Handwerksberufe sind sehr vielseitig, dennoch fehlt es in einigen Branchen an Auszubildenden. Foto: Pixabay

Das neue Ausbildungsjahr steht in den Startlöchern: Vielerorts sind Stellen unbesetzt, rund 700 junge Menschen sind auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle.

Das neue Ausbildungsjahr steht vor der Tür, derweil haben viele Betriebe im Landkreis Lörrach noch unbesetzte Ausbildungsstellen. Jenniefer Schmucker, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit in Lörrach, und Kreishandwerksmeister Martin Ranz machen im Gespräch mit unserer Redaktion darauf aufmerksam, dass ein Einstieg für Kurzentschlossene auch nach dem offiziellen Startschuss für das Ausbildungsjahr noch möglich ist.

 

700 junge Menschen auf der Suche

Im Bezirk der Lörracher Arbeitsagentur sind derzeit rund 1100 Stellen unbesetzt. Etwa 700 junge Menschen sind noch auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle für dieses Jahr. Im Handel bestehen laut Schmucker derzeit die besten Chancen eine Ausbildungsstelle zu bekommen, aber auch in allen anderen Branchen gibt es noch freie Ausbildungsstellen. „Auch bis in den späten Herbst ist der Beginn einer Ausbildung möglich und sinnvoll, es ist nicht zu spät“, erklärt die Geschäftsführerin. Ihr zufolge gebe es genügend Möglichkeiten und gute Chancen in allen Branchen.

Einstellungen bis in den späten Herbst

„Unsere Firmen stellen bis in den späten Herbst in Ausbildung ein“, betont Schmucker, die einen Einblick in die Top 10 der derzeit unbesetzten Ausbildungsstellen gibt. Ganz oben auf der Liste: Der Kaufmann im Einzelhandel, gefolgt von Verkäufer, Handelsfachwirt und Zahnmedizinischer Fachangestellter. Fleischerei- und Bäckereifachverkäufer-Azubis werden ebenfalls gesucht.

Stark nachgefragt von Jugendlichen sind derweil Ausbildungen zum Kaufmann für Büromanagement, Kfz-Mechatroniker, Medizinischer Fachangestellter, Bankkaufmann, Industriekaufmann, Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik, Industriemechaniker und Chemikant. Ein Termin in der Berufsberatung lohne sich immer, ergänzt Schmucker. Die Berufsberatung stehe auch in den Sommerferien jederzeit mit ihrem Expertenwissen bereit, um auch kurzfristig in Ausbildung zu vermitteln oder eben zu Alternativen als Überbrückung ins nächste Ausbildungsjahr zu beraten. „Die Beratung ist kostenfrei und geht auf die individuellen Bedürfnisse, Stärken und Wünsche ein.“

Bausektor sucht Azubis

Die Handwerkskammer Freiburg hat bis zum 31. Juli insgesamt 2247 neu eingetragene Ausbildungsverträge registriert, das sind 130 mehr als im Vorjahr. 340 neue Verträge sind es im Landkreis Lörrach – nach 343 im Vorjahreszeitraum. Während das Zahlenwerk auf den ersten Blick eine stabile Entwicklung aufzeigt, gibt es aber Probleme. So im Bausektor, wie im Gespräch mit Kreishandwerksmeister Martin Ranz deutlich wird. Denn auch in diesem Jahr würden Maurer gesucht. Oftmals sei der Beruf verkannt, macht Ranz auf eine falsche Wahrnehmung aufmerksam: Der Fortschritt habe aber längst auf Baustellen Einzug gehalten, verweist er auf Hebebühnen. Diese erleichterten die Arbeit. „Man macht sich nicht kaputt“, betont er. Zudem sei der Lohn gut und der Beruf zukunftssicher. Allerorten müsse nämlich gebaut werden – stünden keine Fachkräfte mehr zur Verfügung, werde es sehr große Probleme geben, warnt Ranz.

Derweil ist die Lage unter anderem bei den Anlagenmechanikern und Kfz-Mechatronikern stabil. Sehr beliebt seien auch die Berufe Zimmerer und Schreiner. Das kleine Minus in der Gesamtstatistik der neuen Ausbildungsverträge dürfte im September wieder ausgebügelt sein, zeigt sich der Kreishandwerksmeister optimistisch. Und: Schwankungen gebe es bei den neuen Verträgen immer.

„DieHandwerk25“ am 19. September

Um das Handwerk ins rechte Licht zu rücken, baut er auf die Berufsmessen. Dort präsentiert sich das Handwerk, und junge Menschen können sich aus erster Hand bei den Betrieben informieren. So findet „DieHandwerk25“ am Freitag, 19. September, 9 bis 16 Uhr, im Lörracher Burghof statt. Alle Handwerksinnungen der Kreishandwerkerschaft Lörrach werden mit verschiedenen Ansprechpartnern vor Ort vertreten sein. Interessierte können dann einen tiefen Einblick in die jeweiligen Berufe sowie in die Unternehmen gewinnen, bei denen eine Ausbildung möglich ist.

Auch wer schulische Schwächen mitbringt, könne eine gute Karriere im Handwerk anstreben, betont der Kreishandwerksmeister im Gespräch mit unserer Redaktion. „Das Handwerk hat für jeden einen Platz, das ist das Wichtigste. Und: Das Handwerk deckt wirklich alles ab“, lautet seine Botschaft. Und weiter: Mit der absolvierten Lehre müsse nicht Schluss sein. Die Qualifizierung zum Meister beinhalte die Fachhochschulreife, so sei im weiteren Verlauf ein Studium möglich, beschreibt Ranz die berufliche Weiterqualifizierung im Handwerk. Wichtig sei es, dass die jungen Menschen ihre Stärken und Talente erkennen und bei Praktika erste Erfahrungen sammelten.