Foto: Müller

Rund 100 Bücher stehen seit Wochenbeginn vor dem Tieringer Rathaus zur Ausleihe – oder zum Behalten – in der Bücherzelle bereit. Neuer Lesestoff ist immer willkommen, sagt Initiatorin Claudia Münz-Angst.

Meßstetten-Tieringen - Das Konzept hinter sogenannten Bücherzellen ist recht simpel: In der Bücherzelle, die seit wenigen Tagen vor dem Tieringer Rathaus installiert ist, stehen gespendete Bücher, die einen zweiten oder dritten Leser suchen. Ohne Anmeldung, Ausleihfrist und zu jeder Tageszeit werden hier Bücherfreunde fündig. Vorzugsweise Romane, Krimis und Kinderbücher stehen in der zum Bücherschrank umfunktionierten Telefonzelle.

"Man kann Bücher lesen und zurückbringen, behalten oder neue dazustellen", erklärt Claudia Münz-Angst, auf deren Initiative aus Ortschaftsratsverfügungsmitteln die Bücherzelle aufgestellt wurde. Sie selbst ist begeisterte Leserin und möchte damit andere – vor allem Kinder und Jugendliche – für das bildende Hobby begeistern. Für Münz-Angst ist es daher denkbar, rund um die Bücherzelle zur Leseförderung mit Kindergarten und Grundschule zu kooperieren.

Ausrangierte Telefonzellen stehen in Brandenburg

Als Münz-Angst vor mehr als einem Jahr auf den Ortschaftsrat mit der Idee zugekommen ist, hat keiner lange gezögert, erzählt Ortsvorsteher Jürgen Löffler. Die Beschaffung der ausrangierten Telefonzelle habe allerdings einige Zeit in Anspruch genommen. Nach langer Recherche fand Münz-Angst heraus, dass die ausgedienten Telefonzellen der Telekom in Brandenburg gelagert werden. Den Beschaffungspreis von 450 Euro finanzierte der Ortschaftsrat, der Transport hätte allerdings einige Euro mehr gekostet. Deswegen hat die ortsansässige Firma Interstuhl diesen kurzerhand übernommen.

Die Bücherzelle ist sozusagen ein Gemeinschaftsprojekt: Malermeisterin Wiebke Pehlke verpasste der ursprünglich silber-magentafarbenen Zelle ein freundliches Blau; die Farbe stellte Malermeister Hans-Gustav Sauter aus Oberdigisheim zur Verfügung. Bruno Neher zimmerte schließlich ein Regal in die Zelle, in dem schätzungsweise – und je nach Dicke – 120 Bücher Platz finden. Der Startbestand umfasst knapp 100 Bücher. Viele davon sind der Initiatorin schon im Vorfeld gespendet worden. Jetzt fehlt nur noch ein Schriftzug, der in den kommenden Tagen angebracht wird.

Pflegerin des Bücherbestands

Claudia Münz-Angst wird stets ein waches Auge auf die Bücherzelle werfen. Daher habe sie auch keine Bedenken wegen Vandalismus. Sie schaut, dass kontinuierlich ein guter Büchermix verfügbar sein wird und sortiert "Ladenhüter" aus. Damit im Regal kein Chaos herrscht, bittet sie darum, Bücher zunächst einmal in einer bereitgestellten Box neben der Zelle abzulegen. Sie wird diese dann in den Bestand einpflegen.

Aktuell fehlten noch Bücher für Kinder – entsprechende Spenden seien demnach mehr als Willkommen. Bildbände, Koch- und Sachbücher hingegen seien im Bücherschrank weniger erwünscht. Das liegt laut der Tieringerin nicht daran, dass sie nicht interessant seien. Jedoch bedienen sich solche Bücher eines spezifischen Interessentenkreises und werden laut Erfahrung anderer Bücherzellen weniger stark nachgefragt. Für solche Bücher soll es jeweils im Frühjahr und im Herbst einen Bücherbasar im Rahmen des Marktes geben.