Jochen Stübenraths Leidenschaft sind die Harfen. Ein erstes „Salonkonzert“ findet am Mittwoch, 29. April, statt. Und zwar mit der irischen Harfen-Expertin Siobhán Armstrong. Foto: Schneider

Mit „Schwarzwald-Harfen“ ist Sulz um ein musikalisch-handwerkliches Geschäft reicher. In der Brucktorstraße restauriert Jochen Stübenrath historische Harfen.

„Ich bin schon ganz oft auf das Schaufenster angesprochen worden“, schmunzelt Jochen Stübenrath und blickt aus dem Inneren der Brucktorstraße 7 nach draußen. „Es ist ja schließlich schon ungewöhnlich, was da drinsteht.“

 

Und zwar ganz viele Harfen. „Das ist praktisch wie ein Museum“, meint der Wittershausener. So stammt das älteste Instrument – eine Pedalharfe – aus dem Jahr 1764. Erfunden wurde die Technik im bayerischen Donauwörth und fand über die Österreicherin Marie-Antoinette, die den französischen König Ludwig XVI. heiratete, den Weg nach Paris.

Auch für Anfänger geeignet

Damit avancierte die Harfe zum Instrument des französischen Adels, was sich auch in einer enormen handwerklichen Vielfalt niederschlug. Gleichzeitig stehe die Harfe als Synonym für die klassische irische Musik, finde aber auch im Jazz oder der Tiroler Volksmusik Verwendung. „Hier lässt sich die ganze Geschichte des Harfenbaus nachvollziehen“, ist Stübenrath begeistert.

Sowieso sei die Harfe dank ihres logischen Aufbaus ein Instrument für Anfänger. „Man kann ohne Vorwissen ‚Alle meine Entchen‘ spielen – und schon der erste Ton klingt einfach toll“, versichert er. Und wie kommt er zu all den großen Musikinstrumenten?

Ein gutes Team

Angefangen habe das während der Corona-Pandemie, als er eine historische Harfe restauriert haben wollte und so in Kontakt mit Michael Parfett – einem der besten Restauratoren auf diesem Gebiet – kam, erinnert sich Stübenrath. Und als dieser überlegte, auch als Folge des Brexits, seine Arbeit nach Europa zu verlagern, fiel die Wahl nicht schwer.

„Ich habe ihm meinen Keller angeboten“, erklärt der Harfenist. Während er sich auf Auktionen von Antiquitätenhändlern nach historischen Harfen umsah, machte sich Parfett daran, sie wieder auf Vordermann zu bringen. Doch irgendwann wurde auch der heimische Keller zu klein.

Besonderes Kulturzentrum

Es folgte ein Raum in St. Georgen – der wegen des Grundrisses jedoch nicht konzertgeeignet war. Deshalb machte sich Stübenrath auf die Suche – und wurde schnell in der Brucktorstraße in Sulz fündig. „Hier hat man von überall eine gute Sicht“, bilanziert er.

Bei „Schwarzwald-Harfen“ hat man die Qual der Wahl. Foto: Schneider

Und spielt damit auf die Konzerte an, die er in lockerer Abfolge veranstalten möchte. Zwar würden auch weiterhin alte Harfen restauriert oder verkauft, der neue Raum solle jedoch auch ein Kulturzentrum der besonderen Art werden, findet er. Dafür wurde extra eine mobile Bühne angefertigt.

Das irische Nationalsymbol

Los geht es am Mittwoch, 29. April, um 19.30 Uhr mit Siobhán Armstrong. Eigentlich sei sie wegen des „Lindenhöfer Harfenmai“ in Tuttlingen aus Irland angereist – habe es sich dann aber nicht nehmen lassen wollen, das Eröffnungskonzert der „Schwarzwald-Harfen“ in Sulz zu geben, verrät Stübenrath.

Armstrong wird dabei auf einer historischen Nachbildung der berühmten Brian-Boru-Harfe, dem irischen Nationalemblem und der ältesten erhaltenen Harfe Europas, spielen – und zwar auf Saiten aus 18-karätigem Gold.

Gold ist existenziell

Werde in Mitteleuropa meist auf Nylon- oder Darmsaiten gespielt, seien in der gälischen Musik Metallsaiten das gängige Mittel der Wahl, erläutert der Experte. Wobei es da eben eine Frage der Legierung sei: Welches Material ist am haltbarsten, was klingt am besten?

Da habe das Edelmetall Gold nun einmal unschlagbare Vorteile. „Es ist recht weich und schmiegt sich dadurch an die Metallteile an – sorgt also für eine gute Klangübertragung“, erklärt er. 24 Karat seien jedoch zu weich, während bei unter 18 Karat die für den Klang so wichtige Anschmiegbarkeit verloren gehe.

Ausgewiesene Expertin

„18 Karat ist der perfekte Kompromiss zwischen Schwingung und Haltbarkeit“, betont Stübenrath. Die kunstvolle Vergoldung an den Instrumenten bestehe hingegen meist aus 23 Karat, da es wegen der Ästhetik wegen glänzen soll, aber musikalisch keine Funktion habe.

Doch nicht nur deswegen ist Armstrong für das Eröffnungskonzert goldrichtig. Gilt sie doch nicht nur als eine besondere Musikerin, sondern auch als eine Koryphäe in Sachen höfischer Musik des alten Irlands. Denn das ist das Thema ihrer Doktorarbeit gewesen.

Der Eintritt zum „Salonkonzert“ beträgt 19 Euro, es gibt keinen Vorverkauf, sondern nur eine Abendkasse. Im Preis enthalten sind ein Getränk sowie kleine Häppchen.