Nach dem Abschluss des TV-Deals geht es mit der Millionen-Verteilung an die 36 Profi-Clubs ans Eingemachte – den Strategen der DFL ist bei ihren Entscheidungen ein Höchstmaß an Gewissenhaftigkeit zu wünschen, kommentiert Sport-Autor Marco Seliger
Die Strategen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) haben sich abgefeiert bei der Verkündung ihres TV-Deals – und das mutete nicht übertrieben an. Denn der Abschluss mit der leichten Steigerung der Erlöse ist ein Erfolg, was schon der Blick auf die europäischen Konkurrenzligen zeigt. So waren in Spanien, Italien und Frankreich die Einnahmen zuletzt zurückgegangen. In Deutschland dagegen ist die Milliarden-Schallmauer abermals durchbrochen – zurücklehnen aber ist für die DFL jetzt nicht angesagt. Denn der große Poker geht erst los: Scharfe Debatten um die Aufteilung der TV-Millionen wird es unter den 36 Profi-Clubs geben.
Derzeit werden die Mediengelder im Verhältnis 80:20 zwischen der Bundesliga und der zweiten Liga aufgeteilt. Die Hälfte des Geldes geht als Sockelbetrag zu einem gleichen Teil an jeden Club. 43 Prozent werden über die Leistung verteilt, und irgendwann folgen die drei Prozent der sogenannten Sparte „Interesse“, die die Gemüter derzeit erhitzt. Nur mal so als Beispiel, mit welchen Mitteln da teils gekämpft wird: Der finanziell und sportlich notorisch taumelnde FC Schalke fordert, 50 Prozent der TV-Gelder-Einnahmen nach dem Interesse, also auf Grundlage der jeweiligen Fan-Basis eines Clubs, zu verteilen. Den Verein herunterwirtschaften und auf exorbitant mehr TV-Geld hoffen, weil einem die Fans die Stange halten – dreister geht es kaum.
Man kann dem neunköpfigen DFL-Präsidium um den Chef Hans-Joachim Watzke also nur ein Höchstmaß an Gewissenhaftigkeit bei seinen Entscheidungen wünschen – stets verbunden mit der Hoffnung, dass die Schere zwischen Arm und Reich im deutschen Fußball nicht noch weiter auseinandergeht.