Georg Schwarz’ Weg ins Pfarramt war ein ungewöhnlicher. Doch es waren gerade die Erfahrungen mit Menschen in einem „normalen“ Beruf, die ihn dorthin gebracht haben.
Wenn der Weg ins Pfarrhaus über ein Schuhgeschäft in der Stuttgarter Königstraße führt, dann zeigt das schon: Georg Schwarz‘ Werdegang ist ein besonderer.
Seit März ist er Pfarrer an der Stadtkirche. Neben der Kernstadt ist er neuerdings auch für die Protestanten in Hirsau zuständig. „Meine Familie ist hier ganz wunderbar gestartet“, erzählt der 33-Jährige, der mit seiner Frau und dem anderthalbjährigen Sohn in die Hesse-Stadt gezogen ist. Das liege auch daran, dass sie zu einer tollen Zeit gekommen seien: Mit Feuerwehrfest, Stadtjubiläum und mehr den Sommer über viel geboten. Dazu kommt: „Hier gibt es alles, das man zum Leben braucht.“
Geboren und aufgewachsen in Stuttgart, hat Georg Schwarz in Tübingen und Mainz Theologie studiert. Über ein Austauschprogramm der Landeskirche verbrachte er zwei Monate im Oman, um den Islam kennenzulernen. Und an Sommerunis hat er an verschiedenen großen Universitäten dazugelernt. „Theologie geht ja weit über nationale Grenzen hinaus“, meint er.
Als junger Mann will er in die Wirtschaft
Dass sein Weg einmal hauptberuflich in die Theologie führen wird, das war nicht absehbar. Zwar stammt er aus einem Pfarrhaus: Beide Eltern sind Theologen und waren lange Gemeindepfarrer. Die Mutter leitete bis zu ihrem Tod die Württembergische Bibelgesellschaft, der Vater ist Dozent an der Evangelischen Missionsschule Unterweissach. Und trotzdem hatte der Sprössling anderes im Sinn.
„Mein Ziel war ganz klar, in der Wirtschaft was zu machen“, erzählt Georg Schwarz. Deshalb absolvierte er eine Ausbildung als Einzelhändler, die er um den Handelsfachwirt ergänzte. So arbeitete Schwarz schließlich als stellvertretender Filialleiter bei Deichmann mitten in der Landeshauptstadt.
Bei seiner Arbeit habe er „Dinge gesehen, die mich berührt haben“. Er traf Kunden mit unterschiedlichen Lebenssituationen, mit wenig Geld, dafür aber vielen Sorgen. Und dem Bedürfnis, mit ihm ins Gespräch zu kommen – nicht nur über Schuhe. Dabei bemerkte der junge Mann, dass er den Menschen „nicht über das Maß eines Einzelhändlers hinaus helfen“ konnte – zumindest nicht in einem Schuhgeschäft. Also entschied er sich für einen Beruf, der näher am Menschen ist: Pfarrer.
Eine wichtige Station auf dem Weg zur ersten Pfarrstelle war sein Vikariat in Schwieberdingen bei Ludwigsburg. Es endete mit einer Besonderheit: In einem gemeinsamen Gottesdienst in der Stuttgarter Stiftskirche führte Landesbischof Ernst-Wihelm Gohl zwölf junge Theologen in den Pfarrdienst ein. Darunter Georg Schwarz und Samuel Raiser, nun Pfarrer in Wildberg, und Marius Heile (Nagold).
Gemeinsame Ordination ist etwas Besonderes
Sein Vikariatskurs sei von Freundschaft und geistlicher Verbundenheit geprägt gewesen, erzählt Schwarz. Deshalb waren die Vikare mit dem Wunsch nach einer gemeinsame Ordination an die Landeskirche herangetreten.
Diese Verbundenheit ist neben einer „Verkettung von vielen glücklichen und geführten Umständen“ der Grund, warum Schwarz’ Weg nach Calw führte. Der Beruf ist fordernd, das weiß er. Deshalb haben er und befreundete Kollegen entschieden, einander zu begleiten. Räumliche Nähe hilft dabei.
In Kickschuhen übrigens war Georg Schwarz früher schon in Calw unterwegs: Der 33-Jährige erzählt, dass er 2020 an einem christlichen Fußballturnier in der Stadt teilgenommen hat.
Nun ist er also wieder da. „Mein Herz schlägt für alles, das mit Gottesdienst zu tun hat“, sagt er. Der Sonntagsgottesdienst sei seine „große Leidenschaft“. Aber auch Konfirmanden- und Religionsunterricht, zahlreiche Sitzungen, Vesperkirche, Bibelstunden, Andachten und Krankenbesuche gehören zu seinen Aufgaben. Für seine Kirchengemeinde wolle er ein guter geistlicher Leiter sein, und Georg Schwarz möchte „Calw zu einem lebenswerten Ort für alle Menschen machen“, gleichen welchen Glaubens. „Ich hab großes Vertrauen, dass es hier gut werden darf.“