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Tobias Geiger tritt in diesen Tagen die Nachfolge von Dekan Ralf Albrecht an

Er ist da: Tobias Geiger und seine Frau sind seit wenigen Tagen Neubürger dieser Stadt. Als neuer Dekan tritt Geiger die Nachfolge von Ralf Albrecht an – und präsentiert sich voller Tatendrang.

Nagold. Der "Neue" scheint ein humorvoller Mensch zu sein. Jedenfalls blitzt er immer wieder auf, dieser schwäbische Schalk, gerade auch, wenn Tobias Geiger über sich selbst spricht. Zum Beispiel, als er gefragt wird, wie der Start in Nagold denn nun war, wie man ihm als neuem Dekan in der Stadt begegnet sei. "Sehr freundlich...", lautet die wenig überraschende Antwort. Sehr "nette Kontakte" habe er bisher gehabt. Gerade auch zu den Mitarbeitern. Und dann fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu: "Naja, die Stelle war ja auch 14 Monate vakant..." Will heißen: Wer freut sich da nicht, wenn endlich wieder jemand da ist, der einem die zusätzliche Arbeit abnimmt.

Ein munterer Spruch über sich selbst, dieses sich nicht zu wichtig nehmen – für Tobias Geiger scheint das typisch zu sein. Er macht nicht viele Worte über sich und seinen Werdegang, über seine Kirchenkarriere, die ihn nun an die Spitze des "alten" Nagolder Kirchenbezirks geführt hat. Der Dekan, zu dem alle aufsehen, der vorgibt, wo es langgeht – das ist garantiert nicht Geigers Auffassung von dem Job. Er sei erstmal da, um zuzuhören, um offen zu sein – welche Themen da auch immer auf ihn zukommen. "Gemeinsam" gelte es die Sachen zu entwickeln. Hilfestellung und Beratung könne er geben – auch den Gemeinden im Nagolder Bezirk. Partnerschaftlich wolle er sein – zum Beispiel auch bei den so genannten Visitationen in den einzelnen Gemeinden.

In Öschelbronn trat er einst seine erste Pfarrstelle an

Sicherlich zupass kommt dem neuen Dekan – der ja streng genommen nach der Fusion der Kirchenbezirke Nagold und Calw nur ein "Codekan" ist – dass er die Gegend gut kennt. Geiger stammt aus dem Waldachtal, verbrachte in Hörschweiler Kindheit und Jugend. Machte in Freudenstadt sein Abitur. Und auch Nagold ist ihm aus jener Zeit bereits bekannt. Schließlich fließt da ja die Waldach hin. Und: Als Pfarrer war er unter anderem bereits ganz in der Nähe tätig – in Öschelbronn trat er seine erste Pfarrstelle an. Er erinnert sich noch gut an Ausflüge mit seinen Kindern zur Burgruine Hohennagold. Aber auch als Einkaufsstadt war ihm Nagold damals schon präsent.

Weitere Stationen seines Pfarrerlebens: Studiert hat er in Tübingen – und als erster westdeutscher Theologiestudent 1990 auch in Greifswald. Danach folgte das Vikariat in Stetten auf den Fildern, seine "unständige Zeit" (Zitat Geiger: "Nicht unanständige Zeit!") verbrachte er bei Heilbronn, dann kam besagte Pfarrstelle in Öschelbronn und schließlich die vergangenen 13 Jahre in Sielmingen bei Filderstadt.

Und nun also Nagold – "eine tolle Stadt", wie Geiger findet. Seit 1. Oktober ist er hier Codekan, diesen Sonntag wird er ab 17 Uhr offiziell eingesetzt. Dass er sich für die Stelle in Nagold beworben hat, dafür habe es ein ganzes Bündel an Gründen gegeben. Zum einen: Es ist die richtige Zeit. Geigers jüngste Tochter (19) hat ihr Abitur gemacht. Eine weitere Tochter ist 23, der Sohn 25. Ein "familienkomtabibler Wechsel" ist in solch einer Phase gut möglich. Ein weiterer Punkt: Nagold mit der Nähe zu Tübingen passt auch privat – dort hat Geigers Ehefrau seit mehr als 30 Jahren ihren beruflichen Mittelpunkt. Der wichtigste Punkt freilich: "Eine hochattraktive Stelle. In einer hochattraktiven Stadt."

"Eine hochattraktive Stelle. In einer hochattraktiven Stadt"

Und nun gerät er doch ins Schwärmen: Nagold, das sei eine Gegend mit Gemeinden, in denen wirklich noch was geht. Die Kirche sei "ein Player in der Stadtgesellschaft". Und auf dem Land sowieso. Auch die "13 super Jahre von Ralf" haben Geiger beeindruckt. "Ralf" – gemeint ist sein Vorgänger Ralf Albrecht – erzählte auch dem Kollegen von Erfolgs-Themen wie der Wachsenden Kirche, der tollen Entwicklung, die Nagold nach der Gartenschau genommen habe, von der Vesperkirche, und, und, und. "Da macht die Arbeit Freude", so ist zumindest die Erwartung. Auf den Menschenschlag freue er sich. "Sehr ehrlich und zuverlässig", sei der Schwarzwälder.

Und schaffig! Das bekommt auch Geiger gleich zu spüren. Denn noch vor seiner offiziellen Investitur am Sonntag ist Geiger am Vormittag bereits für die Predigt beim Familientag des Jugendwerks in Wörnersberg zuständig. Seine Reaktion: "Einfach toll, da geht was!"

Kirchenpolitisch ist Tobias Geiger auch engagiert. Seit 2013 sitzt er in der Landessynode. Und 2019 übernahm er die Leitung des Finanzausschusses. Dabei gehört er wie Vorgänger Ralf Albrecht dem Gesprächskreis (in der Landessynode gibt es ja offiziell keine Parteien) "Lebendige Gemeinde" an.

Der Investiturgottesdienst von Codekan Tobias Geiger ist diesen Sonntag, ab 17 Uhr, in der Stadtkirche Nagold.