Mit „Axel vo edlem Blut“ haben die Zeller Narren einen neuen Regenten. Den Fasnachtsauftakt feierten sie mit mehreren Jubiläen. Das Fasnachtsmotto 2026 lautet: „Mir lege de Hebel um!“
Er spannte die Zeller ganz schön auf die Folter, denn es war schon kurz vor 1 Uhr als er endlich die Treppe herunter schritt und im Scheinwerferlicht sein Gesicht zu erkennen war. Dann war es soweit und das größte Zeller Geheimnis war auch für dieses Jahr gelüftet: Axel vo edlem Blut, besser bekannt unter Axel Umber, ist der neue Hürus für die kommende Fasnachtssaison. Unter frenetischem Jubel schritt er durch die voll besetzte Halle und die Freude über dieses hohe Amt war ihm anzusehen.
Vorfahren waren schon Hürus
„Vo edlem Blut“ deshalb, weil bereits sein Onkel und sein Vater Hürus sein durften und sein Opa einst Fasnachtsprinz war. Es sei ihm wieder gelungen, einen echten „Vollblutfasnächtler“ an die Macht zu bringen, freute sich FGZ-Präsident Peter Mauthe, der ihm den Hürusorden überreichte.
Und Umber kennt alle Zeller Narren: Denn aufgewachsen im Obertal, hatte er dann lange im Grönland gelebt und zuletzt sein Domizil ins Sunneland verlegt. Doch Fasnacht mache er in der Mittelstadt. „Auch wenn i von ganzem Herzen Mittelstädter bi, will i eu allene de Hürus si“, betonte er. Die Gratulanten standen Schlange.
Wenige Minuten davor: Unglaublich wie die Zeller das zelebrieren, mag sich so manch Außenstehender denken. Wie wild die Schrätteli die Treppe herunterrutschen, die Musiker einmarschieren. „Wer wird es dieses Mal?“ – die Spannung liegt förmlich in der Luft. Und wie emotional sich Vorgänger „Hürus Flo vom Wilde Ma“, alias Florian Hassler verabschiedet und bei einigen Unterstützern persönlich bedankt.
Das Motto 2025: „Mir lege de Hebel um“
Dem Spektakel war ein buntes Programm vorausgegangen und das Fasnachtsmotto 2026 verkündet worden: „Mir lege de Hebel um!“. „Du muesch eifach nach vorne säh, s’ wird was Neues gäh, jammer nit witer drum, leg de Hebel um“, sang Sandra Sütterle. Ein Motto auch in Anspielung auf den frischen Wind durch Marion Isele als neue Bürgermeisterin, hieß es.
Ein besonderes Geburtstagskind
Gefeiert wurde an diesem Abend aber nicht nur der neue Hürus, sondern auch der Fanfarenzug, denn dieser hatte vor 66 Jahren am 11.11. im Löwensaal seinen ersten Auftritt. Diesem närrischen Jubiläum war das Motto des Abends gewidmet, wozu auch die detailreiche Dekoration beitrug. Mindestens 66 wollten sie für den Auftritt sein, mit 75 Musikern waren sie an diesem Abend der größte Zeller Fanfarenzug, den es je gab, freute sich der Dienstälteste Bernd Leimgruber.
Die Männer der ersten Stunde, Gründungsmitglieder Karl Seger und Heinz Helgert, reagierten auf ihre Ehrung mit Freudentränen. Der Verdienstorden der FGZ ging zudem an den Vorsitzenden Frank Hutschenreuter sowie an Frank Wolf. Die Musiker waren so wie beim ersten Auftritt mit weißem Hemd und roter Fliege gekleidet und orientierten sich auch musikalisch am Bühnenprogramm von 1959. „Der Fanfarenzug ist unverzichtbar in der Zeller Fasnacht“, betonte Mauthe.
Thomas Kaiser seit 50 Jahren auf der Bühne
Und noch ein Dritter im Bunde, sollte am 11.11. seinen großen Abend erleben: Thomas Kaiser. Seit 50 Jahren steht er jedes Jahr auf der Ölfte Ölfte-Bühne. Doch bei seiner Ehrung zu Beginn des Abends erlitt der gesundheitlich angeschlagene Kaiser einen Kreislaufzusammenbruch auf der Bühne und sorgte für einen Schockmoment. Nachdem er medizinisch versorgt wurde, ging es ihm wieder etwas besser.
Den Auftritt „Kaisers Harmony“ später mit seiner Familie ließ er sich keinesfalls nicht nehmen – immerhin stand er zum ersten Mal mit den vier Enkeln auf der Bühne – ein besonderer Moment. Beim musikalischen Beitrag mit Zeller Anekdoten hatten die drei Kaiser-Generationen die Lacher auf ihrer Seite. Seit 50 Jahren war jedes Jahr mindestens ein Familienmitglied auf der Ölfte Ölfte-Bühne, betonte Peter Mauthe. Die Ehrung für Thomas Kaiser wurde nachgeholt (siehe unten), doch musste kurzerhand Jens Schleith für ihn als Ansager einspringen. Doch nicht ohne, dass Kaiser den legendären Friedensgruß aussprach.
Hürus-Wahl mal ganz anders
Mit dem „1. Zeller Konklave“ hatten sich die Schrätteli mit Freunden ein besonders langes witziges Schauspiel ausgedacht. Sie zeigten wie man getreu der Papstwahl auch die Wahl des Hürus mal ganz neu gestalten könnte. Als Kandidaten wurden Stefan Jenne (auch Pömpel genannt), Germanefürscht Klaus Ruf und Frank Hutschenreuter ausgemacht. Mit DJ Dirk und Mario Brugger waren sogar zwei Hausener dabei, mit Herbert Grass ein Schönauer und mit Sabine Rudiger die erste Hürusine. Doch nach zwei missglückten Wahlgängen wurde am Ende Präsident Peter Mauthe zum neuen Hürus gewählt – schließlich drehte sich bei dieser Nummer alles um ihn und die Schrätteli huldigten ihren „Peter“.
Bei der Nummer „Gefragt – gejagt“ standen drei Kandidaten dem Jäger Uli Merkle vom Bürgerverein gegenüber, um ihre Vereinskassen aufzubessern. Begeistert hatte vor allem auch der Mädelstanz über den Traum, einmal Hürus zu sein.