So sollen die Ortsschilder bald nicht mehr aussehen.   Foto: Buck

Kommunales: Gemeinderat befasst sich mit Zusatzbezeichnung / Land lockert Vorgaben

"Calw – Große Kreisstadt" in schwarzen Lettern auf gelbem Grund. Ein ganz normales Ortsschild eben. Ginge es nach dem Willen der Stadtverwaltung, soll das künftig nicht mehr ganz so unspektakulär daherkommen. Dann soll nämlich der Zusatz "Hermann-Hesse-Stadt" die Ortsschilder zieren.

Calw. Nur ein normales Ortsschild ist der Calwer Stadtverwaltung zu wenig – es soll schon etwas Besonderes sein. Darum bringt sie in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag, 30. September, den Vorschlag ein, den Zusatz "Hermann-Hesse-Stadt" künftig auf den Schildern der Kernstadt zu führen.

Die Voraussetzung dafür, dass das überhaupt möglich ist, hat der Landtag im Dezember vergangenen Jahres geschaffen. Durch eine Änderung der Gemeindeordnung soll es Gemeinden und Ortsteilen erleichtert werden, neben dem Namen eine "sonstige Bezeichnung" auf dem Schild zu führen, die "auf der geschichtlichen Vergangenheit, der Eigenart oder der heutigen Bedeutung der Gemeinde oder des Ortsteils beruht", wie es in der Vorlage zur Gemeinderatssitzung heißt. Bisher sei man vor allem in Baden-Württemberg sehr restriktiv mit Ortsschild-Bezeichnungen umgegangen, steht in einem Schreiben des Städtetags. Im Wesentlichen seien nur die Bezeichnungen "Bad" und "Universitätsstadt" zugelassen gewesen. Jetzt wird gelockert.

Aber was genau darf man künftig auf Ortsschilder schreiben? "Zusatzbezeichnungen enthalten eine charakterisierende Aussage über den Status, die Eigenart oder die Funktion einer Gemeinde oder eines Ortsteils in gegenwärtiger oder historischer Hinsicht. Durch eine Zusatzbezeichnung können insbesondere örtliche Besonderheiten, geschichtliche Bezüge und Alleinstellungsmerkmale einer Gemeinde oder eines Ortsteils hervorgehoben werden. Auch kann eine Zusatzbezeichnung das eigene Selbstverständnis der Kommune stärken und ein identitätsstiftendes Element für die örtliche Gemeinschaft sein", wird in der Sitzungsvorlage erklärt.

Wirken hervorheben

Voraussetzung für eine solche Zusatzbezeichnung ist also, dass es eine Verbundenheit zu einem historischen Ereignis oder einer bedeutenden Person gibt und dies auch heute noch von Interesse ist.

Für Calw scheint da kaum jemand besser als Zusatz ­geeignet zu sein als der Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse. "Mit der Zusatzbezeichnung soll der Bezug zu Hesse hervorgehoben und auf dessen Leben und Wirken hingedeutet werden", ist in der Vorlage zu lesen.

Stimmt der Gemeinderat der Idee der Verwaltung zu, kann die Stadt beim Regierungspräsidium Karlsruhe einen entsprechenden Antrag auf Genehmigung der Zusatzbezeichnung stellen.

Geht dieser durch, müssen 14 Ortsschilder an den Ortseingängen der Kernstadt ausgetauscht werden. Zahlen muss die Stadt Calw davon aber nur zehn, wie der ­Vorlage zu entnehmen ist. Warum? Vier Schilder befinden sich an Bundesstraßen, weshalb für diese der Bund aufkommen muss. Auf die Stadt kommen also Kosten in Höhe von rund 2500 bis 3500 Euro zu.