Philipp Glunz weiß um die topografischen Herausforderungen des Landkreises. Foto: Cools

Seit zwei Monaten ist der neue Kreisbrandmeister Philipp Glunz im Amt – und hatte gleich zwei Großbrände vor der Brust. Wir treffen ihn zum Interview und fragen, was ihn nach Rottweil gezogen hat, und was er hier verändern und voranbringen möchte.

Philipp Glunz hat im November die Nachfolge von Nicos Laetsch, der seit 2018 in Rottweil war, angetreten. Wir haben den 35-Jährigen nun zum Interview getroffen und erfahren gleich: Stillstand wird es mit dem neuen Rottweiler Kreisbrandmeister nicht geben.

 

Herzlichen Glückwunsch noch zur Wahl. War das Amt des Kreisbrandmeisters schon immer ihr Ziel?

Als ich mit zehn Jahren in die Balgheimer Feuerwehr eingetreten bin, war es mein Langzeitziel, Kreisbrandmeister zu werden. Als ich Anfang 20 war, habe ich mich in Tuttlingen für den Posten beworben, wurde aber wegen des Alters abgelehnt. Und danach dachte ich, ehrlich gesagt, es wird nichts mehr, weil ich auch in der Region bleiben wollte. Als Herr Laetsch dann gegangen ist, hat sich eine neue Chance aufgetan.

Sie waren ja zuletzt bei der Stadt Villingen-Schwenningen tätig – fiel der Wechsel schwer?

Ja, ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht, weil ich viel Energie in die Arbeit in der Brandschutzdienststelle gesteckt und neue Strukturen erschaffen habe. Die Idee war, beim Thema Brandschutz die Einschätzungen von Feuerwehr und Baurechtsamt so zu vereinen, dass das Ergebnis aus einem Guss ist. Aber ich freue mich sehr, dass ich Kreisbrandmeister geworden bin und mich gegen mehrere Bewerber durchsetzen konnte.

Was gehört denn alles zu den Aufgaben des Kreisbrandmeisters?

Man ist der höchste Feuerwehrbeamte des Landkreises und hat damit einige Themen auf dem Tisch, zum Beispiel Ehrungen auf Kreis- und Landesebene. Man ist Ansprechpartner für die Kommandanten, aber auch für alle Feuerwehrkräfte, Sprachorgan in den Ausschüssen, wenn es etwa ums Thema Ausstattung der Feuerwehren geht. Ganz aktuell werde ich natürlich auch in die Planung des neuen Landratsamtes einbezogen. Als Kreisbrandmeister ist man außerdem bei Großschadenslagen vor Ort und bildet in einem Katastrophenfall die Führungsriege. Die Abteilung wurde jüngst auch umstrukturiert.

Was bedeutet das?

Der Brand- und Katastrophenschutz bildet nun eine Abteilung mit 5,2 Planstellen zuzüglich der Leitstelle, die auch zu 40 Prozent durch den Landkreis betrieben wird und im Zuständigkeitsgebiet des Kreisbrandmeisters liegt. Der Katastrophenschutz wurde zuletzt auch um eine Stelle aufgestockt. Damit trägt man der Entwicklung Rechnung, dass das Thema bundesweit mittlerweile jahrzehntelang eher wenig Beachtung gefunden hat und durch jüngste Ereignisse immer mehr in den Fokus rückt.

Woran hapert es denn im Kreis Rottweil noch? Was möchten Sie speziell voranbringen?

Es gibt hier viele gute Ansätze, aber überall auch Potential für Verbesserung oder Nachjustierung. Ein Beispiel ist das Thema Ausbildung. 2024 wurde erstmals ein Gruppenführerlehrgang im Kreis Rottweil angeboten statt nur an der Landesfeuerwehrschule. Das war ein guter Anfang. Nun muss aber gleich der nächste kommen. Außerdem müssen wir unsere Konzepte für den Katastrophenfall aktualisieren.

Klingt nach großen Veränderungen...

Stillstand ist Rückschritt. Meiner Ansicht nach muss man bestehende Strukturen regelmäßig auf Funktionalität überprüfen. Es geht mir aber keinesfalls darum, mich zu profilieren. Sehr wichtig ist mir ein gutes Miteinander, denn am Ende des Tages geht es um die, denen man Hilfe leisten will. Das muss immer das Ziel sein. Ich möchte auch unbedingt noch einen Antrittsbesuch bei den Feuerwehren machen, da es 78 Abteilungen sind (21 Feuerwehren und eine Werks-Feuerwehr), kann das aber dauern. Mir ist wichtig, ein Kreisbrandmeister für alle Kameraden im Kreis zu sein, auch einer des „kleinen Mannes“. Schließlich komme ich selbst aus einer kleinen Feuerwehr, in der ich aktuell auch noch aktives Mitglied bin. Das Thema Kameradschaft ist mir sehr wichtig.

Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie im Kreis Rottweil?

Die Topografie ist hier natürlich ein großes Thema, was die Alarmierung angeht. Glücklicherweise haben wir ein gutes Netzwerk an freiwilligen Feuerwehren. Ansonsten haben wir hier viel Wald, Hänge und Gewässer, also alle möglichen Schadenslagen zu bieten. Glücklicherweise ist der Kreis Rottweil für mich als „Nachbar“ nichts Unbekanntes. Ich muss mich nun in die Strukturen einarbeiten und danke meinen vier Stellvertretern, die während der Vakanz einen super Job gemacht haben. Als ich angefangen habe, gab es gleich einen Stundenplan mit allen wichtigen Themen zur Einführung. Kreisbrandmeister-Kollegen haben mir aber prophezeit, dass man erst nach drei bis fünf Jahren richtig eingearbeitet ist.

Mit zwei großen Bränden in Boll und Oberndorf ging es für Sie ja schon turbulent los. Schon abgeschreckt?

Ach nein, während meiner Fortbildung für den gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst war ich unter anderem in einer großen Berufsfeuerwehr in Offenbach. Da gab es viele spannende Einsätze, und ich habe quasi auf der Wache gewohnt. Wenn man meine Hilfe braucht, bin ich gerne zur Stelle. Ich bin mir jedenfalls für nichts zu schade.

Ist denn bisher im neuen Amt alles so, wie Sie es erwartet haben?

Ich bin vor allem begeistert davon, wie viel hier im Haus geleistet wird. Mancher Kollege nimmt, wenn es nötig ist, auch nachts noch Reparaturen vor. Hier sind wirklich alle mit Herz und Seele bei der Sache.

Werdegang

Philipp Glunz
ist gelernter Schreiner. Auch um sich auch persönlich weiter zu entwickeln, studierte er in Furtwangen Security & Safety Engineering und entdeckte das Thema Brandschutz für sich. Von der Firma, in der er als Werkstudent tätig war, wurde er übernommen, wollte aber auch die andere Seite des Tisches kennenlernen. So kam er zum Baurechtsamt im Schwarzwald-Baar-Kreis. Weil da aber das Thema Feuerwehr fehlte, wechselte er in die Brandschutzdienststelle der Stadt Villingen-Schwenningen.