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Verlängerung nicht ausgeschlossen: Löw räumt Fehler bei den Verhandlungen  ein.

Pretoria - So erfrischend vorwärts, so spielerisch verwegen und so atemberaubend rasant wie die deutsche Mannschaft spielt kein anderes Team bei der WM. Die Spaßgesellschaft des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) macht mit den bisherigen Klischees Schluss, sie setzt neue Maßstäbe: schwarz-rot-gold als Trendsetter.

Nur der Mann hinter den Erfolgen wirft Fragen auf, Fragen nach seiner Zukunft: Wie geht es weiter mit Joachim Löw? Jetzt gibt der allseits beliebte und hochgeschätzte Fußballlehrer erste Antworten: Noch ist nichts verloren. "Nein, ich habe die Lust nicht verloren. Und ich habe eingesehen, dass mein Team und ich bei den Verhandlungen im Dezember auch Fehler gemacht haben", sagte Löw, dessen Vertrag mit dem DFB mit dem letzten WM-Spiel der deutschen Mannschaft endet.

Offiziell ist die Zukunft des Freiburgers ein Tabuthema. Während der WM hat sich Löw jede Diskussion darüber verbeten: "Im Trainerteam habe ich alle angehalten, bei diesem Turnier nicht einmal nur im Ansatz über unsere Zukunft zu reden. Das habe ich auch dem Präsidenten Theo Zwanziger gesagt, dass ich, egal wie es hier läuft, nicht auf eine Vertragsverlängerung angesprochen werden möchte. Ich habe das derzeit völlig ausgeblendet", sagte Löw.

Das Thema liegt auf Eis

Seit aus DFB-Kreisen Inhalte der Vertragsgespräche im Dezember öffentlich bekannt wurden, liegt das Thema auf Eis. Als Zwanziger vor kurzem deutliche Avancen machte, wies ihn Löw brüsk zurück. Doch je weiter die deutsche Elf auf ihrem Weg Richtung WM-Titel kommt, desto unvorstellbarer wird die Vision, Löw könne nach dem Turnier von Bord gehen. Wer, wenn nicht er, passt besser zu dieser Mannschaft, wer könnte die Spielphilosophie ähnlich erfolgreich weiterführen wie Löw selbst?

Immerhin deutet Löw jetzt ein mögliches Einlenken an. "Die Sache ist passiert, ich habe mich geärgert, aber nicht für alle Zeit. Bei unserem Vorgehen war auch nicht alles glücklich. Oliver Bierhoff und ich haben nach dem Scheitern der Verhandlungen eine Sitzung mit unseren Beratern einberufen und gesagt: Okay, Leute, das lief jetzt blöd. Wir hätten vielleicht vor unseren Forderungen noch mal ein Gespräch mit dem Präsidenten suchen können. Das habe ich auch versäumt."

Zu seiner Zukunft wolle er sich "noch nicht äußern". Nach der WM werde er zunächst mit Oliver Bierhoff sprechen: "Ich muss mich dann selbst fragen, welche Visionen ich habe, wie das Team um mich herum aussieht und was mit Oliver passiert. Dann werde ich mit einer klaren Vorstellung in ein Gespräch mit dem Präsidenten gehen."

Keine Frage: Nach der starken WM ist Löw in der Position, um entsprechende Forderungen zu stellen - personell wie strukturell. Sollte der DFB auf seine Forderungen nicht eingehen, könnte es dennoch zum Bruch kommen.