Bernd Bauer war auf seiner Bikepacking-Reise in den Alpen unterwegs. Foto: privat

Bikepacking, also das reisen mit Fahrrad, Gepäck und Zelt, wird immer mehr zum Trend. Auch der Seelbacher Bernd Bauer ist der Leidenschaft verfallen. Er reiste durch die Alpen.

Von Berchtesgaden nach Sonthofen im Allgäu in 13 Tagen – dieses Abenteuer „die größte Erlebnistour“ seines Lebens – wird Bernd Bauer für immer in Erinnerung behalten. 490 Kilometer und 9500 Höhenmeter absolvierte er durch die für ihn „schönsten Ecken Deutschlands“ mit atemberaubenden Gebirgs- und Flusslandschaften.

 

Der Begriff „Bikepacking“ setzt sich aus „Bike“ für Fahrrad und „Backpacking“, also dem Reisen nur mit Rucksack zusammen. Laut dem ADFC ein Reisetrend, der sich seit einigen Jahren immer größerer Beliebtheit erfreut. Da es oft über unwegsames Gelände geht, setzen die Abenteuerlustigen auf Mountainbikes. So auch Bernd Bauer. Ausgestattet mit einem Rucksack und einem kleinen Ein-Mann-Zelt, das er in seinem Trailer hinter sich her zieht, hat er sich von Berchtesgaden aus aufgemacht.

Campingplätze waren oftmals bereits voll

„Jeder Tag ist genau strukturiert“, erklärt der Seelbacher. Morgens wird geduscht, das Zelt und die Ausrüstung verstaut und dann geht es für acht bis zehn Stunden aufs Rad. Das Ziel ist stets ein Campingplatz, doch „die Buchung von Übernachtungsplätzen ist oft sehr schwierig“, berichtet Bauer aus Erfahrung. Denn Bikepacking erfreue sich immer größere Beliebtheit und dadurch sei der Andrang auf den Campingplätzen sehr hoch. Seine vorab geplante Route musste Bauer daher oft umplanen – und eben jene Orte ansteuern, auf denen er noch einen freien Platz für sein Zelt ergattern konnte.

Einmal angekommen, gelte es zu duschen, zu essen und eine neue Übernachtungsmöglichkeit zu suchen . Bei der Planung, so Bauer, sei auch darauf zu achten, gegebenenfalls einen Zwischenstopp zum Essen und zum Laden des Akkus einzukalkulieren: „Überraschungen gibt es immer wieder und wer nicht in der Dunkelheit landen will, der muss vorbereitet sein und für alles einen Plan B parat haben.“

Nach der Anreise nach Berchtesgaden am ersten und einem Abstecher ohne Gepäck zum Königssee am zweiten Tag, begab sich Bauer an Tag drei auf die erste echte Etappe. Vom Campingplatz Mühlleiten ging es für in zur Winkelmoos-Alm – „ein wunderschönes Hochplateau mit Almwiesen und einem kleinen Hochmoor“ –, wo er noch einen traumhaften Sonnenuntergang erlebt habe.

Auf dem mehrtägigen Weg nach Sonthofen – mit Zwischenstopps auf der Winkelmoos-Alm, in Unterwössen, Flintsbach am Inn, am Tegernsee, in Krün, Grainau und Weißenbach – lief nicht immer alles glatt. Bauer berichtet von Abbiegefehlern, die ihm Zeit kosteten oder von Sperrungen, die es zu umfahren galt. Tag elf seiner Tour bezeichnet er als „Chaos-Tag“. Das Navi hatte ihn über Forstwege zu einer Brücke über die Loisach geführt, die jedoch, wie Bauer vor Ort feststellte, nicht mehr existierte. Bauer entdeckte jedoch Reifenspuren auf einem Trail und folgte diesem, in der Hoffnung, so ans andere Ufer zu gelangen. Der Pfad wurde jedoch schnell unwegsam, es galt Baumstämme zu überqueren und Bauer kletterte eine fast senkrechte Böschung hinunter, nur um festzustellen, dass der Trail am Flussufer endete.

Bis zu zweieinhalb Stunden Zeitverlust

Verzweifelt zerrte er sein gespannt wieder hinauf, fuhr sechs Kilometer zurück und war nach zweieinhalb Stunden Zeitverlust wieder auf Kurs, ohne jedoch eine Übernachtungsmöglichkeit sicher zu haben. Mit fast leerem Akku schleppte er sich in einen kleinen Ort, wurde jedoch vom Campingplatz abgewiesen. Ein Zimmer fand er erst in einem Hotel, wo er gleich zwei Nächte blieb, um sich für seine letzte Etappe zu erholen. „Das größte Desaster dieser Reise“, fasst Bauer den Tag mit Humor zusammen.

Schließlich ging doch noch alles gut und er war fit genug für die letzte Etappe nach Sonthofen, wo seine Frau ihn mit dem Auto abholte und zurück nach Seelbach brachte.

Bärenverdacht

Während Bernd Bauer auf der Winklmoos-Alm bei Reit im Winkl unterwegs war, machten Medienberichte die Runde, dass in deren Nähe angeblich ein Bär gesichtet wurde. Das erfuhr der Seelbacher aber erst hinterher über einen Zeitungsartikel. „Glück gehabt, dass mir der Kamerad nicht über den Weg gelaufen ist“, erklärt er in seinem Reisebericht humorvoll.