanzstücke:
- Aszure Bartons Pas de deux „Lascilo Perdere“, getanzt zu Vivaldis „Nisi Dominus – Cum Dederit“, gestaltet Tanz um eine Zungenkuss-Szene herum.
- Mauro de Candia wirft in „La Morte del Cigno“ einen neuen Blick auf Fokines Klassiker. Der Schwan stirbt auch hier zu einem Auszug aus Camille Saint-Saëns’ „Der Karneval der Tiere“.
- Marie Chouinard gestaltete das berühmte Solo „L’après-midi d’un faune“ weiblich um, getanzt wird zu ihrer eigenen Version für eine Faunin, musikalische Vorlage bleibt das impressionistische Meisterwerk von Claude Debussy.
- Eric Gauthiers „Orchestra of Wolves“ macht zum ersten Satz von Beethovens 5. Sinfonie Jagd auf den Maestro.
- Andreas Heise sucht in „Frühlingsstimmen“ nach den Bruchstellen in Johann Strauss Sohns Walzerseligkeit.
- Noch ein „Bolero“? Auch der israelische Choreograf Ohad Naharin hat nicht nein gesagt.
Kurzfilme informieren über Musik und ihre Macher und Macherinnen
Die Pause zwischen den Stücken füllen Kurzfilme, die mit Informationen zu Instrumenten, Komponisten, Musikern und Musikerinnen vor allem eine junge Zielgruppe im Fokus haben. Die Vorstellungsserie im Januar ist bereits ausverkauft. Weitere Termine gibt es vom 5. bis zum 8. März.