Der Nußbacher Martin König hat in einem Haus, das seine Frau und ihre Schwestern in Bräunlingen geerbt haben, einen uralten Brückenwagen gefunden, den er neu aufbaut. Auf dem Bild montiert der gelernte Fein­mechaniker gerade den Vorderwagen in seiner kleinen Werkstatt. Foto: Kommert Foto: Schwarzwälder Bote

Hobby: Martin König bringt Liebhaberstück auf Vordermann / Motorräder haben es Schrauber angetan

Alte Liebhaberstücke haben es Martin König angetan. Meistens schraubt der Mechaniker in seiner Werkstatt in Nußbach an Motorrädern. Jetzt hat er einen ehemaligen Brückenwagen in der Mache.

Triberg-Nußbach. Wenn man in Nußbach in Richtung Fußballplatz unterwegs ist, kommt man an einem unscheinbaren Haus vorbei, an dem am Hang, nicht unbedingt gleich sichtbar, ein Schild angebracht ist, das aus lediglich drei Buchstaben besteht, MAK – Motorrad Anbauteile König. Alles wirkt unauffällig, doch wer sich hierher begibt, will normalerweise etwas ganz Individuelles: ein ganz nach Wunsch aufgebautes Motorrad. Dabei ist Martin König, der Mann hinter dem Kürzel, eigentlich ein "Spätberufener".

Erfahrung im Maschinenbau

"Ich habe den Motorradführerschein erst sehr spät gemacht, nachdem ich einige Monate lang ein 125-er-Maschinchen gefahren habe – und eigentlich nie wirklich überholen konnte", erzählt er im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten. Und er selbst ist kein Motorrad­mechaniker oder ähnliches, sondern gelernter Fein­mechaniker, mit Meisterprüfung und langjähriger Erfahrung im Maschinenbau, insbesondere im Lehren- und Vorrichtungsbau. Wer seine Werkstatt betritt, sollte nicht allzu groß sein, denn zum einen ist die Werkstatt eher klein, zum zweiten ziemlich vollgestellt mit Maschinen. Man betritt eine echte ­Schrauber-Werkstatt.

Haus mit Schätzen geerbt

Doch wo sonst in aller Regel ein Motorrad-Torso bereit für einen individuellen Umbau steht, sieht man derzeit viel edles Eichenholz und komplett neue Holzspeichen-Räder mit Stahlreifen, dazu jede Menge diverser Metallteile.

"Meine Frau hat gemeinsam mit ihren Schwestern ein altes Haus in Bräunlingen geerbt. Das Haus steht unter Denkmalschutz und ist in die Stadtmauer integriert – eher ein Liebhaberstück als etwas zum selbst bewohnen. Beim Ausräumen haben wir etliche uralte Maschinen entdeckt. Und dazu auch einen ehemaligen Brückenwagen, der wohl rund 200 Jahre alt ist", erzählt der Bastler, der mittlerweile in Rente gegangen ist, aus seinem Beruf im ­Maschinenbau. Im Ruhestand ist er allerdings nicht in seinem angemeldeten Zweitjob. Doch der ist zurzeit, ­mitten im Winter, wohl eher nicht gefragt, und so hat ­König beschlossen, diesen Brückenwagen komplett neu aufzubauen.

Professionelle Hilfe

Da die eichenen Holzteile arg abgenutzt und wurmstichig waren, die Räder sogar weitgehend zusammengefault, hat sich der Bastler für die Holzteile professionelle Hilfe geholt – einen ortsansässigen Schreiner für die Teile des Fuhrwerks aus Eiche, einen Wagner und Stellmacher für die Bereifung. Besonders ­Letzterer sei nicht einfach zu finden gewesen, in Bayern habe er dann einen Fachmann gefunden. Die noch verwendbaren Metallteile entrostete und lackierte er selbst, den Großteil aber musste er neu anfertigen – kein Problem bei der vorhandenen Werkstatt-Ausstattung.

Mittlerweile hat König alle Teile erhalten, die für den Vorderwagen benötigt werden, die Räder sind sogar komplett. Lackiert hat er die Holzteile mit Bootslack, der auch schon mal ein Unwetter aushält. Er hofft, die Teile für den Hinterwagen in den nächsten Wochen zu bekommen, dann folgen der Aufbau und die Deichsel. Ursprünglich, so denkt er, sei der Brückenwagen wohl ohne Deichsel ausgekommen und von Hand bewegt worden. Das wolle er so nicht, daher baue er eine Zugdeichsel an.

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