Ein Holzsteg mitten im Wald sorgt in Rottweil für Gesprächsstoff. Wir haben die gesperrte MTB-Strecke mit den Trailbauern besucht.
Ein Steg im Wald und viele Fragezeichen. Der Schneelaufverein Rottweil kommt mit dem Bau seines Mountainbike-Trails gut voran. Während ein Teil des unteren Streckenabschnitts Richtung Altstadt bereits im November eröffnet wurde, wird am oberen Trail Richtung Wellendingen gearbeitet. Ein Holzsteg über dem Waldboden sorgte zuletzt allerdings für Verwunderung. Wir haben uns mit den Trail-Machern die bislang noch gesperrte Strecke angeschaut. Und die dürfte die Herzen von großen und kleinen Mountainbikern schneller schlagen lassen.
Es liegt Neuschnee an diesem Morgen. Zusammen mit Marc Bläsius, dem Spartenleiter der Radsportgruppe, geht es im Geländewagen von Trail-Profi Fabian Hohl die Rote Steig hinauf. Hohl und die Mitarbeiter seiner Trailfabrik bauen zusammen mit der Radabteilung des Rottweiler Schneelaufvereins seit Februar 2025 die rund drei Kilometer lange MTB-Strecke mitten im Wald.
Salty Willi und Holzhaldamale
Für den 814 Meter langen „Blue Salty Willi“ und 543 Meter langen „Holzhaldamale“ – so heißen die beiden Trails – gab es bislang „wirklich tolle Rückmeldungen“, wie Bläsius erzählt. Die Bereiche, die bereits mit dem Mountainbike befahren werden können, kämen gut an.
„Die Biker, die wir hier bislang zufällig getroffen haben kommen aus den Landkreisen Rottweil, Tuttlingen, Schwarzwald-Baar, Konstanz, Tübingen und Stuttgart“, zählt Bläsius auf, während es etwas holprig am ehemaligen Hochbehälter der ENRW vorbei geht. Diesen, so erzählt der Spartenleiter, habe die ENRW dem Verein zur Verfügung gestellt. Man könne sich vorstellen, dort im Sommer Feste zu feiern oder eine Bewirtung anzubieten. „Mal sehen“, sagt Bläsius.
Die nächsten Monate ist man ohnehin noch viel zu sehr in den Bau der oberen Streckenabschnitte eingebunden. Mehr als 1000 Stunden verbrachten die Ehrenamtlichen des Vereins bisher im Wald zwischen Göllsdorf und Wellendingen – die Arbeitszeit der Trailfabrik-Mitarbeiter nicht eingerechnet.
Große Unterstützung
Weiter geht es Richtung Wellendingen. Auch die Forst-Abteilung ist bei diesem Winterwetter im Wald unterwegs. Man trifft sich, führt ein nettes Gespräch, dann geht es weiter. „Die Zusammenarbeit mit dem Forst ist toll“, sagt Bläsius. Dasselbe gelte für die Zusammenarbeit mit der Stadt, dem Bauhof und der Unteren Naturschutzbehörde.
An einer Gabelung machen wir Halt. Zu Fuß geht es weiter zum frisch angelegten Holzsteg. Und hier sieht man nun auch, dass dieser nicht nur zum Vergnügen der Mountainbiker angelegt wurde. Der Waldboden ist matschig.
Durch den vielen Regen und den Schnee der vergangenen Tage haben sich Pfützen und kleine Tümpel gebildet. Wer hier mit dem Bike unterwegs ist, tut weder sich noch dem Waldboden etwas Gutes. Wer sich mit Mountainbike-Trails nicht auskenne, für den sei das natürlich etwas verwunderlich, gibt Bläsius zu.
„Wir hatten schon geplant, Holzelemente einzubauen“, erzählt Hohl. „Aber nicht in der Länge“. Das Material für den Steg in den Wald zu bringen sei eine Herausforderung gewesen.
Herausforderungen auf der Strecke
„Es kommt halt oft anders“, sagt Hohl und lächelt verschmitzt. Die Arbeit im Wald ist eben eine am „lebenden Objekt“. Da sei auch ein gewisses Gespür für die Natur nötig. Deshalb könne er so manche Kritik am Trail-Projekt nicht so recht nachvollziehen. Man achte auf Lebensräume von Tieren. Wenn etwa in einem Baum, der gefällt werden sollte, ein Nistplatz entdeckt wird, überlege man sich eine andere Lösung.
Gleiches gelte für seltene Pflanzen, etwa Wildorchideen, die entlang der geplanten Strecke entdeckt wurden. „Wir haben Umpflanzungen vorgenommen und neue Lebensräume geschaffen“, erzählt Hohl. Zum Beispiel, indem Bruchsteine in den Boden eingebracht worden seien. Eine 60 Jahre alte Buche im unteren Trail-Abschnitt etwa sei ganz bewusst stehen gelassen worden.
So ganz ohne Eingriff geht es natürlich trotzdem nicht. Wenngleich Bläsius betont, dass der Trail letztlich ja auch dafür sorgen solle, dass der Wildwuchs an illegalen Mountainbike-Strecken, etwa in direkter Nachbarschaft am Dissenhorn, reduziert wird.
200 000 Euro für den Bau
200 000 Euro stehen für den Trail-Bau zur Verfügung. „Damit kommen wir hin“, sagt Bläsius auf Nachfrage. Dennoch könnten es jetzt, wo der Winter zu Ende geht und die Arbeit im Wald in die nächste Hochphase geht, noch mehr Freiwillige sein, die mitanpacken. „Die Basis durch den Schneelaufverein ist wichtig“, betont Hohl.
Die Arbeit gehe nur im Team. Samstags sei man von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang bei der Arbeit. Die Mitglieder unterstützten je nach Können. „Eine Mutter zum Beispiel kümmert sich um die Verpflegung“ – das sei auch wichtig.
Engagierte Helfer gesucht
Der Verein sei gut aufgestellt. Die Verbindung von Ski und Mountainbike sei eine Entwicklung, die auch andere Vereine durchliefen. Dies sei zum einen dem Klimawandel, aber auch der Preisentwicklung geschuldet. „Skifahren ist mittlerweile elitär. Es ist richtig teuer geworden“. Dafür nehme die Radsparte zunehmend Raum ein. Auch, was die Ausfahrten anbelangt. So organisieren die Rottweiler Biker in diesem Jahr zum dritten Mal eine E-MTB-Ausfahrt nach Imst. „Wir suchen immer Leute, die sich engagieren wollen. Das können auch einfache Fahrradausfahrten sein“, wirbt Bläsius.
Es beginnt zu graupeln. Für heute bleibt die Arbeit am Mountainbike-Trail liegen. Spätestens bis zur Landesgartenschau soll sie fertig sein. Wenn’s gut läuft kann der Trail noch in diesem Jahr komplett freigegeben werden. „Wir freuen uns darauf“, sagt Bläsius.