Mit dem Willkommens- und Begegnungsfest feierten evangelische Gemeinden dreier Landkreise am Sonntag in Rottweil den neuen Kirchenbezirk.
Zu Jahresbeginn hatten sich die beiden evangelischen Kirchenbezirke Sulz und Tuttlingen zum Kirchenbezirk Rottweil zusammengeschlossen und damit zugleich ein Stück Kirchengeschichte geschrieben, denn erstmals ist in der württembergischen Landeskirche ein neuer Kirchenbezirk entstanden, der auch einen neuen Sitz des Dekanats hat: Rottweil.
Wer Dekan des neuen drei Landkreise umfassenden Bezirks sein wird, das steht noch nicht fest. Dennoch gab es beim Bezirksfest in der vollen Predigerkirche ordentlich etwas zu feiern, schließlich war es bis zum Zusammenschluss ein weiter und teils steiniger Weg, das wurde in den Gesprächen und Ansprachen immer wieder deutlich. Doch nun gelte es, gemeinsam nach vorne zu blicken, sich kennenzulernen und sich weiter gemeinsam auf den Weg zu machen und Kirche von morgen zu gestalten.
Welche Vielfalt der neue Kirchenbezirk bietet, das wurde im Festgottesdienst in der Predigerkirche deutlich, für deren Liturgie die Pfarrer Marie Luise Karle, Alexander Köhrer, Britta Mann-Horvàth, Wolfgang Müller und Schuldekanin Amrei Steinfort verantwortlich zeichneten. Zum Chor der Predigerkirche unter Leitung von Bezirkskantorin Judith Kilsbach gesellten sich Mitglieder des Kirchenchors und des Bach-Chors Schwenningen sowie einige Gastsängerinnen und Sänger. Und auch der Rietheimer Gospelchor unter Leitung von Rainer Möser gestaltete den Gottesdienst musikalisch mit, ebenso ein Ensemble aus dem Bläserteam des evangelischen Jugendwerks Sulz und des Posaunenchors Rottweil unter Leitung von Ben Roundtree.
Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl dankte in der Festpredigt allen, die sich im Rahmen der Fusion eingebracht hatten und stellte die Predigerkirche als neues Zentrum des Bezirks vor. Er hob dabei die besondere ökumenische Verbundenheit hervor, die er sogar auf das Wunder von Rottweil im Dreißigjährigen Krieg zurückführte.
„Nach der Arbeit, die ein solches Großprojekt mit sich bringt, ist heute Feiern angesagt“, lud der Landesbischof ein. „Mit Posaunen und Trompeten. Mit dem Chor und der ganzen Gemeinde“. Und dieser Einladung waren viele aus dem gesamten Bezirk gefolgt.
Rottweils Oberbürgermeister Christian Ruf sprach ein Grußwort. Die Stadt sei geprägt von ihrer 2000-jährigen Geschichte und sei eine Kulturstadt, die weit in die Region ausstrahle. „Umso mehr freue ich mich, dass die evangelischen Gemeinden nun auch hier ihren Mittelpunkt gewählt haben. Und das in einer Stadt, die eigentlich jahrhundertelang als katholisch galt und deren Gestalt sich in üppig ausgestatteten Kirchenbauten zeigt. Aber damit haben Sie als evangelische Gläubige bereits eine lange Erfahrung“, so Ruf. Er hob hervor, dass die Ökumene in Rottweil keine bloße Worthülse sei, sondern gelebt werde. Ein Grußwort sprach zudem Dekan Rüdiger Kocholl, Leiter des katholischen Dekanats Rottweil.
Im Anschluss an den Gottesdienst bestand Gelegenheit, sich kennenzulernen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Im Hof des Dominikanermuseums konnte man sich zudem über den Kirchenbezirk und die Angebote informieren. Am frühen Nachmittag ging es dann auf dem „Weg der Klänge“ vor das Alte Rathaus, wo mit dem Posaunenchor der gemeinsame Abschluss stattfand.