Fabian Wohlgemuth wird beim VfB Stuttgart zum Sportvorstand befördert. Die Entscheidung ist eine logische, kommentiert unser Autor Dirk Preiß. Fast noch wichtiger: dass die Hängepartie endlich vorbei ist.
Von der Planerstellung bis zur Umsetzung kann schon mal viel Zeit vergehen – was im schnelllebigen Fußballbusiness aber meist Probleme mit sich bringt. Beim VfB Stuttgart hatte sich die Führungscrew schon im Frühsommer 2023 entschieden, den AG-Vorstand um einen Sportvorstand zu erweitern – der Aufsichtsrat, bis März unter Führung des Vereinspräsidenten Claus Vogt, ließ das Thema dann aber zur schier endlosen Hängepartie werden.
Heute weiß man: Dem sportlichen Erfolg hat diese Taktik der Nicht-Entscheidung zwar nicht geschadet. Und doch war das Thema ein steter Unruheherd mit Wirkung auf einen der sportlich Verantwortlichen beim VfB. Fabian Wohlgemuth war schließlich einerseits einer der Favoriten, es war aber auch immer klar, dass es im Aufsichtsrat Mitglieder gibt, die eine andere Lösung präferieren.
Nun ist die Sache entschieden – und letztlich hat der bisherige Sportdirektor sogar noch profitiert von der Kaugummi-Nummer. Denn Wohlgemuths Position wurde von Woche zu Woche stärker. Die Mannschaft, in der Startelf meist zur Hälfte besetzt mit Spielern, die der gebürtige Berliner nach Stuttgart geholt hat, eilte von Sieg zu Sieg und am Ende der Spielzeit zur Vizemeisterschaft. Dem Sportdirektor nun einen Chef von extern vor die Nase zu setzen wäre nicht mehr erklärbar gewesen.
Keine Frage: Fabian Wohlgemuth hat sich in seinen ersten eineinhalb Jahren beim VfB die Beförderung verdient. Er hat in stürmischen Zeiten die Ruhe bewahrt, gerade noch rechtzeitig Sebastian Hoeneß verpflichtet und den Kontrakt mit dem Erfolgstrainer mittlerweile auch verlängert. Er hat die richtigen Neuzugänge verpflichtet, die das Team verstärkt haben, und mit wichtigen Profis Vereinbarungen fixiert, die die Spieler entweder in Stuttgart halten oder signifikante Einnahmen garantieren. Während der immer erfolgreicheren Entwicklung des Teams ist er zudem angenehm bescheiden geblieben und nicht zum Selbstdarsteller mutiert.
Die Aufgaben werden nicht leichter, die Basis ist aber gelegt
Die Basis für eine erfolgreiche Zukunft des VfB hat Fabian Wohlgemuth seit seinem Amtsantritt Ende 2022 also mitgestaltet, die Arbeit wird ihm dennoch nicht ausgehen. Denn nun geht es um das, was oft noch schwieriger ist als das Bisherige: aus dem Ausschlag nach oben eine künftige Normalität zu machen. Das Wichtigste auf Führungsebene ist dabei, dass durch die Beförderung das grundsätzliche System nicht entscheidend verändert wird. Die bisherigen Stärken Wohlgemuths dürfen im neuen Aufgaben- und Verantwortungsbereich nicht verloren gehen. Christian Gentner, der designierte neue Sportdirektor, muss schnell reinfinden in seine dann noch einmal neue Rolle.
Zudem bildet der Bau des Kaders für die kommende Saison mit den Notwendigkeiten einer neuen Konkurrenzfähigkeit und einer ebenso wichtigen wirtschaftlichen Vernunft eine große Herausforderung. Der Unterbau muss auch weiterentwickelt werden, dass endlich wieder mehr eigens ausgebildete Talente den Sprung in den Bundesliga-Kader schaffen können. Gut, dass der neue Sportvorstand auch hier wichtige Erfahrungen im Lebenslauf stehen hat.
Der VfB, das steht nach dieser Saison fest, hat eine riesige Chance, sich wieder im oberen Bundesliga-Bereich und international zu etablieren. Durch die nun herrschende Klarheit an einer sportlich entscheidenden Stelle steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch genutzt werden kann.