Stefan Veihelmann ist der neue Pastor der evangelisch-methodistischen Kirche in Nagold. Im Gespräch mit ihm redet er außerdem über seine Arbeit mit Suchtkranken.
Neuer Pastor der evangelisch-methodistischen Kirche in Nagold und theologischer Leiter in einer Suchthilfeeinrichtung: Stefan Veihelmann vereint beide Aufgaben.
Seit Mitte September ist Stefan Veihelmann für gleich zwei Bereiche zuständig: Der 60-Jährige ist neuer Pastor der evangelisch-methodistischen Kirche in Nagold und zugleich theologischer Leiter im Lebenszentrum Ebhausen. Zuvor war Veihelmann über 33 Jahre in verschiedenen Bezirken tätig – unter anderem in Schorndorf, Baiersbronn, Nürnberg und zuletzt im Bezirk Bietigheim/Ortmarsheim. Nun will er vor seinem Ruhestand noch einmal den Standort wechseln – und sein Weg führte ihn nach Nagold.
Das Leben mit Jesus Christus gestalten
Seine Verbundenheit zu Gott entdeckte Veihelmann bereits im Kindesalter. Sein Großvater war Prediger in einer methodistischen Kirche. „Ich wurde dann auch in der methodistischen Kirche eingesegnet“, erzählt er. Das entspreche etwa der Konfirmation in der evangelischen Kirche.
Als Teenager erlebte Veihelmann dann einen „spirituellen Schlüsselmoment“, wie er sagt – ein Erlebnis, das ihm zeigte, dass er sein Leben mit Jesus Christus gestalten möchte. „Seit diesem Zeitpunkt wollte ich anderen Menschen von diesem Glauben erzählen“, erinnert sich der Pastor.
Nach der Schule begann der gebürtige Pforzheimer sein Theologiestudium an der Universität Tübingen. Drei Jahre später führte ihn sein Weg nach Frankreich, bevor er schließlich an den Ursprung des Methodismus reiste – nach England.
Besondere Unterschiede zwischen dem evangelisch-methodistischen Glauben und anderen christlichen Konfessionen sieht der Pastor nicht: „Ob katholisch, evangelisch, methodistisch oder baptistisch – das sind für mich alles Kirchen, die ihren Weg mit Gott suchen. Es gibt kein besser oder schlechter. Jeder hat seine eigene Perspektive, und das bereichert uns“, betont Veihelmann.
Evangelisch-methodistische Kirche erhebt keine Kirchensteuer
Ein wesentlicher Unterschied liege allerdings in der Finanzierung: Die evangelisch-methodistische Kirche erhebt keine Kirchensteuer. „Deshalb brauchen wir mehr Verbindlichkeit von den Menschen, die sich unserer Gemeinde zugehörig fühlen“, erklärt der Pastor. Die Gemeinde finanziert sich ausschließlich durch freiwillige Beiträge und ehrenamtliche Unterstützung. „Wer bei uns seinen Glauben leben möchte, kann geben, was er will oder kann.“
Die Kirchenleitung verteilt die freiwilligen Mitgliedsbeiträge und bezahlt davon die Pastoren. Reichen die Mittel einer Gemeinde nicht aus, wird die Arbeit auf mehrere Gebiete aufgeteilt. So arbeitet auch Veihelmann zu 60 Prozent als Pastor in Nagold und zu 40 Prozent als theologischer Leiter im Lebenszentrum Ebhausen.
Im Lebenszentrum begleitet er Menschen, die nach einer Suchttherapie den Weg zurück in den Alltag suchen. Gespräche in Therapiesitzungen, Gottesdienste und seelsorgerliche Arbeit gehören dabei zu seinen Aufgaben.
Pastor will sich auf Menschen aus allen sozialen Schichten konzentrieren
Seit seinem Start in Nagold hat sich Veihelmann bereits eingelebt. Besonders am Herzen liegen ihm Projekte, die Menschen aus allen sozialen Schichten ansprechen – wie die jährlich stattfindende Vesperkirche in Nagold. „Ich wünsche mir, dass Menschen entdecken, dass es einen Gott gibt, der sie liebt und unterstützt“, sagt er. Leider gebe es nur noch wenige Kirchen, die wirklich alle Schichten erreichen. „Aber Kirche muss für die Armen da sein“, betont er. Das wünsche er sich auch für die Zukunft.