Matthias Maier ist neuer Badbetriebsleiter im Seelbacher Familienbad. Foto: Köhler

Matthias Maier ist seit diesem Jahr neuer Leiter des Seelbacher Familienbads. In seinen Beruf hat er über Umwege gefunden. Im Gespräch mit unserer Redaktion schildert der Lahrer, was seinen Job auszeichnet und warum es ihn einst von der Backstube an den Beckenrand zog.

Das seichte Wasser unter den Sprungtürmen glitzert bläulich in der Sonne. Im Schwimmerbecken drehen einige Senioren ihre Runden, im Nichtschwimmerbereich spielen sich Vater und Sohn einen bunten Wasserball hin und her. Matthias Maier hat alles im Blick. Während des Gesprächs mit unserer Redaktion scannen die Augen des 52-Jährigen unaufhörlich das gesamte Familienbad. Doch niemand ist im Becken in Not, jeder hält sich an die Regeln.

 

„Ich arbeite dort, wo andere Urlaub machen“, schwärmt der Lahrer von seinem Job und verweist auf die umliegenden Schwarzwaldhügel. Dass vor allem Feriengäste das Familienbad besuchen, verleihe dem Schwimmbad seine besondere – eben familiäre – Atmosphäre. Viele seien Stammgäste, in den zehn Jahren, in denen er inzwischen in Seelbach angestellt ist, habe er so manche Schwimmer kennengelernt. „Ich bin ein Stück weit auch Sozialarbeiter“, erklärt Maier. Gerne komme er morgens, wenn der Betrieb noch überschaubar ist, mit den Gästen ins Gespräch, erfülle deren Redebedarf. Diese „menschliche Seite“ seines Berufs gefällt ihm besonders. Doch der Weg an den Beckenrand war für den 52-Jährigen kein Selbstläufer.

„Es ist eine alte Liebe neu entdeckt“, beschreibt der Badleiter seinen Berufsweg. Bereits 1988 habe er ein Praktikum im Lahrer Hallenbad gemacht. Als der damals 16-Jährige eine zweijährige Ausbildung als Schwimmmeistergehilfe anstrebte, meldete sich jedoch sein Vater zu Wort. „Er hat mir gesagt: Lern was Richtiges“, blickt Maier lachend zurück. So ergriff er eben einen handwerklichen Beruf – den des Bäckers.

Gemeinde hat ihm die Ausbildung ermöglicht

Ganz aus den Augen verlor er die Arbeit im Schwimmbad jedoch nie. In seiner Freizeit, berichtet der Lahrer, habe er in mehreren Bädern als Rettungsschwimmer gejobbt – unter anderem in Kippenheim und Bad Peterstal. Als er sich schließlich als Aushilfe in Seelbach bewarb, sollte sich sein Leben grundlegend ändern. „Die Gemeinde wollte mich fest anstellen. Das ganze Jahr über“, berichtet Maier. Parallel dazu durfte er die Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe machen. „Ich habe um drei Tage Bedenkzeit gebeten“, blickt Maier zurück. Am zweiten Tag habe die Entscheidung festgestanden: Maier wollte Weltmeisterbrötchen gegen Schwimmbad-Pommes eintauschen.

Zehn Jahre später verfolgt Maier immer noch seine zweite Karriere und ist inzwischen sogar zum Badbetriebsleiter aufgestiegen. „Hätte es jemanden gegeben, wäre ich auch in zweiter Reihe geblieben“, gesteht der 52-Jährige ein. Denn er wusste, dass die Rolle als Chef auch mehr Arbeit bedeutet. Gut zwei Wochen vor Saisonende bilanziert Maier jedoch: Die Herausforderung anzunehmen, hat sich gelohnt. Zusammen mit seinem neuen Team, das personell stärker aufgestellt ist als im vergangenen Jahr, konnte er dafür sorgen, dass das Familienbad in diesem Jahr an allen Tagen der Woche geöffnet hat. „Die Zusammenarbeit mit der Verwaltung und mit dem Bauhof war hervorragend. Ich habe viel Anerkennung bekommen“, berichtet Maier. Ein Extralob hat er für Bürgermeister Michael Moser übrig, der seine Wahlkampfversprechen zum Freibadbetrieb umgesetzt habe.

Besonders freut den Badbetriebsleiter, dass in Seelbach keine Security von Nöten ist. Auch einen Polizeieinsatz habe man in diesem Jahr noch nicht gehabt. Maier betont, dass er und sein Team Wert darauf legen, den Badegästen mit einem höflichen und respektvollen, aber bestimmten Ton zu begegnen. Auch, oder vor allem, wenn diese sich nicht an die Regeln halten.

Hinter den Kulissen ist viel Arbeit notwendig

Der Klassiker sei, dass die Badegäste mit der Pommesschale in der Hand am Becken entlang flanieren. „Das wissen viele einfach nicht, dass sie über die Wiese laufen sollen. Aber wenn man sie darauf hinweist, dann halten sie es auch ein.“ Der strenge, aber freundliche Ton werde von den Gästen auch deshalb geschätzt, da das Bad dank des Durchgreifens immer sauber sei. „Es gibt keine Eisflecken oder zertretene Pommes“, sagt Maier.

Allgemein geschehe hinter den Kulissen viel, was die Badegäste nicht mitkriegen, aber zur Qualität beitrage. Abends nach Schließung kümmerten sich die Angestellten um den Müll und bereiteten den nächsten Tag vor. Wenn die Schicht um 6 Uhr beginnt, werden Rutsche und Sprungturm auf Sicherheit gecheckt, die Technik überprüft, die Chemikalien gewechselt und natürlich gereinigt. „Die ersten drei Stunden kommt man nicht zur Ruhe“, erzählt Maier. Nach Öffnung gelte es, bei der Aufsicht stets konzentriert zu sein, sodass er nach Schichtende und der Kombination aus Hitze, Lärm und nötigem Fokus erschöpft ins Bett falle.

Um selbst ins kühle Nass zu springen, reicht die Kraft meistens nicht, erzählt Maier. Erst zweimal sei er in diesem Jahr im Becken gewesen. Einmal in der Vorbereitung und einmal als es „richtig heiß“ war. „Manche Gäste fragen mich scherzhaft, ob ich überhaupt schwimmen kann“, sagt der Badleiter lachend. Doch die 50-Meter-Bahn bekommt der leidenschaftliche Triathlet und Ironman-Teilnehmer natürlich leicht „gebacken“.

Urlaub im Warmen

Badbetriebsleiter Matthias Maier arbeitet im Sommer fast durchgehend ohne Urlaub. Außerhalb der Saison, die im März mit Vorbereitungen startet und bis November mit Einwinterungsarbeiten andauert, zieht es Maier in den Süden. Auf Mallorca ist er im Winter sechs Wochen als Rad-Guide tätig. Aufgrund der angesammelten Überstunden kann er sich im Winter einen längeren Urlaub gönnen. Am liebsten fährt er ins Warme, zum Beispiel nach Marokko.