Sascha Krause und Anke Wahrenberg öffnen in Sulz mit der „Klemmfestung“ einen Fachhandel für Klemmbausteine – besser bekannt als „Lego“ – wobei in Sulz vor allem Alternativen verkauft werden sollen. Ihr elfjähriger Sohn Felix hat tatkräftig mitgestaltet. Doch nicht nur das: Wahrenberg gründet in der „Klemmfestung“ einen Verein für Kinder, die von ADHS und Autismus betroffen sind – genau wie Felix.
Zusammenstecken, auseinandernehmen, etwas neues konstruieren – das trifft gleich auf zwei Dinge zu. Klemmbausteine wie zum Beispiel „Lego“ und die neue „Klemmfestung“ in Wildberg-Sulz. Im Laden von Sascha Krause und seiner Frau Anke Wahrenberg in der Unteren Straße 56 werden ab Samstag rund 300 verschiedene Sets aus den kleinen Bausteinen verkauft. Dabei soll der Laden aber weitaus mehr werden als „nur“ ein Spielzeuggeschäft.
Nur etwa 20 Prozent des Sortiments stammen von der bekannten dänischen Marke, die auch den landläufigen Namen „Lego“ für Klemmbausteine in die Welt gebracht hat. Die meisten Sets sind allerdings von Alternativherstellern.
Die „Klemmfestung“ hängt allerdings nicht nur an dem Paar: Sondern auch ganz wesentlich am Baumeister Nummer 1: ihrem Sohn Felix (11). Der ist Mitschöpfer des Namens, des Logos und hat den Laden auch wesentlich mitgestaltet. „Unser Kleiner liebt Bauen ohne Ende“, berichtet Wahrenberg. Ihr ist wichtig, dass die Sets auch gut bespielbar sind, also auch als Spielwelten herhalten können, wenn sie einmal zusammengesetzt sind. Felix würde richtig aufgehen im Bauen, die ganze Konzentration geht dann aufs Steine zusammensetzen.
Doppeldiagnose: ADHS und Asperger-Syndrom
Felix ist auch der Grund, dass die Klemmfestung nicht nur ein Fachhandel werden soll – sondern auch ein Verein. Der Elfjährige hat sowohl eine Asperger-Autismus als auch das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom, kurz ADHS. Dazu kommt durch Medikamente starke Neurodermitis. Im „Klemmfestung“-Verein möchte sich Wahrenberg mit anderen Eltern vernetzen, die Kinder zusammenbringen.
„Ich möchte einen Raum, wo diese Kinder erstens akzeptiert werden und zweitens nicht in eine Schablone gesteckt werden.“ Sie erzählt von Jahren des Kämpfens. „Unser Kind ist nur angeeckt und ausgegrenzt worden.“ Anschluss finden ist für Felix nicht leicht.
Eines Tages fragte er seine Mutter: „Mama, warum bin ich so falsch?“ Er habe nicht einmal mehr aus dem Haus gehen wollen, so sehr litt er unter der Situation. Doch Felix ist nicht „falsch“, seine Eigenart stößt nur mit der gesellschaftlichen Erwartung gegeneinander. Und: Er ist nicht allein. „Diese Kinder denken immer: Keiner ist so wie ich – doch, ihr müsst euch nur finden“, sagt Wahrenberg eindringlich.
Umso mehr freut es sie, wie er in dem Projekt „Klemmfestung“ aufgeht. Er sei sogar auf fremde Menschen zugegangen, um ihnen Flyer zu überreichen, es ist auch „sein“ Projekt. Die Sets baut Felix auf – und damit quasi von der Zielgruppe selbst getestet.
Die Herausforderungen bestehen allerdings auch für die Eltern. Wie wird ein Behinderungsgrad beantragt? Wo gibt es welche Unterstützung? Wie geht man mit dem Kind um, wenn es einen „Melt-down“ hat, also ein Moment der Überforderung, der nach außen einem Nervenzusammenbruch ähnlich sein kann? Über all das und mehr sollen sich Eltern austauschen können, meint die Bilanzbuchhalterin. Denn das Leben wird allein schon durch die Bürokratie erschwert. „Ich habe so viel gekämpft für dieses Kind.“
Sie bietet auch an, sich vorab mit ihnen zusammenzusetzen und die Lage zu besprechen, wenn Eltern nicht direkt in der Gruppe kommen möchten. Denn häufig fange es schon dabei an, dazu zu stehen, dass das eigene Kind eine mögliche oder feste Autismus- und/oder ADHS-Diagnose hat.
Außerdem möchte sie gemeinsame Zeit organisieren, Stunden, in denen die Kinder gemeinsam sein können und feststellen: Ich bin nicht allein, es gibt andere wie mich. Das können Naturtage sein, im Wald, wo sie sich gemeinsam austoben können, das kann gemeinsames Kochen sein oder ein Ausflug.
Klemmsteinladen als Begegnungsort
Für diesen Verein hat sie auch in der „Klemmfestung“ eine Sofaecke eingerichtet. So soll der Laden auch zum Begegnungsort werden. Es gibt Getränke, während Kinder und auch Erwachsene mit den Sets hantieren und ausprobieren, können sich weniger klemmsteinbegeisterte Erwachsene dort zusammensetzen und austauschen.
Die Klemmfestung hat vorerst samstags von 8 bis 15 Uhr geöffnet, da die Krauses beide in Vollzeit arbeiten. Individuelle Termine sind auf Anfrage aber auch möglich. Außerdem wird ein Lieferservice angeboten. Die Klemmfestung öffnet das erste Mal am kommenden Samstag, 3. Mai, von 12 bis 18 Uhr, an diesem Tag gibt es fünf Prozent Rabatt auf alle Sets. Außerdem ist eine Hüpfburg angekündigt, Kuchen und Grillgut sowie eine Gutscheinverlosung.
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