Die Ortschaftsrätinnen Sybille Raitz (von links) und Renate Kalmbach verabschiedeten die scheidende Ortsvorsteherin Viola Gärtner mit einem Blumenstrauß. Foto: Kraushaar

Im Ortschaftsrat von Unterlengenhardt hat es einige Veränderungen gegeben. Viola Gärtner trat als Ortsvorsteherin zurück. Ihre Abschiedsrede am Montagabend in der Freien Studienstätte war sehr emotional.

Bad Liebenzell-Unterlengenhardt - Viola Gärtner gab aus gesundheitlichen Gründen ihr Amt als Ortsvorsteherin von Unterlengenhardt vorzeitig auf. Als Nachfolger rückte ihr bisheriger Stellvertreter Rainer Kraft für die restliche Amtsperiode bis zu den nächsten Wahlen 2024 zum neuen Ortsvorsteher auf. Zu seiner neuen Stellvertreterin wurde Renate Kalmbach gewählt. Als Nachrücker für den frei gewordenen Platz im Unterlengenhardter Ortschaftsrat verpflichtete Bad Liebenzells Bürgermeister Robert Chiari Klaus-Peter Palme.

Vor der offiziellen Verpflichtung von Palme hatte der Bad Liebenzeller Bürgermeister die Leistungen der bisherige Ortsvorsteherin Gärtner gewürdigt und ihr Ausscheiden auch formal mit der Übergabe einer Urkunde bestätigt.

Dass das Amt der Ortsvorsteherin für Gärtner weit mehr als ein Job war, wurde aus ihrer emotionalen Abschiedsrede ersichtlich. "Angefangen hatte alles am Weltfrauentag 2019, als ich zu einer öffentlichen Sitzung des Ortschaftsrats gegangen bin", blickte Gärtner zurück.

Angesprochen von Gemeinderat Volker Kliewer ließ sich Gärtner zur Kandidatur überreden. "Zum Rauswählen kann ich mich ja bereit erklären", so ihr erster Gedankengang, aus dem sich aber am Ende als Stimmenkönigin der Wahl die Aufgabe einer Vorsitzenden des Ortschaftsrats entwickelte. "Ich und Politik – niemals. Aber man sagte mir, dass ich das jetzt auch machen muss. Nicht gesagt hat man mir jedoch, dass ich das wegen meins Alters – bei der Wahl 63 Jahre – auch hätte ablehnen können", sagte Gärtner. Die Geschichte nahm ihren Lauf. Gärtner entwickelte erste Ideen wie einen Schaukasten. Dann kam Corona. "Ich möchte nicht zu viel Gewicht darauf legen, aber das hat von uns allen sehr viel abverlangt." In Folge prägten die Einführung einer Bürgersprechstunde, Fragen wegen der Glasfasertechnik, Carsharing, marode Wasserleitungen, Blitzer in der 30er-Zone und die Frage, ob neben dem Waldorfkindergarten auch ein Waldkindergarten errichtet werden kann, ihren Alltag.

Dorfacker eingerichtet

"Für viele Fragen versuchte ich Antworten zu finden, bei der Stadt, anderen Ämtern oder durch eigene Recherchen", sagte die scheidende Ortsvorsteherin. "Meine Idee, einen Dorfacker einzurichten, manifestierte sich 2020 und dank der Bereitschaft von Herrn Reichert, uns ein Stück Land zu überlassen, konnte das Projekt tatsächlich in Angriff genommen werden", sagte Gärtner. Inzwischen stehe dank großzügiger Unterstützung sogar eine Gerätehüte auf dem Grundstück, freute sich Gärtner, dass ihr "Baby" heranwächst. Der Umbau des Dorfzentrums zum Kindergarten war ein weiteres spannendes Thema in ihrer Amtszeit.

Kräfte reichen nicht

"Ich hatte gelobt, die Rechte der Gemeinde gewissenhaft zu wahren und ihr Wohl und das der Einwohner nach Kräften zu fördern und dabei bin ich an einem entscheidenden Punkt angekommen. Meine Kräfte scheinen nicht mehr für die Aufgaben, die ich erfüllen möchte, zu reichen. Aber so etwas kann passieren, wenn man einen Erstklässler in eine Abiturklasse steckt", bat Gärtner um Verständnis, dass sie die versprochenen fünf Jahre Amtszeit nicht bis zum Ende durchhalten könne. Zum Abschied bedankte sie sich dafür, dass es zu einem problemlosen Übergang und einem vollzähligen Ortschaftsrat kommt. Sie freute sich darüber, dass sie ab jetzt als einfache Bürgerin in Unterlengenhardt leben darf.

Überblick behalten

Einige der Themen nahm auch Ortschaftsrätin Erika Kappler in ihrer Laudatio mit auf. Sie lobte die scheidende Ortsvorsteherin dafür, dass sie nie den Überblick verloren habe. Als ein Beispiel führte sie den Dorfplatz an, der so ohne ihren Einsatz nie gekommen wäre.

Mit den aktuellen Aufgaben würden die verbleibenden eineinhalb Jahre Amtszeit bis zur nächsten Wahl mit Sicherheit nicht langweilig, schaute der neue Ortsvorsteher Rainer Kraft nach vorne. Es habe einige Missverständnisse mit der Stadt Bad Liebenzell gegeben. Dabei führte er unter anderem die Ausräumung des Dorfsaals an, aufgrund dessen aktuell keine Räumlichkeiten mehr für den Ortschaftsrat zur Verfügung stünden.

Um dem künftig entgegenzuwirken, kündigte Bad Liebenzells Bürgermeister Roberto Chiari eine regelmäßige Bürgersprechstunde für die Ortsteile an.

Info

Kommunalwahl

(wk). Die jüngsten Kommunalwahlen in Baden-Württemberg waren am 26. Mai 2019. An diesem Tag wurde auch der neue Ortschaftsrat von Unterlengenhardt gewählt. Die nächsten Wahlen sind folglich 2024, da die Gemeinde- und Ortschaftsräte für fünf Jahre gewählt werden.