Gemeinsam arbeiten ohne Kollegen zu sein – das könnte in Haslach bald der normale Alltag einiger Erwerbstätiger sein. Im alten Kaufhaus am Marktplatz bietet das Förderprojekt „Zukunft Raum Schwarzwald“ eine sogenannten „Coworking-Space“ an – ein Experiment mit offenem Ausgang.
Bei einem Pressegespräch stellten die Verantwortlichen das Projekt vor, dessen Ziel es sein soll, Innovations- und Digitalisierungsfähigkeiten zu erhöhen. Momentan befindet sich das Projekt in einer „Pop-Up-Phase“, in der verschiedene Veranstaltungen zum Kennenlernen des Angebots stattfinden und in der es eine Testphase durchläuft.
Was ist ein „Coworking-Space“?
Ein WCoworkings-Space“, zu deutsch ein „Raum des Zusammenarbeitens“, ist im Grunde ein Büro, in dem Arbeitnehmern und Erwerbstätigen aus unterschiedlichen Firmen uns Berufssparten einen Raum zum Arbeiten angeboten wird. Alle arbeiten voneinander unabhängig in unterschiedlichen Firmen und Projekten. Ziel ist es, die produktive Arbeitsatmosphäre die Motivation des Einzelnen steigert. Es kann auch passieren, dass sie mit anderen „Coworkern“ gemeinsam Projekte entwickeln. „Zukunft Raum Schwarzwald“ bietet in der Ortenau-Region bis Waldshut derzeit an 17 Standorten „Coworking-Spaces“ an.
Wer kann ihn nutzen?
Grundsätzlich jeder, erfahrungsgemäß kämen aber vor allem in der IT Tätige oder Start-Ups, um den „Coworking-Space“ zu nutzen, berichtet Michael Löffler von der IHK. Auch Menschen ohne eigenes Büro zuhause oder solche, die unterwegs kurzfristig einen Arbeitsraum benötigten, würden das Angebot in Anspruch zu nehmen.
Wie genau funktioniert das Arbeiten dort?
Es stehen von 8 bis 16 Uhr kostenlos sechs Arbeitsplätze im Coworking-Space zur Verfügung. Wer einen davon nutzen möchte, muss sich über einen QR-Code oder über die Internetseite www.haslach.de/cowork.de einbuchen. Von dort wird man auf die Seite „Coworkland“ weiter geleitet, auf der man einen Account anlegen muss. Danach ist eine Buchung möglich. „Es wird aber niemand weggeschickt, der mit seinem Laptop hier auftaucht“, betont Haslachs Bürgermeister Philipp Saar. „Ein Ausprobieren ist jederzeit möglich.“ Den Arbeitendes wird im „Coworking-Space“ ein W-Lan-Zugang zur Verfügung gestellt, genau wie ein Drucker mit Scan-Funktion sowie eine Kaffeeküche und Getränke.
Wieso wird so etwas gerade in Haslach angeboten?
Das Projekt Coworking-Space sei im vergangenen Jahr in Angriff genommen worden, berichtet Löffler. Sinn und Zweck sei es, Innovation aufs Land zu bringen, damit der Ländliche Raum nicht den Anschluss verliert und Innovationen erhalten bleiben. Grundsätzlich könne ein Coworking-Space auch die Attraktivität Haslachs steigern, meint Bürgermeister Saar.
Wie hoch sind die Erfolgsaussichten?
Ob es in einem Ort wie Haslach Anklang findet, sei schwer vorauszusagen, sind die Saar und Löffler einig. „Wir haben schon einige Testphasen begleitet. Man kann nicht sagen, was in einem Ort funktioniert, funktioniert überall. Es gibt keine Blaupause“, so Löffler. „Wir von der Verwaltung haben durchaus Berührungsängste gespürt. Deswegen trauten wir uns nicht zu, vorauszusagen, ob es klappt oder nicht. Aus diesem Grund sind wir einfach ins Machen eingestiegen“, beschreibt Saar die Überlegungsprozesse seitens der Stadt Haslach. „Ich bin interessiert, wie das Experiment ausgeht“, sagt Saar. „Ich persönlich fände es gut, wenn wir so etwas dauerhaft hätten und eine gewissen Dynamik da rüber kommt.“ Ideal wäre für den Erhalt des Angebots ein externer Manager, der von der Stadt begleitet wird, meint Saar.
Wie sind die Stadt und die IHK involviert?
Die Stadt Haslach begleitet das Projekt. Sie und die IHK bewerben es, die Stadt Haslach stellt dafür sowie für den Buchungsprozess die eigene Internetseite zur Verfügung.
Wer bezahlt das alles?
Das Projekt „Zukunft Raum Schwarzwald” wird mit der Regio-WIN-Förderung des europäischen Fonds für regionale Entwicklung der EU und dem Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg gefördert.
Wie geht es nach der Testphase weiter?
Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet. „Es ist sozusagen ein Reallabor zum Anfassen“. fasst Marvin de Buhr von „Zukunft Raum Schwarzwald“ zusammen. Im Anschluss an die vierwöchige Testphase werden Interviews geführt, die die Frage „In welche Richtung soll es gehen?“ im Fokus haben sollen. „Nach dem letzten Tag der Pop-Up-Phase schauen wir uns an, was alles und wie es gelaufen ist“, fasst Philipp Saar zusammen. Spätestens im August soll der Analyseprozess abgeschlossen sein.
„Push-Up“-Phase
Seit Montag, 22. April, werden im alten Kaufhaus in Haslach am Marktplatz noch bis Freitag, 17. Mai, während der „Pop-Up“-Phase verschiedene Veranstaltungen angeboten. Dazu gehören zum Beispiel ein Workshop zu sozialen Medien, ein Vortrag zum Thema Vererben und Infos zur künstlichen Intelligenz. Weitere Infos gibt es im Internet unter info.haslach.de/cowork.