Bestatterin Ina Fitzner (rechts) und ihre Mutter Viktoria Burkhard, die das Unternehmen seit einem halben Jahr unterstützt, freuen sich, ab sofort auch in Schwenningen das Bestattungsinstitut Hafa verankern zu können. Foto: Mareike Kratt

Traumberuf Bestatterin? Für die 29-jährige Ina Fitzner vom Bestattungsinstitut Hafa auf jeden Fall. Jetzt eröffnet sie in Schwenningen sogar eine weitere Filiale.

Tod, Trauer, Abschied: Für viele noch immer ein großes Tabuthema. Nicht so für Ina Fitzner. „Das Bestattungswesen hat mich schon seit meiner Kindheit interessiert“, sagt die 29-Jährige, die seit drei Jahren das Bestattungsinstitut Hafa mit seinen vier Filialen in der Region leitet.

 

Das erste Mal mit der Arbeit mit dem Tod in Berührung gekommen ist sie durch einen Schnuppertag bei einem Bestattungsinstitut, erzählt Ina Fitzner, die eigentlich das Studium der Sozialwirtschaft begonnen, dann aber ihren Kindheitstraum verwirklichen wollte.

„Ich werde Bestatterin!"

„Ich werde Bestatterin!“, war die Erkenntnis dieses Schnuppertags, an dem sich Langzeitpraktikum und Ausbildung angeschlossen hatten. Letztere absolvierte sie beim Bestattungsinstitut Hafa mit Hauptsitz in Rottweil – damals schon mit dem Ziel, sich irgendwann selbstständig zu machen.

Vorgezeichnet war der Weg, der über zwei weitere Bestattungsunternehmen führte, als klar wurde, dass der bisherige Hafa-Inhaber das Bestattungshaus verkaufen wird. Vor dieser Mammutaufgabe schreckte die damals 26-Jährige nicht zurück – auch nicht vor der Tatsache, dass sie parallel zur Geschäftsübernahme schwanger wurde und nur elf Tage nach Geburt ihrer kleinen Tochter wieder zurück an den Schreibtisch gekehrt ist. „Manchmal frage ich mich selbst, wie das alles geklappt hat“, sagt sie rückblickend.

Es darf nichts schiefgehen

Zumal Ina Fitzner einen hohen Anspruch an sich selbst und an ihr Unternehmen hat. Ihr stetiges Ziel bei einer bevorstehenden Bestattung beziehungsweise Trauerfeier: „Die Angehörigen sollen zufrieden sei – dafür tragen wir Sorge.“ Das bedeutet: Es darf nichts schiefgehen, die Arbeit muss kontrolliert und sensibel ablaufen. Und: „Jede Trauerfeier ist individuell“, betont die Bestatterin. Schließlich habe jeder Mensch, der stirbt, auch seine eigene Geschichte geschrieben – die, je nach Wunsch der Hinterbliebenen, wieder aufgegriffen und persönlich gestaltet wird. Einmal habe sogar während der Trauerfeier ein Motorrad in der Kirche gestanden, erinnert sie sich.

Persönlich soll auch der Kontakt zu den Familien sein, vom ersten Telefonat bis hin zur Trauerfeier an sich – und auf Wunsch auch darüber hinaus. Im Unternehmen mit vier Festangestellten und einigen geringfügig Beschäftigen sind die Aufgaben klar aufgeteilt: Ina Fitzner und ihre Mutter – sie ist vor einem halben Jahr mit ins Unternehmen eingestiegen – sind im Innendienst für die Verwaltung und alles Organisatorische zuständig.

Bestatter als Dienstleister

Da geht es nicht nur um die konkrete Planung der Feier mit Trauerfloristik, Friedhofsgesprächen oder Musik, sondern auch – wiederum auf Wunsch – um alles Bürokratische, etwa um die Beantragung der Sterbeurkunde. „Der Bestatter ist zum Dienstleister geworden“, stellt die Donaueschingerin fest. Aber mit einem positiven Effekt: Die Hinterbliebenen hätten dadurch mehr Gelegenheit zum Trauern.

Die Außendienstmitarbeiter kümmern sich derweil um die Abhol- und Überführungsfahrten, die hygienische Versorgung des Verstorbenen sowie um die Vorbereitung der Trauerfeier vor Ort – auf Abruf, Tag und Nacht.

Fitzner, die inzwischen auch zertifizierte Trauerrednerin ist, möchte stets auf dem Laufenden sein, wenn es um neue Bestattungsformen geht. Umbrüche gebe es da enorm – und dass mittlerweile 80 Prozent die Urnenbeisetzungen ausmachten, ist nichts Ungewöhnliches mehr.

Neue Möglichkeiten

So betreut Hafa derzeit etwa die erste Familie, die sich für die sogenannte Lebensbaum-Bestattung entschieden hat. Dabei werde die Asche des Verstorbenen nach Polen oder Tschechien überführt, um sie in einer dortigen Baumschule in spezieller Vitalerde mit dem Wurzelwerk eines jungen Baums zu verbinden. Nach einigen Monaten erhalten die Angehörigen den Baum samt notarieller Beisetzungsbestätigung zur freien Bepflanzung zurück. „Ein schöner Gedanke, dass aus dem Tod wieder Leben entsteht“, findet Fitzner.

Überhaupt ist ihr tagtägliches Credo, das sie auch den Angehörigen mit auf den Weg gibt, die Trauer- vielmehr als Lebensfeier zu betrachten. „Der Tod ist traurig, aber er gehört zum Leben dazu.“ So ist Fitzner auch wichtig, dass in den Trauergesprächen Platz zum Weinen wie auch zum Schmunzeln und Lachen ist.

Fälle vom Ordnungsamt

Weder gelacht noch geweint wird bei den Sterbefällen, die das Bestattungsunternehmen über das Ordnungsamt der Stadt VS zugewiesen bekommt. Die betroffenen Personen – manchmal durch Mord oder Suizid verstorben – hätten in der Regel keine Angehörigen. Anrufe von der Kriminalpolizei seien inzwischen also keine Seltenheit mehr.

Nicht zuletzt durch die Kooperation mit der Stadt VS, die dem Unternehmen seit zwei Jahren monatlich rund fünf Trauerfälle im Monat zusätzlich beschert, hat sich Ina Fitzner entschieden, sich noch mehr im Schwarzwald-Baar-Kreis zu verankern und in Schwenningen eine weitere Filiale zu eröffnen. „VS hat großes Potenzial“, sagt sie.

Das eigene Umdenken

Immer wieder werde die Bestatterin, die zusätzlich einmal im Monat in der Jakobus-Gemeinde in Niedereschach zusammen mit der hiesigen Messnerin ehrenamtlich ein Trauercafé leitet, gefragt, wie sie tagtäglich freiwillig aufs Neue mit dem Tod und mit Trauernden arbeiten kann. „Ich kann!“, antwortet sie dann – schließlich gebe ihr die Arbeit „wahnsinnig viel“ und habe für ein eigenes Umdenken gesorgt: sich nicht an „Belanglosem“ aufhalten – und eigentlich jeden Abend „Danke“ sagen.

Das Bestattungsunternehmen Hafa

Die neue Filiale
Das Bestattungsinstitut Hafa hat seinen Hauptsitz in Rottweil und weitere Filialen in Niedereschach, Trossingen und Oberndorf-Bochingen. Ab sofort gibt es auch eine Filiale in der Schwenninger Alleenstraße 22, in der Trauergespräche geführt werden können und eine kleine Ausstellung Särge und Urnen zeigt. Der Kontakt ist über die Homepage sowie unter 07720/9 94 00 77 möglich.