Der neue Oberbürgermeister von Freudenstadt, Adrian Sonder (rechts), wurde von Gemeinderat Wolfgang Tzschupke vereidigt. Foto: Michael Spotts

Nachdem Adrian Sonder mit gut 60 Prozent der Stimmen zum neuen Oberbürgermeister der Stadt Freudenstadt gewählt wurde, erfolgte nun die offizielle Amtseinsetzung im Rahmen einer öffentlichen Sitzung des Gemeinderats.

So eine Gemeinderatssitzung gibt es nur sehr selten. Hunderte von Gästen waren gekommen und auf der Tagesordnung stand lediglich ein einziger Punkt: die Amtseinsetzung des neuen Oberbürgermeisters Adrian Sonder.

 

„Immer wenn ich hierher fahre, dann fühlt sich das ein bisschen so an wie in den Urlaub zu fahren“, schwärmte Thomas Strobl, stellvertretender Ministerpräsident und Minister des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen, über die „Hauptstadt des Schwarzwalds“, wie er Freudenstadt nannte. Gekommen war er, um Adrian Sonder alles Gute für sein neues Amt als Oberbürgermeister der Stadt Freudenstadt zu wünschen. Die beiden kennen sich schon länger, denn Strobl hat Sonder einst von Berlin nach Stuttgart „abgeworben“.

Mit dem neuen OB beginne auch ein neues Kapitel der Stadtgeschichte. Nun heiße es, die Herausforderungen in der touristisch geprägten Stadt anzugehen, denn die wachsende Bevölkerung in Baden-Württemberg verlange beispielsweise einen Fokus auf Schulen und Wohnraum. Dabei seien die Handlungsspielräume allerdings beschränkt. Dennoch sei es entscheidend, ein attraktiver Standort zu sein. „Du bist mit 35 Jahren ein sehr junger OB, aber dein bisheriger Werdegang zeugt von Zielstrebigkeit und Fleiß“, sagte Strobl über Sonder.

Thomas Strobl, stellvertretender Ministerpräsident und Minister des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen, bei seiner Rede Foto: Michael Spotts

Freudenstadt habe mit der ersten interkommunalen Gartenschau und der Wasserstoffforschung am Campus Schwarzwald „zwei Zukunftsprojekte, von denen die Stadt zehren kann“, meinte Strobl. Und wie die Dänen im Rahmen der Fußball-EM hier als Gäste aufgenommen wurden, sei ein Aushängeschild für das Land und die ganze Republik.

Für den Minister, der selbst 27 Jahre lang Gemeinderatsmitglied war, ist das Amt des Oberbürgermeisters eines der schönsten in Baden-Württemberg, das mit sehr großer Verantwortung und einer Bandbreite an Aufgaben und Verpflichtungen einhergeht. „Doch der Oberbürgermeister ist kein Alleinherrscher, er braucht die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich, Mehrheiten im Gemeinderat und tüchtige Mitarbeiter. Ich habe den Eindruck, dass das in Freudenstadt gut funktioniert.“

Mit Landrat Rückert seit 18 Jahren verbunden

Landrat Klaus Michael Rückert und Adrian Sonder verbindet die Kommunalpolitik bereits seit 18 Jahren. Sonder war einer der jüngsten Wahlhelfer von Rückert, als dieser in Baden-Baden für das Amt des Oberbürgermeisters kandidierte. „Deshalb freue ich mich, dass mit uns beiden jetzt zwei Ex-Baden-Badener in Freudenstadt sind“, scherzte Rückert in seinem Grußwort. Er sei sich sicher, meinte der Landrat, dass er bei den vielen gemeinsamen Aufgaben – wie zum Beispiel dem ÖPNV oder der Biogasanlage – mit Sonder ebenso gut zusammenarbeiten werde, wie mit seinem Vorgänger Julian Osswald. „Es wird anders werden als mit Julian Osswald, aber das ist auch gut so, denn jeder prägt das Amt auf seine Weise“, führte Rückert aus.

Landrat Klaus Michael Rückert hielt ein Grußwort. Foto: Michael Spotts

Weitere Grußworte hielten Dekan Anton Bock und Dekan Andreas Streich, die beide die Wichtigkeit der Kooperation zwischen Kirchen und Stadt unterstrichen, sowie Personalratsvorsitzende Kerstin Harzer.

Die Ehre der Vereidigung von Adrian Sonder wurde Wolfgang Tzschupke (FWV) zuteil, dem ersten ehrenamtlichen Stellvertreter des Oberbürgermeisters, der nach 25 Jahren aus dem Freudenstädter Gemeinderat ausscheidet.

Digitalisierung der Stadt als wichtiges Thema

Oberbürgermeister Adrian Sonder bedankte sich nach seiner offiziellen Vereidigung bei allen Rednern, seinem Vorgänger Julian Osswald, der Stadtverwaltung und den beiden Caterern des Abends, dem Oberlinhaus und der Erlacher Höhe.

„Mir war es wichtig, an meinem ersten Arbeitstag an diesem Dienstag als erstes eine Personalversammlung zu machen. ‚Gemeinsam für Freudenstadt‘, das war kein Wahlslogan, sondern das ist der Weg, den ich gehen möchte.“ Freudenstadt habe viele Leuchttürme wie die Gartenschau oder die Wasserstoffforschung, deshalb sei ihm die Digitalisierung der Stadt wichtig und „dass die Stadt ein Leuchtturm der Digitalisierung wird“. Ziel solle es sein, das Leben der Menschen zu verbessern, einen Mehrwert für die Bürger zu schaffen und die Menschen dabei Schritt für Schritt mitzunehmen.

Adrian Sonder und seine Frau Magdalena trugen sich ins Goldene Buch der Stadt Freudenstadt ein. Foto: Michael Spotts

Ebenfalls sei wichtig, „die Dinge klar anzusprechen, die auf uns zukommen“, erklärte Sonder, denn derzeit gebe es viele Krisen „und ich bin mir sicher, dass die nächsten Jahre nicht ruhiger werden“. Deshalb müsse proaktiv auf Innovationen zugegangen werden, sonst werde die Stadt irgendwann abgehängt. „Dafür werde ich von allen Akteuren etwas abverlangen, denn nur wenn alle mithelfen, werden wir als Gewinner hervorgehen“, kündigte der neue OB an.

Der große Kursaal im Kurhaus Freudenstadt war voller Gäste. Foto: Michael Spotts

Dabei sei Kommunikation das A und O, die Politik müsse in Zeiten der Medien- und Öffentlichkeitsdemokratie den Menschen gut erklärt werden. „Ich werde sagen was geht und auch was nicht geht, denn wir müssen Prioritäten setzen. Aber wir werden auch bei knapper Kasse Wege finden“, ist sich Sonder sicher. Auch wenn Dinge schon immer oder noch nie so gemacht wurden, sei es umso mehr ein Grund, die Dinge anders anzugehen und zu probieren. „Heute abend ist ein Auftakt und ich freue mich auf alles was kommt.“