Er ist der neue starke Mann bei der EnBW: Georg Stamatelopoulos Foto: dpa/Marijan Murat

Wie tickt der neue EnBW-Chef? Das Medieninteresse an Georg Stamatelopoulos bei der Bilanzpressekonferenz war groß. Was der Grieche über seine Agenda verraten hat.

Gleich in seinen ersten Worten blitzt der Charme des neuen EnBW-Chefs Georg Stamatelopoulos auf. Als der 54-Jährige die erste große Rede in seinem neuen Amt beginnt, knipsen die Fotografen drauf los, sie nehmen den neuen starken Mann des drittgrößten Energieversorgers Deutschlands ins Visier, die zahlreich erschienenen Journalisten tippen mit Hochgeschwindigkeit in die Laptop-Tastaturen. Mehr als 40 Wirtschaftsredakteure wollen bei der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart wissen, ob und was der Neue anders machen will als sein Vorgänger.

 

Der gebürtige Grieche, der längst die deutsche Staatsbürgerschaft hat, darf als erste Amtshandlung gute Nachrichten verkünden: eines der besten Ergebnisse in der Geschichte des Karlsruher Energieversorgers. Doch bevor der 54-Jährige die Erfolgszahlen eher stoisch von einer Pressemitteilung abliest, nutzt er die Aufmerksamkeit für etwas ganz Persönliches: Er erklärt seinen Namen – und beschreibt sich damit selbst äußerst bodenständig.

Stamatelopoulos erzählt gerne Anekdoten

Sein Vorname klinge zwar recht deutsch, setze sich aber aus den griechischen Wörtern für Erde und Arbeit zusammen. Er sei also derjenige, der mit Erde arbeite, sagte der gebürtige Athener. Beim Nachnamen sei es etwas komplizierter, räumte der 54-Jährige ein. Frei übersetzt bedeute er so viel wie der Nachfahre desjenigen, der aufhört. Der Name bezeichne denjenigen, der sofort kommen solle, um zu helfen. „Das haben wir offensichtlich seit Generationen in Griechenland so gemacht“, sagte Stamatelopoulos am Mittwoch. „Jetzt passiert es auch in Deutschland.“

Bilanzzahlen der EnBW Foto: red/EnBW

Anekdoten erzählt der im Großraum Stuttgart lebende Vater von drei Kindern gern. Der Ziehsohn des langjährigen Technikvorstands Hans-Josef Zimmer ist im Management der EnBW für seinen trockenen Humor bekannt. Erheiterndes kann das Unternehmen nach dem Big Bang um seinen Vorgänger Andreas Schell gut gebrauchen. Letzterer war vor knapp drei Wochen Knall auf Fall zurückgetreten – Stamatelopoulos übernahm von einem Tag auf den nächsten.

Stamatelopoulos: Es war nie mein Traum, CEO der EnBW zu werden

„Es wäre gelogen zu sagen, dass ich lange Zeit hatte, um das zu überlegen“, sagt der Mann, der seit 14 Jahren im Unternehmen ist und zuletzt in seinen drei Jahren als Vorstand für das Ressort „Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur“ zum geschätzten Gesprächspartner innerhalb und außerhalb des Unternehmens für Politik und Wirtschaft avancierte. „Es war nie mein Traum, CEO der EnBW zu werden“, sagt er, „aber als 18-Jähriger habe ich auch nicht gedacht, mal Karriere in Deutschland zu machen. Das Leben kommt, wie es kommt.“

Der Verantwortung seiner neuen Aufgabe sei er sich bewusst. Das Amt des Vorstandsvorsitzenden gebe ihm die Möglichkeit, noch mehr als bisher zu gestalten. „In meinen circa 15 Jahren bei der EnBW habe ich ein Unternehmen kennengelernt, das sich aus einer geradezu lebensbedrohlichen Situation aus eigener Kraft herausgearbeitet hat“, betont er. Jetzt muss der Manager die Energiekrise meistern. Dass Stamatelopoulos – ein seltenes EnBW-Eigengewächs unter den bisherigen Vorstandsvorsitzenden – Krisen meistern kann, hat er bewiesen. Zuletzt, als die Energiewelt nach Putins Einmarsch in der Ukraine Kopf stand.

Neuer EnBW-Chef will Kurs im Grundsatz fortsetzen

Zu den Kämpfen, die in den vergangenen Wochen hinter den Kulissen der EnBW ausgefochten wurden, will sich Stamatelopoulos nicht äußern. Man möge davon absehen, dass er die „nicht alltäglichen Entwicklungen“ kommentiere. Noch nicht mal in der offiziellen EnBW-Pressemitteilung fällt der Name des Ex-Chefs Andreas Schell, der nach Meinungsverschiedenheiten über die zukünftige Strategie des Unternehmens das Handtuch warf. Auf Nachfrage eines Journalisten, ob nicht auch Schell eine Würdigung der guten Bilanz zustehe, antwortet der neue Vorstandsvorsitzende eher schmallippig: „Er hat wichtige Impulse gesetzt und sich sehr mit dem Unternehmen identifiziert.“ Mehr ist nicht rauszuholen.

Lieber richtet Stamatelopoulos den Blick in die Zukunft. Für eine neue Strategie will er sich ein paar Monate Zeit lassen. Was er zu seiner Agenda für 2024 preisgibt, klingt eher nach einem Weiter-so als nach einer neuen strategischen Ausrichtung. „Der EnBW geht es gut“, sagt Stamatelopoulos. Das Unternehmen stehe wirtschaftlich auf stabilen Beinen. „Es besteht kein Grund für einen massiven Kurswechsel.“

„Stama“ macht Dampf bei Energiewende

Dennoch macht Stamatelopoulos, der EnBW-intern „Stama“ genannt wird, Dampf bei der Energiewende: Aufgrund des sehr guten Ergebnisses werde EnBW die Investitionen in den kommenden Jahren nochmals deutlich erhöhen. Bis 2030 seien Bruttoinvestitionen von 40 Milliarden Euro vorgesehen, rund 90 Prozent davon in Deutschland. Laut Finanzvorstand Thomas Kusterer sind das netto rund 22 Milliarden Euro.

Im Fokus stehen demzufolge der Ausbau erneuerbarer Energien und der Netzinfrastruktur, aber auch Themen wie Ladeinfrastruktur für Elektromobilität und Energiewende zu Hause. „Damit gehört die EnBW hierzulande zu den größten Investoren in die Umsetzung der Energiewende“, sagte er. Ziel sei, „die drei großen übergeordneten Ziele der Energieversorgung – Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit – wirkungsvoll und im Interesse der Energiewende und der Verbraucherinnen und Verbraucher zu verbinden“.