Überraschend gut angenommen wurde am Sonntag das erste Friedhofscafé bei der Kapelle. Während der warmen Saison soll es ab sofort an jedem dritten Sonntag im Monat stattfinden. Foto: Alexandra Günzschel

Das erste Friedhofscafé am Sonntagnachmittag auf dem Hauptfriedhof Lörrach erwies sich sogleich als voller Erfolg.

Darüber zeigte sich Olaf Andris, Leiter des Eigenbetriebs Friedhof, sehr erfreut. Die Erwartungen seien sogar noch übertroffen worden, erklärte er.

 

Nach dem Vorbild von anderen Städten hatte die Friedhofsverwaltung das Café ins Leben gerufen. Während der warmen Monate soll es nun regelmäßig an jedem dritten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr stattfinden – je nach Witterung entweder unter der Arkade der Kapelle oder unter dem Sonnensegel. Dort können sich Interessierte dann bei Kaffee und Kuchen austauschen. Bezahlt wird freiwillig auf Spendenbasis.

Ansprechpartner und Helfer sind mit dabei

Die Besucher haben zudem die Möglichkeit, sich über Themen rund um die Trauer zu informieren. Denn die Stadt als Veranstalter hat sich als Partner die Kirchengemeinden, das Hospiz am Buck sowie der Ambulante Hospizgruppe Dreiländereck mit ins Boot geholt. Vertreter dieser Institutionen werden auch in Zukunft bei den Treffs zugegen sein.

Einige der Besucher am Sonntagnachmittag hatten vorab in der Zeitung von dem Friedhofscafé gelesen, andere kamen zufällig vorbei. Gezielt gekommen waren zwei Familien, bei denen die Trauer noch sehr frisch war. Andere machten nach der sonntäglichen Grabpflege einen Zwischenstopp und kamen erstmals mit Personen ins Gespräch, die sie bisher auf dem Friedhof immer nur von Weitem wahrgenommen hatten. Dabei waren die Gespräche von einer großen Offenheit und Zugewandtheit geprägt, wie Pastoralreferentin Anja Dörner von der katholischen Gemeinde Wiesental-Dreiländereck beim interessierten Blick auf den regen Austausch bemerkte.

Mit dabei war auch Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic als eine der Initiatorinnen. Nach dem Tod ihres Bruders vor anderthalb Jahren habe sie zum ersten Mal gemerkt, wie wichtig solche Orte des Austauschs sind, erklärte sie ihre Motivation. Kurz zuvor hatte sie sich an einem der Tische mit der Familie Ries/Bruder ausgetauscht. Vor gerade einmal fünf Wochen hatten die drei Generationen, die sich dort versammelt hatten, ihren Vater, Sohn beziehungsweise Partner verloren. Sie begrüßten die Möglichkeit, auf diese Weise mit anderen ins Gespräch zu kommen, dachten dabei vor allem an Jene, die ganz allein sind und niemanden zum Reden haben.

Sonntägliche Anlaufstelle nicht allein für Trauernde

In einer anderen Ecke des provisorischen Cafés hatte sich eine Gruppe alleinstehender Frauen gefunden. Auch sie begrüßten das Angebot sehr, lobten vor allem auch das ehrenamtliche Engagement der städtischen Mitarbeiter. Irgendwann müssten Trauernde wieder aus ihrer Isolation herauskommen und neue Leute kennenlernen, bemerkte eine ehemalige Lehrerin in der Runde. „Das Leben geht weiter.“ Gerade an Sonntagen, an denen es wenige Möglichkeiten gebe, sich abzulenken, könne eine solche Anlaufstelle für Alleinstehende eine wertvolle Bereicherung sein, meinten andere.

Noch sehr frisch war die Trauer bei Monika und Julia Klaubert. Vor gerade mal vier Wochen haben die beiden ihren Ehemann respektive Vater an die seltene Erkrankung Creutzfeldt-Jakob verloren. Nach der Diagnose ging alles sehr schnell und sie hatten kaum noch Zeit, Abschied zu nehmen. Über einen Basler Selbsthilfegruppen-Pool hat die Familie zumindest eine Frau gefunden, die das gleiche erlebt hat. „Die Gespräche mit ihr“, sagt die Tochter, „haben uns am meisten geholfen“. Deshalb wollen die beiden nun als Ansprechpartnerinnen für andere Betroffene bereitstehen (Tel. 07622/5684).

„Mit Kaffee und Kuchen geht alles leichter“, finden Stefanie Sproß und Renate Strobel von der Ambulanten Hospizgruppe Dreiländereck. Auf dem Friedhof, wo das Thema Tod ohnehin allgegenwärtig ist, kommen sie mit ihren Themen leichter ins Gespräch. So bietet die Hospizgruppe beispielsweise Trauerbegleitungen an. Aber auch zum Thema Patientenverfügung können sie etwas sagen. Dafür interessiert sich am Sonntag die alleinlebende Anna Elisabeth aus St. Blasien. Über eine Whatsapp-Gruppe hatte sie von der Veranstaltung erfahren und sich mit dem Auto auf den Weg nach Lörrach gemacht. „Ich lerne gerne Leute kennen“, nennt sie einen weiteren Grund für ihr Kommen.

Bei einem Spaziergang vorbeigekommen ist das Ehepaar Christel und Hans Rosemann. Auch sie halten das neue Angebot für eine sehr gute Idee - insbesondere als Anlaufstelle für Alleinstehende.

Zustande kam diese Idee übrigens durch eine nur spärlich besuchte Veranstaltung, den Tag des Friedhofs im September, wie Serena Kölblin und Sascha Terzic von der Friedhofsverwaltung berichten. Am Sonntag schenken die beiden Kaffee aus und verteilen den selbst gemachten Kuchen. Im September dagegen blieb reichlich Zeit für einen Austausch: Die Idee des Friedhofscafés wurde geboren.