Der neue Pumptrack wird oberhalb der Schlehengäu-Sporthalle gebaut. Foto: Tröger

Die fünf mit Schaufeln und Rechen ausgerüsteten Männer und Jugendlichen auf dem Gelände oberhalb der Schlehengäu-Sporthalle werkeln nicht an künstlerischen Sandobjekten, sondern modellieren den künftigen Pumptrack der Mountainbike-Abteilung der Sportfreunde Gechingen (SFG).

Gechingen - Sie treffen sich zu einem weiteren Arbeitseinsatz, um das künftige Übungsgelände weiter zu vervollständigen. "Heute haben wir ideales Wetter, um weiterzubauen", sagt Hansi Koch und legt die Schaufel zur Seite, "nach dem Regen der letzten Tage ist es soweit abgetrocknet, dass das stark lehmhaltige Material sehr gut formbar ist". Das beweist die sich schon abzeichnende künftige Trainingsbahn aus Hügeln, Senken und geschwungenen, nach innen gewölbten Steilwandkurven. Max Hintzen­stern kommt dazu, Koch stellt ihn als den "Creativ Director", den Architekten des Tracks vor. Er hat den Rundkurs konzipiert.

Was wohl ein Pumptrack ist, fragt sich so mancher Unbedarfte. Man trifft die Mountainbiker ja eher im urigen Gelände, abseits planierter Wege. Hintzenstern und Koch klären auf: Ziel des Fahrens auf dem Pumptrack (englisch "track" für Strecke) ist es, ohne zu treten, durch Hochdrücken (englisch "pumping") des Körpers aus der Tiefe Geschwindigkeit aufzubauen. Die Radfahrer stehen dabei auf den Pedalen und sitzen nur kurz zum Starten im Sattel. Auf dem Pumptrack trainiert man als ambitionierter Mountainbiker seine "Skills", seine Fähigkeiten. In Gechingen ist er darüber hinaus als Freizeitmöglichkeit für jeden gedacht, der seine Koordination und sein Gleichgewicht schulen möchte. Er soll als weitere sportliche Freizeitmöglichkeit genutzt werden können. "Hier fährt schon mein dreijähriger Sohn mit seinem Laufrad und hat Spaß", so Koch, "der Track ist so konzipiert, dass Sie den mit jedem Rad befahren können". Am besten sind natürlich ungefederte, damit das pumpende Hochdrücken eins zu eins in Geschwindigkeit umgesetzt werden kann.

Selbst Gebautesschätzt man mehr

Die Planungen für den Pumptrack begannen schon vor mehr als drei Jahren, erzählt Hintzenstern. "Wir hatten an der Erddeponie früher schon einen weitläufigen Pumptrack mit größeren Sprüngen", sagt Hintzenstern, "der war jedoch abgesperrt und konnte nur genutzt werden, wenn ein Übungsleiter dabei war". Als die Erddeponie erweitert wurde, musste dieser weichen. "Meinem leider zu früh verstorbenen Vater war es ein Herzensanliegen, dass die Kinder und Jugendlichen wieder ein Trainingsgelände haben." Mit seinem Tod stand der neue Track auf der Kippe, ab dem Frühjahr 2020 konnte weitergearbeitet werden, jedoch sorgte Corona im vergangenen Jahr dafür, dass wieder alles eingestellt werden musste. Hier machen die zwei Verantwortlichen deutlich, warum sie den Pumptrack in Eigenarbeit und zusammen mit den Jugendlichen erstellen: "Uns ist es wichtig, ihnen Verantwortung zu übertragen, denn was sie selbst gebaut haben, schätzen sie hinterher vielmehr und gehen achtsam damit um". Die etwa 100 Mitglieder starke Abteilung Mountainbike im SFG ist Mitglied in der Deutschen Initiative Mountainbike DIMB, deren "Zehn Gebote" für das Verhalten der Mountainbiker im Gelände und gegenüber Spaziergängern immer wieder Schulungsthema für alle sind.

Mehr als 70 Kubikmeter Material wurden von einem Aushub aus Maichingen angefahren, und jetzt geht der neue Pumptrack – unterstützt teilweise durch den Bauhof, der das Gelände mit dem Radlader zuvor geebnet hat - durch viel Armschmalz der Abteilungsmitglieder seiner Vollendung entgegen. "Das Material, das wir hier verbauen, hat einer unserer Biker auf einem Feld beim Militärgelände in Calw entdeckt und festgestellt, dass das genau die Konsistenz hat, die wir brauchen: sehr lehmhaltig und gut formbar, es lässt sich sehr gut verdichten und macht die Anlage haltbar". Einige Recherchen führten dann zum Ursprung in Maichingen und der Möglichkeit, die benötigte Menge von dort zu beziehen.

Wenn der Rundkurs in seiner gesamten Länge fertiggestellt ist, sollen ein Sitzplatz und ein Geräteschuppen die Sportanlage ergänzen. Mit einem QR-Code auf der Webseite der Sportfreunde – www.mtbgechingen.de – wird ein Video abrufbar sein, das zeigt, wie der Track genutzt werden kann und was dabei zu beachten ist. Beispielsweise darf er nicht befahren werden, wenn es gerade geregnet hat, denn dann würden die Bikes unerwünschte Spuren hinterlassen.

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