Seit fast 30 Jahren bietet das Geschäft in Lahr fair gehandelte Produkte an. Im Sommer könnte Schluss sein: Vorsitzende Rosemarie Rimpf wird sich zurückziehen, eine Nachfolge ist bislang nicht in Sicht.
Kaffee, Tee, Schokolade, Limonade, Spielzeug, T-Shirts, Körbe, Seife – die Angebotspalette im kleinen Geschäft am Marktplatz ist breit. Das Besondere am Weltladen „Esperanza“: Alle Produkte, die hier verkauft werden, wurden fair gehandelt. Heißt: keine Ausbeutung, keine Kinderarbeit und ein Fokus auf ökologischen Anbau. Das Konzept kommt zwar gut an, dennoch könnte das Geschäft bald leerstehen.
Getragen wird der Weltladen „Esperanza“ von der „Initiative Fairer Handel“. Bei einem Pressegespräch schlägt das Vorstandsteam des Vereins Alarm. „Es ist ungewiss, wie es weitergeht“, sagt Rosemarie Rimpf. Sie hat am Marktplatz die Fäden in der Hand, kümmert sich um Kasse, Bestellungen, kurzum um die ganze Organisation. Ab Sommer wird sie kürzer treten – „aus persönlichen Gründen“. Sollte sich keine neue Führung für Verein und Laden finden, würde die Ära am 30. Juni enden. „Das wäre sehr traurig“, sagt Rimpf.
Denn den Weltladen Esperanza gibt es in Lahr seit fast 30 Jahren. Bis 1998 war er in der Zollamtstraße, dann in der Mühlgasse beheimatet; 2006 hat der Laden am Marktplatz sein Zuhause gefunden. Etwa 50 000 ehrenamtliche Arbeitsstunden sind seit der Gründung in den Laden geflossen.
Initiative ist auf das Ehrenamt angewiesen
Der Großteil wird von aktuell 23 Helfern im Laden selbst geleistet, hinzu kommt der Verwaltungsaufwand. Genau dafür brauche es nun eine engagierte Nachfolge, frischen Wind von außen, am besten mit Erfahrung. Denn „die Möglichkeiten der Mitarbeiter, die schon da sind, sind ausgeschöpft“, sagt Christof Fischer-Rimpf. Er betont, dass der Verein auf das Ehrenamt angewiesen sei. Bei einem Umsatz von bis zu 85 000 Euro im Jahr sei für die Initiative nichts anderes möglich. Erst ab 120 000 Euro Umsatz, so Fischer-Rimpf, könne man eine halbe Stelle hauptamtlich besetzen. „Davon sind wir aber noch weit entfernt.“
Zwar stehen Verein und Laden „auf gesunden Füßen“, wie Bastian Bernhardt betont, doch ein Blick über den Tellerrand zeige, dass es auch besser laufen könnte. Der Oberkircher Weltladen etwa mache den doppelten Umsatz – bei nicht einmal halb so vielen Einwohnern wie in Lahr. Fischer-Rimpf verhehlt nicht, dass auch der Weltladen unter der allgemeinen Situation mit immer mehr Leerständen in der Innenstadt leide. Um gegenzusteuern, habe man überlegt, in die Marktstraße in „1A-Lage“ zu ziehen – „Auswahl gibt es ja genug.“ Doch dort seien die Mieten nicht zu stemmen.
Viele Senioren schätzen die Erreichbarkeit
Rosemarie Rimpf ist sich sicher, dass der Weltladen den Kunden sehr fehlen würde, sollten tatsächlich die Lichter ausgehen. Melitta Bauer erklärt, dass viele Senioren, die in der Innenstadt wohnen, hier einkaufen, weil das Geschäft fußläufig erreichbar sei. Die Kunden würden die persönliche Beratung schätzen und dass sie sich beim Kaffee kaufen noch nach einem Geschenk für ihre Liebsten umsehen könnten. „Das kann man nicht im Supermarkt.“ Bernhardt bezeichnet die Kundschaft als „bunten Querschnitt“. Es kauften alle Arten von Menschen im Weltladen ein, die Wert auf fair gehandelte Produkte legten.
Doch wie lange ist das noch möglich? Mit dem Schritt in die Öffentlichkeit will der Vorstand eine Nachfolge, idealerweise ein Team, finden. „Etwa zehn Stunden die Woche müsste man investieren“, schätzt Fischer-Rimpf. Rosemarie Rimpf sagt unterdessen Unterstützung zu: „Ich bin nicht komplett weg.“
Siegel in Gefahr
Christof Fischer-Rimpf vermutet, dass die Zertifizierung der Stadt Lahr als „Fair-Trade-Stadt“ in Gefahr geraten könnte, sollte es den Weltladen nicht mehr geben. Schließlich sei die Initiative Fairer Handel auch über den Laden hinaus aktiv. Der Laden wiederum beliefere auch die Stadt und das Bürgerzentrum etwa mit fair gehandeltem Kaffee.