Jochen Abert ist seit Anfang 2026 der neue Dirigent der Stadtkapelle Donaueschingen. Foto: Daniel Vedder

Mit Jochen Abert hat die Stadtkapelle Donaueschingen einen neuen Dirigenten. Der 55-Jährige setzt auf Nachwuchsarbeit und frische musikalische Impulse.

Mit dem Start in das neue Jahr 2026 stand bei der Donaueschinger Stadtkapelle ein großer personeller Wechsel an: Nach fast zwei Jahrzehnten am Dirigentenpult der Blasmusiker hatte Dirigent Christian Feierabend seinen Taktstock niedergelegt. Sein Nachfolger heißt Jochen Abert.

 

Der 55-Jährige erlebt gleich sehr ereignisreiche erste Monate in der Donauquellstadt. Ihre erste Feuertaufe hatten der neue Dirigent und seine Musiker bei der Fasnet, doch nicht nur musikalisch ist bei ihm dieser Tage einiges los.

Seit Schuljahresbeginn ist Abert Lehrer an der Realschule in Donaueschingen und hatte mit dem Umzug der Schüler in das neue Gebäude am Buchberg bereits einiges zu tun.

Ursprünglich stammt er aus Immendingen, ist dort zunächst selbst als Jungmusiker aktiv, übernimmt später als Dirigent der Jugendkapelle. „Da kam dann der Wunsch auf, das beruflich zu machen.“ Bis 1999 leitete er auch die Großen bei der Gemeindemusikkapelle Immendingen.

Einige Jahre unterrichtet Abert an den deutschen Schulen in Thessaloniki und Shanghai, bis 2019 arbeitet er an der Realschule in Bad Dürrheim, wo er auch heute noch lebt. „Egal ob in Bad Dürrheim oder an den Schulen im Ausland, ich fand es immer spannend, wie sich die Arbeit an der Schule mit der Arbeit außerhalb ergänzen kann.“

Entsprechend ist Jochen Abert in Donaueschingen nicht nur Dirigent der Stadtkapelle, sondern auch der Jugend- und Minikapellen.

Kampf um den Nachwuchs

Hier liegt künftig ein großer Fokus des Neuen - auch, um die Zukunft der Kapelle zu sichern. „Ich möchte definitiv in der Jugendarbeit meine Spuren hinterlassen. Wir haben sehr engagierte junge Musikerinnen und Musiker, aber von der Anzahl her ist es schwierig.“

Die ersten Auftritte stehen in den Geschichtsbüchern. Nun stellen Abert und seine Musiker schon das Programm für die Sommerserenade in Donaueschingen auf die Beine. Foto: Stadtkapelle Donaueschingen

Neun Mitglieder hat die Jugendkapelle aktuell. Diese Zahl soll größer werden, wenn es nach Abert geht. Viele Vereine haben mit fehlendem Nachwuchs zu kämpfen. Der Dirigent sagt, das Interesse an Blasmusik sei bei jungen Menschen ungebrochen groß.

„Gerade im Städtedreieck gibt es sehr erfolgreiche Jugendkapellen“, sagt der 55-Jährige beim Blick in die Ortsteile. „Warum soll das nicht auch in Donaueschingen gehen?“

Das Potenzial sehe er auch an der Realschule, die eine engagierte Bläserklasse und viele musikalisch begeisterte Schülerinnen und Schüler hat.

„Grundsätzlich ist aber das Problem, dass Schüler nicht mehr so viel Zeit haben.“ Ganztagsschule nehme viel Zeit bei den Kindern und Jugendlichen ein, dann verfolgen viele mehrere Hobbys - da mache der eine oder die andere zum Beispiel bei einem Engagement in einer Kapelle Abstriche.

Vor allem will er den Kindern den Spaß an der Musik und die Gemeinschaft in der Stadtkapelle übermitteln. Seine Position als Lehrer soll dabei helfen, mehr Nachwuchsmusiker für die Stadtkapelle zu begeistern. „Ich hoffe und denke auch, dass ich da einiges bewegen kann.“

Neue Ideen für Kapelle

Eine erste Aktion ist am 26. April geplant bei einem Kinderkonzert im Probelokal in der Mühlenstraße 42. Um 14 Uhr haben musikinteressierte Kinder dann auch die Chance, selbst Instrumente auszutesten.

Mit der Stadtkapelle steht für den Bad Dürrheimer jetzt die Entwicklung des Programms für die Sommerserenade und das große Herbstkonzert an. Seinen Stil beschreibt er als einen „Mix aus allem“. Gerne kreuzt er klassische Musik mit moderner Unterhaltung, so Abert.

In erster Linie möchte er den Erfolg der Stadtkapelle nach 18 Jahren unter seinem Vorgänger bestätigen und auf die Stärken der Musiker setzen: „Ich möchte schauen, dass das so bleibt, denn der Erfolg ist nicht selbstverständlich.“

Und dennoch: „Es wird natürlich Veränderungen geben. Jeder Dirigent hat einen eigenen Stil.“ Kooperationen mit Chören, Tanzgruppen und Bands etwa kann sich der neue Dirigent für die Zukunft vorstellen.

„Vielleicht gehen wir auch ganz neue Wege, die man mit Blasmusik direkt so nicht verbindet.“

Ein Traum: mit dem Orchester reisen

Und was wäre für Jochen Abert ein Traumprojekt? „Ich finde es immer schön, wenn man mit dem Orchester reisen kann.“ In Immendingen etwa war er mit der Kapelle einmal über zwei Wochen auf Tour durch die USA.

Eine ähnliche Aktion hält er heute finanziell für schwierig umsetzbar.

Doch Besuche bei anderen Musikkapellen oder Reisen etwa in die Partnerstädte könnten für ihn auch Höhepunkte in der neuen Ära bei der Stadtkapelle sein.

Zur Person

Jochen Abert
 ist 55 Jahre alt, kommt ursprünglich aus Immendingen und lebt aktuell in Bad Dürrheim. Während seiner Zeit als Dirigent bei der Jugendkapelle der Gemeindemusikkapelle Immendingen kam bei Abert der Wunsch auf, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Nach einem Lehramtsstudium an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg unterrichtete Abert an der Realschule in Bad Dürrheim sowie an den deutschen Schulen in Thessaloniki und Shanghai. Heute ist er Lehrer an der Realschule in Donaueschingen.