Die Theaterfrau Janne Wagler wird den Kulturhof mit ihrer Laientruppe am Samstag, 18. März, erstmals bespielen. Ernst Heimes (rechts), Eigentümer von dreien der alten Gemäuer rund um den kleinen Innenhof, setzte seine Idee, den Hof zu beleben, kurzerhand in die Tat um. Foto: Hete Henning

Am Samstag, 18. April, wird der Kulturhof im Kuhgässle 1 in Rottenburg erstmals bespielt.

Es gibt Appetitmacher aufs Sommertheater: „Bei Mondschein: da wollen wir probieren!“ Allerdings ohne Mond.

 

Der 80-jährige Ernst Heimes hat in kürzester Zeit geschafft, wovon die Stadt Rottenburg seit gefühlt einer Unendlichkeit nachdenkt: Er hat den Vorhof einer Schlachtstätte in einen kleinen Kulturhof verwandelt. Heimes hatte es allerdings leichter als die Stadt. Während im umstrittenen Schlachthof an der Tübinger Straße bis heute Tiere getötet werden, liegt die Zeit der Metzger am Metzelplatz, wo er seinen Kulturhof schuf, schon ein paar Jahrhunderte zurück.

Nicht viel mehr als eine Ladung Biergartenschotter Heimes hatte es auch insofern leicht, als es nicht viel mehr als eine Ladung Biergartenschotter brauchte, um den Hof hinter dem grünen Blechtor an der Ecke Kuhgässle/Metzelplatz etwas aufzuhübschen. Der ist mit seinen 65 Quadratmetern eher ein Höfle. Gemetzelt (heute heißt es geschlachtet) wurde früher im jetzigen Weltladen-Gebäude. Im Hinterhof stand das von den Bauern angelieferte Schlachtvieh, bis es an der Reihe war.

Er erledigte die Sache im Alleingang Kaum war Ernst Heimes 2024 für die Freien Wähler Rottenburg in den Gemeinderat eingezogen, schrieb er was er sich vorstellte: dass die 65 Quadratmeter hinterm grünen Blechtor „in kurzer Zeit zu einem innerstädtischen Plätzle umgestaltet werden“ könnten. „Alles Aufgaben, denen sich der Gemeinderat widmen könnte.“ Darauf zu warten, war dem Träger des Landesverdienstordens offenbar zu zeitraubend. Er erledigte die Sache im Alleingang – begünstigt durch die Tatsache, dass ihm drei der Häuser gehören, deren Mauern den kleinen Hof bilden.

Bei der Kulturnacht wird er erstmals bespielt Der Biergartenschotter liegt seit vergangener Woche auf dem uralten Kopfsteinpflaster hinter dem Weltladen. Heimes hat dem Ort auch gleich einen Namen gegeben: „Kulturhof“. Im Rahmen der Rottenburger Kulturnacht am Samstag, 18. April, wird der Kulturhof mit der Adresse Kuhgässle 1 erstmals bespielt: Die Schauspielerin und Regisseurin Janne Wagler vom Theater Gobelin wird dort mit ihrer Laientruppe, dem Bürgerensemble, Appetitmacher aufs diesjährige Rottenburger Sommertheater zeigen: Zu sehen sind Szenen aus William Shakespeares „Sommernachtstraum“.

Möblierung macht es gleich gemütlicher Für den Vor-Ort-Termin im Kuhgässle 1 hat Heimes ein paar Stühle und einen Stehtisch in seinem Kulturhof platziert. Die Möblierung macht den kleinen Raum unter freiem Himmel gleich etwas wohnlich. Die Mülltonnen müssen allerdings noch weg, räumt Heimes ein.

Im Hof stand einst das Schlachtvieh

Das Kuhgässle in Rottenburg zweigt zwischen dem Einfach-Laden (links) und dem Secondhandgeschäft Karo (rechts) vom Metzelplatz ab. Zum Kulturhof geht es durch das grüne Blechtor. Foto: Hete Henning

Zur Premiere gibt’s Szenen aus dem „Sommernachtstraum“

Der 65 Quadratmeter große Kulturhof liegt hinter dem Weltladen und der kleinen Foodsharing-Vitrine am Metzelplatz. Zum Kuhgässle geht es gleich links hinter dem gelben Haus. Foto: Hete Henning

Solche Orte kann es gar nicht genug geben Wagler zeigt sich begeistert von dem geschützten Innenhof mitten in der Stadt. Solche Orte, die sich künstlerisch bespielen lassen, könne es gar nicht genug geben. Auch die Geschichte des neuen Kulturorts findet Wagler beeindruckend. „Die Kuh, die hier zuletzt durchlief, was hätte die wohl gesagt“, stellt die 55-Jährige eine nachdenkliche Frage in den Raum.

