Vom Besucherinteresse überwältigt waren die Organisatoren des ersten "MuseumsTreff à la Vorsitz" im neuen Pavillon des Waldensermuseums in Neuhengstett. Foto: Tröger

Mit dem "MuseumsTreff à la Vorsitz" startete der Heimatgeschichtsverein (HGV) Bourcet in Neuhengstett nach dem Ende der Museumssonntage ein Experiment, das seine Feuertaufe bravourös bestanden hat.

Althengstett-Neuhengstett - Man muss wissen, dass der Waldenserort Neuhengstett in diesem Jahr für einige Schlagzeilen zu seiner Geschichte gesorgt hat. Das neu geschaffene Waldenser-Ensemble wurde mit einem großen Fest unter breiter Beteiligung der Öffentlichkeit im Sommer eingeweiht. Der neue Pavillon erlebte seine erste große Ausstellung, die "WaldenserGesichter", die ebenfalls weit übers Welschdorf hinaus Interesse fand. Sie lockte an jedem Museumssonntag von April bis Oktober so viele Besucher an wie noch nie. Und das rückte die beiden anderen Ensemble-Teile ebenfalls mehr in den Fokus vieler Besucher aus der weiteren Umgebung.

Bilder bleiben einfach hängen

"Was wäre, wenn wir die ›WaldenserGesichter" einfach über den Winter hängen lassen und an den ersten Sonntagen auch der Wintermonate den Pavillon öffnen?" Eine Idee war geboren, erzählt Martina Talmon-Gros, die zusammen mit Margrit und Kurt Habart die "WaldenserGesichter" realisiert hatte. "Wir könnten uns doch einfach treffen zum Austausch, zum Geschichten erzählen, vielleicht zum Spielen und um gemütlich Zeit miteinander zu verbringen."

Nur eine Stube braucht Licht und Wärme

In Neuhengstett gab es in früheren Zeiten des vergangenen Jahrhunderts, als es noch keine Fernseher gab, die Tradition des "Vorsitz". Man hat sich in den dunklen Wintermonaten reihum in einer warmen Stube getroffen, die Frauen hatten ihre Handarbeiten dabei, es wurde auch gespielt und sich dabei rege übers Dorfgeschehen unterhalten. So konnten auch Ressourcen gespart werden, wenn nur eine Stube mit Licht und Wärme versorgt werden musste – heute wieder ein aktuelles Thema.

Voll im Trend: "Stubede", "Lichtgang" und "Vorsitz"

Der erstmals aufgelegte "MuseumsTreff à la Vorsitz" für die Wintermonate knüpft an diese Tradition an und ist damit voll im Trend, wie in einem Online-Magazin zu lesen ist: Im Hochschwarzwald soll jetzt mit einer Werbekampagne der alten Tradition der "Stubede" oder des "Lichtgangs", ähnlich dem Neuhengstetter "Vorsitz", neues Leben eingehaucht werden.

Einer der ältesten Neuhengstetter erzählt aus seinem Leben

Soviel zur Vorgeschichte. Am Sonntag öffneten sich die Türen zum ersten "MuseumsTreff" und flugs nahmen die ersten Gäste an den liebevoll herbstlich dekorierten Tischen Platz. Karl Etzel, er ist einer der ältesten Neuhengstetter, wusste aus seiner Kindheit zu erzählen, wie er mit seiner Ahne, seiner Oma, mit in den "Vorsitz" durfte, dass es da Kleinigkeiten zu essen gab und dass es spannend war, den Alten zuzuhören, wenn Begebenheiten aus dem Dorfleben "durchgenommen" wurden. "Manchmal haben wir da auch Karten gespielt."

Würfel- und Knobelspiele

Gespielt wurde auch am Sonntag, auf den Tischen lagen verschiedene Würfel- oder Lege- und Knobelspiele aus. Drei Jungs, die mit ihrer Oma gekommen waren, fanden gleich ein Spiel, das ihnen Spaß machte. Die "WaldenserGesichter" an den Wänden sorgten bei den fast 60 Besuchern immer wieder für angeregte Gespräche und Austausch mit den HGVlern: "Ach guck, der ist ja auch hier dabei, was macht denn seine Familie, da gehört doch auch noch XY dazu, oder?" Zwei Frauen wollten wissen, was mit den vielen Mispeln an den beiden Bäumen im Alten Friedhof geschieht, ob und wie man da etwas Kulinarisches draus machen kann. Eine Fachfrau aus den HGV-Reihen konnte hier profund aufklären.

Knabbereien, Wein und Most

So wie früher standen kleine Knabbereien auf den Tischen, es gab Wein und Most und auch Alkoholfreies, Kaffee und Tee. Mit einsetzender Dämmerung kamen Kerzen auf die Tische und es mussten mehrmals weitere Stühle aus dem Magazin geholt werden.

Vom Zuspruch überwältigt

"Wir sind total happy über den Zuspruch, auch von auswärtigen Besuchern", zeigten sich die Organisatoren mehr als zufrieden mit dem ersten "MuseumsTreff". "Wir wollten den Schwung aus dem Sommer mit den vielen Besuchern, die ihr Interesse an Neuhengstett und seiner Geschichte gezeigt haben, mitnehmen in die Wintermonate und auch da etwas anbieten." Der nächste "MuseumsTreff à la Vorsitz" ist am Sonntag, 4. Dezember, wieder von 14 bis 17 Uhr geplant.