Die Köpfe hinter der Bowls-Bar Vibez in Donaueschingen sind Ahmad Alsaghrji (links) und Alec Thomas. Ihr Ansatz heißt moderne Küche, klare Abläufe und ein Ort, an dem schnelle Gastronomie bewusst gestaltet wird. Foto: Hannah Schedler

Bowls statt Döner – in Donaueschingen schließt die Bowls-Bar Vibez eine Lücke und zeigt, wie bewusste Ernährung und persönliche Geschichte zusammenfinden.

Avocado trifft auf Mango, Reis auf Sprossen, dazu das leise Klacken von Schalen hinter der Theke. In der Bowls-Bar Vibez in Donaueschingen werden Zutaten geschichtet, nicht gestapelt – mit geübten Handgriffen. Schwarze Handschuhe greifen nach frischem Gemüse, Soßen werden dosiert, am Ende entsteht eine Bowl (Schüssel), die wie eine Gesamtkomposition wirkt.

 

Was hier seit Mitte September 2025 serviert wird, ist Teil eines Trends, der längst über Großstädte hinausgewachsen ist. Bowls stehen für eine Küche, die Exotik und Gesundheit verbindet, für bewusste Ernährung und einen Lebensstil, der Bewegung und Genuss zusammen denkt.

In Donaueschingen hat dieses Konzept bislang gefehlt. Die Bowls-Bar Vibez ist der erste reine Bowls-Laden der Region. Die Geschichte dahinter beginnt jedoch Jahre zuvor, 2015. Für Inhaber Ahmad Alsaghrji bedeutet dieses Jahr Flucht und Ankommen zugleich. Ein neues Land, eine neue Sprache, eine neue Ordnung.

Seinen Einstieg in den Alltag findet er über einen Minijob im Fitnessstudio, welches direkt neben den heutigen Restaurant-Räumen liegt. Sport habe ihm immer etwas gegeben, erzählt Mitinhaberin Alec Thomas. „Nach dem Training kam die Einstellung – dann das Deutschlernen. Und irgendwann hat er den Laden gerockt“, sagt sie.

Kein einfacher Standort

Und der Standort ist kein einfacher: Mehrere Gastronomiebetriebe haben dort bereits aufgegeben: Zuerst das Restaurant Handkuss, dann ein asiatisches Restaurant, zuletzt ein Italiener.

Die Zutatenstation der Bowls-Bar ist ein Mosaik aus Farben: Edamame, Kichererbsen, Mango, Brokkoli und Paprika liegen hier unter anderem bereit. Foto: Hannah Schedler

„Wir haben uns schon gefragt, was an diesem Standort überhaupt funktionieren kann“, erinnert sich Thomas. Dann kam die Corona-Pandemie – als Zäsur für viele, auch für das Fitnessstudio. Die Pandemie brachte finanzielle Sorgen, Unsicherheit, Stillstand.

Zeit zum Überlegen

Zugleich eröffnete sie einen seltenen Freiraum: Zeit zum Überlegen. „Corona hat viele Ideen nicht zugelassen“, sagt Thomas. „Aber es hat uns auch die Zeit gegeben, überhaupt erst nach einem tragfähigen Konzept zu suchen.“

Die beiden begannen zu reisen, schauten sich Restaurants in anderen Städten an, verglichen Angebote, sprachen über Einrichtung und Abläufe. Was passt zu Sport, zu Fitness, zu einem wachsenden Ernährungsbewusstsein?

Döner gebe es überall, sagt Alec Thomas. Auch Frittiertes oder Convenience-Food. „Aber Bowls gab es hier nirgends – in der ganzen Region nicht.“ Und genau das habe sie überzeugt.

Bestellt wird über ein digitales Terminal. Einen Lieferservice gibt es auch. Foto: Hannah Schedler

Bowls seien kein Salat, betont Ahmad Alsaghrji. Es gehe nicht um Gurke und Blattsalat, sondern um ein durchdachtes Konzept. Eiweiß, Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Vitamine – alles habe seinen Platz. Asiatische Einflüsse mit Sprossen und Soßen treffen auf arabische Elemente wie Falafel.

Die Bowl werde zur „Kreation des Geschmacks“, hinter der eine klare Idee stehe. „Kaum etwas kommt aus der Dose, vieles ist frisch, wenig verarbeitet“, sagt er. Seit der Eröffnung Mitte September sei das Feedback gut, zugleich anspruchsvoll. „Mehr geht immer“, erklärt Alec Thomas.

Vegan und vegetarisch

Besonders vegetarische und vegane Varianten würden nachgefragt. Ernährung werde für viele Menschen immer wichtiger, gerade in Verbindung mit Sport. „Das ist längst mehr als ein Trend – das ist Lifestyle“, sagt sie. Aktuell zählen die Falafel-Bowl und der „Inseltraum“ zu den Bestsellern.

Fünf Mitarbeiter arbeiten inzwischen im Laden in der Hagelrainstraße. Die beiden Inhaber beschreiben sich selbst als Workaholics – zufrieden, aber gefordert. Der Umbau habe viel Kraft gekostet, erzählen sie. Teils bis Mitternacht, mit Telefonaten wegen Trennwänden, Auflagen und Details. Doch der Einsatz habe sich gelohnt, sind sie überzeugt.

Zum globalen Food-Trend

Die Wurzeln
der Bowls reichen bis nach Hawaii, wo Fischer bereits im 19. Jahrhundert frischen Fang – meist rohen Thunfisch – mit Reis und Gewürzen servierten. Unter dem Namen „Poke“ (hawaiianisch für „in Stücke schneiden“) wurde das Gericht fester Bestandteil der lokalen Küche. Ab den 2000er-Jahren griffen Restaurants in den USA das Prinzip auf, kombinierten es mit Einflüssen aus Japan und Südostasien und machten daraus ein modernes, urbanes Food-Konzept. In Europa setzten sich Bowls vor allem ab den 2010er-Jahren durch. Heute stehen sie für klar strukturierte Gerichte mit einer Basis aus Reis, Quinoa oder Salat, ergänzt durch frisches Gemüse, Proteine und Dressings – flexibel, international geprägt und Ausdruck eines zeitgemäßen Ernährungsstils.