Der Aufführungsort hat 65 Quadratmeter’Als Aufführungsort fürs Sommertheater mit vielen Darstellerinnen und Darstellern und großem Publikum sei der 65-Quadratmeter-Hof im Kuhgässle 1 zwar nicht geeignet, meint Janne Wagler vom Theater Gobelin. Aber er sei wandlungsfähig und habe Atmosphäre – ideal für kleine, stillere Kunstformen.

Vorbereitung einer Fürstenhochzeit Nach Machiavellis Komödie „La Mandragola“ im Sommer 2024 inszeniert Wagler dieses Jahr William Shakespeares „Der Sommernachtstraum“ fürs Rottenburger Sommertheater. In dieser Liebes- und Verwechslungs-Komödie, die Shakespeare Ende des 16. Jahrhunderts schrieb, geht es um die Vorbereitung einer Fürstenhochzeit am Hof von Athen. Damit verbunden sind die Erlebnisse der Handwerker, die im Wald für die Feierlichkeit ein Theaterstück proben.

Mit 20 bis 25 Stühlen fürs Publikum ausgestattet Mit vier Appetithäppchen wollen Wagler und das Bürgerensemble in der Kulturnacht am Samstag, 18. April, aufs diesjährige Sommertheater einstimmen. Dafür werde der Kulturort mit 20 bis 25 Stühlen fürs Publikum ausgestattet, verrät die Regisseurin. Dazu kommt eine kleine Bühne, auf der etwa 10 Mitglieder des Ensembles Szenen aus dem „Sommernachtstraum“ zeigen. Die Musik kommt aus der Konserve, auf Mikrofone können die Laiendarsteller in dem kleinen Innenhof verzichten.

Handwerker werden von echten Handwerkern gespielt

Der Ort ist ideal für kleine Kunstformen

Handwerker spielen Handwerker – der Mond spielt nicht mit

„Bei Mondschein: Da wollen wir probieren“, heißt es im „Sommernachtstraum“. Viele der Handwerker, die im Stück ein Stück einstudieren, würden in der Rottenburger Inszenierung von tatsächlichen Handwerkern gespielt, verrät Regisseurin Janne Wagler.

Der Mondschein im Titel täuscht allerdings, denn der Mond wird sicher nicht dabei sein. Am Tag vor der Kulturnacht ist Neumond. Bei Neumond steht der Mond zwischen Erde und Sonne und kehrt der Erde seine Nachtseite zu. Mit bloßem Auge ist er dann nicht zu sehen.

Sommernachtstraum-Häppchen bei der Kulturnacht im neuen Kulturhof

In der Kulturnacht
am Samstag, 18. April, sind im Kulturhof Kuhgässle 1 vier etwa 20-minütige Appetithäppchen zum diesjährigen Rottenburger Sommertheater geplant, um 19 Uhr, 19.45, 20.30 und 21.15 Uhr. Die kurzen szenischen Aufführungen sind übertitelt mit „Bei Mondschein: Da wollen wir probieren“.

Einlassbändel
, die zum Besuch sämtlicher Programmpunkte der Kulturnacht berechtigen, gibt es bis einschließlich Freitag bei der städtischen WTG am Marktplatz und im Bahnhof sowie beim Schwäbischen Tagblatt am Metzelplatz. Im Vorverkauf kosten die Bändel 11 Euro, Schüler und Studierende zahlen 8 Euro, Kinder unter 14 Jahren kommen überall kostenlos rein.

Für die Abendkasse
am Samstag gibt es fünf Verkaufsstellen: bereits ab 17 Uhr in der Stadtbibliothek, ab 17.30 Uhr in der Zehntscheuer, später auch im Römermuseum, in der Eintracht und im Jugendhaus Klause. Das bedeutet: An den meisten Locations gibt es keinen Ticketverkauf. Am Samstag kosten die Bändel 13 Euro, ermäßigt 9 Euro.