„Es wird auch Veränderungen geben“: Christof Küster, neuer Intendant des Theaters der Altstadt Foto: Theater der Altstadt//-

Christof Küster, langjähriger Leiter des Studio-Theaters, freut sich auf seine neue Aufgabe: Was plant er als neuer Intendant des traditionsreichen Theaters der Altstadt in der Rotebühlstraße?

Ein Tapetenwechsel kann gut tun. Seit 2008 hat Christof Küster das für seinen ausgefallenen Spielplan bekannte Studio-Theater in einem verwunschen begrünten Hinterhof in Stuttgart-Mitte geführt. Eine künstlerisch fordernde, aus ökonomischer Sicht nicht immer leichte Zeit. Nun zieht der 54-Jährige weiter ans größere, finanziell weitaus besser ausgestattete Theater der Altstadt am Stuttgarter Feuersee. Das Umziehen ist der gebürtige Wuppertaler allerdings gewohnt. „Ich hatte viele Stationen in meiner Laufbahn; unter anderem in Frankfurt, eine für mich sehr wichtige Zeit“, erzählt Küster beim Vor-Ort-Termin im Foyer seiner neuen Wirkungsstätte.

 

Auf die Frage, wie er heute auf seine Migration aus dem Westen ins Schwabenland zurückblickt, schmunzelt er. „Wuppertal, wo ich aufgewachsen bin, hat schon eine ganz andere Mentalität.“ Prägend sei für ihn das in seiner Heimatstadt angesiedelte Tanztheater von Pina Bausch mit seiner besonderen Ästhetik gewesen. „Ihre Fähigkeit, große Bilder zu schaffen, hat mich begeistert. Und dass sie die einzelnen Tänzerinnen und Tänzer ernst nimmt anstatt bloß dem Ensemble ein Konzept überzustülpen.“

Den Schauspielern zugewandt

Diese offene, den Schauspielern zugewandte Arbeitsweise übernimmt Christof Küster als Regisseur seiner ersten, während des Schauspielstudiums in Frankfurt gegründeten Gruppe. „Mir und meinen Studienkolleginnen und Kollegen war schnell klar, dass wir selbst etwas auf die Beine stellen wollten, anstatt uns auf die Stadt- und Staatstheater zu verteilen“, schildert Küster die Ursprünge des Ensembles Das graue Theater.

Mit einer Inszenierung wird die Truppe in die inzwischen geschlossene Staatstheater-Spielstätte Theater im Depot am Stuttgarter Ostendplatz eingeladen, so entsteht der Kontakt mit dem damaligen Stuttgarter Schauspielintendanten Friedrich Schirmer.

Doch zunächst geht Küster als Schauspieler nach Marburg, ins Festengagement. „Finanziell ist es im freien Theater schon oft schwierig“, sagt er, „aber die Zeit in Marburg war nicht so glücklich, es passte von beiden Seiten einfach nicht.“ Also zieht er nach Stuttgart um, vor allem aus privaten Gründen, kümmert sich in Elternzeit um seine beiden Kinder, lebt zeitweise von Hartz IV. In seinem Beruf fängt er komplett von vorne an. „Ich war ein absoluter No-Name und musste mich hier erst bekannt machen.“

Mut zum Risiko

Im Studio-Theater bekommt er die Möglichkeit, ein Stück zu inszenieren, das Geld dafür kommt von der Kunststiftung Baden-Württemberg, eine große Hilfe. Als er schließlich das Studio-Theater 2008 als dessen Leiter übernimmt, will er dort die Qualität verstetigen – ein schwieriges Unterfangen, weil die Mittel des Hauses nach wie vor äußerst knapp sind. In der Anfangszeit verdient Küster ein schmales Gehalt von 1200 Euro, die Schauspieler bekommen damals 700 Euro und eine Gewinnbeteiligung. „Meine Vorgänger haben auch mal einen Loriot-Abend gemacht, um den Saal zu füllen“, sagt Küster, „wir aber wollten mehr riskieren.“

In den Folgejahren etabliert er einen anspruchsvollen Spielplan mit einem Klassiker wie „Wilhelm Tell“ oder „Der Prinz von Homburg“ pro Saison, dazu Gegenwartsdramatik und Eigenproduktionen wie das überregional beachtete Politmusical „Die Schlichtung“ über Stuttgart 21. Das Geld dafür generiert er weiterhin über Förderungen, ein teils zäher Kampf.

Inzwischen steht das Studio-Theater wesentlich besser da, die Mittel hätten sich unter seiner Ägide mehr als verdreifacht, erzählt Küster, ein schöner Erfolg. „Wichtig war allerdings, dass man das alte Publikum nicht verprellt“, so will er es auch für das Theater der Altstadt halten, das er von der langjährigen Intendantin und Tochter der Gründer, Susanne Heydenreich, ab der kommenden Saison übernimmt. Das Studio-Theater sei in den vergangenen 16 Jahren seine künstlerische Heimat gewesen. Schwer fällt ihm der Abschied dennoch nicht, er freue sich zu sehr auf die neue Aufgabe, um alten Zeiten nachzuweinen.

Dass er am Theater der Altstadt auf ein Publikum trifft, das eher an kanonischen, vielleicht auch leichteren Stoffen interessiert ist als an künstlerischen Experimenten, versteht Christof Küster nicht als Einschränkung, er habe im Zuge von Gastengagements mit großem Spaß zugkräftige Werke wie Peter Shaffers „Amadeus“ oder Carl Zuckmayers „Hauptmann von Köpenick“ inszeniert, sagt er. „Natürlich wird es auch Veränderungen geben. Wir haben ein neues Logo, und das Foyer wird ein bisschen umgestaltet“, sagt Küster und schmunzelt wieder.

Auf die Frage, worauf er sich besonders freue, antwortet er wie aus der Pistole geschossen: „Auf die Größe der Bühne!“ Endlich könne er ein Stück wie Tschechows „Die Möwe“ mit zehn Personen machen – ein Herzensprojekt, wie er sagt.

Die Spielzeit 2024/25 am Theater der Altstadt

Termin
Am 22. 9. gibt es ab 15 Uhr eine Vorschau auf die Spielzeit 2024/25. Sechs Produktionen bringt das Theater der Altstadt heraus, drei inszeniert der neue Intendant.

Programm
Den Anfang macht Christof Küster mit Anton Tschechows Gesellschaftsdrama „Die Möwe“ (ab 2. 10.). Ab dem 15. 11. ist Roland Schimmelpfennigs „Riss durch die Welt“ in der Inszenierung von Benjamin Hille zu sehen. „Der Nowak, die Torte und der Vorderzahn“ von Lisa Wildmann und Nikolaus Büchel erzählt die Liebes- und Erfolgsgeschichte des Wiener Kabarettduos Cissy Kraner und Hugo Wiener (ab 13. 12.) in Chansons. Küster widmet sich in „Ach, Gussie!“ (ab 15. 2. 25) der tragischen Ehe von Auguste und Konrad Adenauer. Günter Maurer inszeniert Mariana Lekys Roman „Was man von hier aus sehen kann“ als Live-Hörspiel „Erste Hilfe“ (ab 4. 4.). Der Intendant übernimmt Ernst Lubitschs „Sein oder Nichtsein“ über den Terror der Nazis und den Zusammenhalt einer Theatertruppe (ab 23. 5.).